Julia Collard & Sven Schnitzler
Was bedeutet Sichtbarkeit? Zwischen Content & Zielgruppe

Was bedeutet Sichtbarkeit? Zwischen Content & Zielgruppe

Eine scheinbar ganz einfache Frage, die wir da am Anfang der Woche gestellt haben. Und gleichzeitig eine, bei der sich die Geister scheiden, Emotionen entstehen, Meinungen hin und her geworfen werden und schließlich was ganz Tolles entsteht: Kommunikation.

Aber von vorne.

„Sichtbar“ ist man dem Wort nach dann, wenn man gesehen wird. Nicht mehr und nicht weniger. Das war „früher“ ganz einfach: Gesehen haben wir uns, wenn wir uns physisch getroffen haben. Als Menschen mit Gesprächen, Ideen und Anlässen. Soweit der C2C Bereich. Für den B2C oder den B2B Bereich war und ist Sichtbarkeit ganz eng mit Werbung & Marketing verknüpft. Sichtbar ist man dann, wenn man einen Namen hat, eine besondere (günstige, nützliche) Ware oder Dienstleistung anbietet. Eine Anzeige in der Zeitung schaltet oder irgendwie versucht im Stapel der Werbeblätter, die am Wochenende den sonst inzwischen leeren Briefkasten überfluten, irgendwie aufzufallen.

 

Wer schreit am lautesten?

Auffallen – das ist das perfekte Stichwort: wie fällt man auf? Und möchte man wirklich um jeden Preis auffallen? Wie der Marktschreier, der am lautesten schreit?

Sichtbarkeit im Web und in den sozialen Medien, das ist die Herausforderung, die uns heute begegnet. Laut schreien hilft hier wenig (obwohl der Trend zu Podcasts und Videos vielleicht genau aus dem Grund so ein Hype ist – endlich auch virtuell schreien zu dürfen ;-)?).

Schreien in der Welt des Internets funktioniert auf zwei Arten: mit viel Geld oder mit gutem Content. Variante eins funktioniert für große Unternehmen und /oder mit einer ausgeklügelten Adwords-Strategie. Man kann SEO-technisch noch so gut unterwegs sein – ohne die passende SEA Kampagne funktioniert es für ein Unternehmen kaum mehr, im Internet sichtbar zu sein. Und beides muss zusammen passen. Anzeigen lassen sich ebenfalls nur aus guten Inhalten kreieren und bilden nur dann ein authentisches Gesamtbild ab. Und nur mit einem solchen können wir mithalten mit sich ständig ändernden Algorithmen, die genau das von uns verlangen: Immer neue Strategie, immer neue Inhalte, ständige Dynamik und Aktualität.

 

Guter Content & Klasse statt Masse

Als Privatpersonen, Selbstständige, StartUps, Coaches und Wissensnetzwerker sind wir vermutlich alle eher bei Variante 2: Sichtbarkeit über Content – eben nicht laut schreien sondern Stories erzählen.

Was ist nun dieser „gute Content“? Da hilft in dem Fall die einfach Übersetzung: Er macht ZUFRIEDEN

  • uns selbst, die wir den Inhalt produzieren,
  • uns und unsere Leistung, Meinung und unser Wissen sichtbar machen und
  • den Kunden bzw. den Nutzer und Leser, der sich für diesen Inhalt interessiert, darüber freut oder ärgert, seine eigene Meinung bildet und im besten Fall lernt.

Karin Kelle-Herfurth hat ganz viele tolle Stichworte für guten Content und die daraus resultierende Sichtbarkeit genannt: „Klasse statt Masse, Kanäle ausprobieren, testen was einem liegt und wo man eher mit seiner Zielgruppe interagieren kann, Netzwerken ist auch geben und gönnen, Menschen verbinden, in Beziehung gehen, gemeinsam gestalten, Zeit im Netz sinnvoll nutzen.“

Gerade letztes ist in Zukunft ein entscheidender Faktor: je schneller sich die virtuelle Welt dreht und je mehr Informationen für uns verfügbar sind, desto wichtiger wird es sein, mit relevantem Content sichtbar zu werden. Sich selbst mit seinem Namen als jemand bekannt zu machen, der etwas zu sagen hat – zielgruppegerecht und nachhaltig. Denn Zeit bleibt im Umfang unverändert und wir wissen alle, dass man auf der Suche nach Inhalten, Kontakten und Kunden auch wahnsinnig viel Zeit verschwenden kann. Wie fassungslos schauen wir oft auf Social Media Kanäle ohne – aus unserer Sicht – nur einen Hauch von Inhalten, aber mit einer Followerzahl, die einen Megastar hinter dem Kanal vermuten lässt. Das lässt sich fast ausnahmslos auf alle Kanäle übertragen. Laut (und oft sinnentleert) schreien wirkt. Viel hilft viel.

Gerade wenn man an einem neuen Blogartikel sitzt, wenn man eine echt tolle virtuelle Diskussion geführt hat, wenn man ein vermeintlich großartiges Foto geschossen hat, dann fragt man sich schon auch, ob man damit wohl ebenso viele Menschen erreichen wird wie diejenige, die via Twitter einfach nur sagt „Wishing everyone a great weekend“…

Die Jagd auf Likes & Shares

Wir machen dazu regelmäßig unsere ganz eigenen „Doppel-Mini-Experimente“ – Unsere Instagramkanäle sind ein wunderbares Beispiel für die Diskussion um Inhalt vs. Community. Einmal in der „richtigen“ Gruppe sind Inhalt und Bild fast schon egal. Sport, Food, Fashion und Katzen – damit liegt man immer ganz gut. Business, Content, Wissen über diesen Kanal zu verbreiten ist viel aufwändiger – wen interessiert schon das letzte Absolventencoaching, bei dem es ja nur um Zukunft, Karriere und Menschen ging ;-)?

Da glaubt man dann kaum, dass Online Kunden nicht weniger anspruchsvoll sind als Offline Kunden. Wir sind weit entfernt davon, Social Media Kanäle zu verteufeln. Im Gegenteil, sie sind unglaublich wertvoll, wenn wir Zielgruppe, Kanal und Inhalt zusammengebracht haben – wenn wir unsere Nische gefunden haben und sie jeden Tag wieder aufs Neue testen, verfeinern, aktivieren. Das ist unsere Aufgabe und zu verstehen, dass man damit nicht an Spitzenzahlen in Likes und Shares, sondern an der Story hinter dem Kanal gemessen wird. Nicht mehr und nicht weniger. Und das ist unglaublich viel wert. Überspitzt gesagt: Ein Wissensfollower zählt wie 100 Fashionfollower – die Community tickt anders. „Eine der spannendsten Aufgaben im Zuge der Content Arbeit ist das Eintauchen in die Gehirne Ihrer Zielgruppe.“

Gleichzeitig fragt man sich, wie denn nun dieser immer neue und relevante Content zu schaffen ist. Ist nicht alles schon einmal geschrieben worden und wer verbringt denn wirklich so viel Zeit mit dem Lesen von Artikeln?

„Gute Content Marketer suchen immer nach Wegen und Möglichkeiten, ihre Reichweite durch authentische Partnerschaften zu vergrößern, die ihren Content an eine wertvolle Zielgruppe weitergeben. Gute Content Marketer nutzen die Synergien von starken Content Kooperationen.“ (aus: Miriam Löffler, THINK Content)

Sichtbarkeit durch Kooperation

Genau das ist unser Ziel. Sichtbarkeit durch Kooperation, durch Zusammenarbeit und durch Austausch. Die Zielgruppe ist gleichzeitig die Peergroup, wenn es um Netzwerken, Feedback und Lernen geht. Nur wenn wir Interaktion und Kommunikation erzeugen können, ist unser Inhalt relevant. Dann haben wir neben Wissen auch Emotion vermittelt und Mehrwert geschaffen. Das war übrigens so ziemlich der häufigste Kommentar zu unserer Frage – danke an Franziska, Achim, Katharina, Frank und Cornelius. Spaß muss es machen. Beim Verfassen, Lesen und drüber Reden.

Und trotzdem kann es ja nicht allein beim Spaß bleiben, wenn wir wirksam sein wollen. Daher ist dann der letzte Schritt notwendig: Sichtbarkeit online muss zu Sichtbarkeit auch offline führen. Der beste Content nützt uns ja nichts, wenn wir ihn erstellt, veröffentlicht und schriftlich diskutiert haben. Wir müssen ihn auch im täglichen Austausch leben. Und in der Interaktion bleibt uns kaum Zeit relevante Keywords zu recherchieren und sinnvoll Hashtags zu nutzen. Da muss der „Funke“ spontan und situativ überspringen. Storytelling hört nicht mit der Wahl des Mediums auf sondern zieht sich durch alle Kommunikations- und Interaktionskanäle. Und da gehört der „real Live-Kanal“ unbedingt dazu. Für eine runde Geschichte.

Und wo wir grade beim Storytelling sind: Sichtbarkeit ist etwas ganz anderes als ein One Hit Wonder. Wer nachhaltig sichtbar sein möchte für ein bestimmtes Thema und gleichzeitig Relevanz bei einer spitzen Zielgruppe erzeugen möchte, der braucht einen langen Atem. Die schnellen „x Tipps zu mehr Sichtbarkeit“ halten wir daher für ziemlichen Quatsch.

Storytelling, Wirkung & Dialog

Sichtbarkeit und ein relevantes, interaktives Netzwerk erreicht man nicht mit ein paar Tricks und Klicks. Dialog entsteht nicht von heute auf morgen. Und der ist ja unser Ziel. Jeder von uns möchte doch auch irgendwie der Held seiner eigenen Geschichte sein – sonst erzählt die sich auch nicht gut. Denn auch, wenn Followerzahlen absolut kein Gradmesser für Relevanz und Content sind, so freut es doch jeden von uns, wenn ein Artikel oft gelesen und geteilt wird, wenn darüber diskutiert wird und wir Menschen erreichen.

Und damit danken wir Sebastian Kolberg für das passende Schlusswort:

„Darf ich ergänzen, dass ich mich am meisten freue, wenn jemand sagt: Danke für die Inspiration? Am Ende geht es neben Netzwerken und miteinander Lernen auch darum, einen Impact zu haben, Wert für andere zu schaffen.“

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