Kostenlose Marketing Tools nutzen statt neue AI Tools kaufen
Kaum haben wir verstanden, welches KI-Tool uns angeblich die Arbeit abnimmt, steht schon das nächste in der Timeline und verspricht mehr Sichtbarkeit, weniger Aufwand und endlich den großen Durchbruch im Internet. Also legen wir Testaccounts an, schauen Tutorials, sammeln Rabattcodes und erklären die nächste monatliche Abbuchung zur Investition in die Zukunft.
Wir finden: Künstlich intelligent und praktisch oft intelligenzfrei.
Denn während wir noch überlegen, ob der Jahresplan wegen der 20 Prozent Ersparnis alternativlos ist, warten die nützlichsten Daten oft längst auf uns. Direkt bei Google, Instagram und LinkedIn. Kostenlos. Aber ihnen fehlt das so verkaufsträchtige Label “AI inside”.
Rabattcode gefunden – Erkenntnis verloren
Wir kaufen gern Potenzial – Möglichkeiten – Zukunftschancen. Ein neues Tool fühlt sich nach Fortschritt an, selbst wenn wir noch keinen klaren Einsatzzweck dafür haben. Die bereits vorhandenen Daten zu öffnen, regelmäßig auszuwerten und daraus eine konkrete Änderung abzuleiten, klingt deutlich weniger glamourös.
Genau dort fängt aber gutes Marketing an, das mit der Zeit besser wird. Ein Dashboard kann Zahlen sammeln. Den Zusammenhang zwischen Zielgruppe, Angebot und Inhalt müssen wir weiterhin selbst herstellen. Wer jeden Monat für fünf Tools bezahlt und keines davon konsequent nutzt, gewinnt nichts. Das ist im KI-Zeitalter eher schon ein bisschen intelligenzfrei. Drei fast schon vergessene (oder nie bekannte) kostenlose Helfer bringen erstaunlich viel Klarheit – natürlich auch nicht ohne Algorithmen, aber eben auf nüchterne Art.
Die Google Search Console
Die Google Search Console ist ein kostenloser Dienst von Google. Nach der Bestätigung, dass dir die Website gehört oder du sie verwalten darfst, zeigt sie, wie deine Seiten in der Google-Suche auftauchen. Sie ersetzt kein Webtracking (z.B. Google Analytics, Matomo und Co). Sie beantwortet eine andere, sehr wertvolle Frage: Was passiert zwischen deiner Website und der Google-Suche?
Im Leistungsbericht siehst du Suchanfragen, angezeigte Seiten, Klicks, Impressionen, Klickrate und durchschnittliche Position. Du erkennst zum Beispiel, bei welchen Begriffen deine Seite häufig erscheint, aber selten angeklickt wird. Außerdem meldet die Search Console Probleme bei Indexierung und Seitendarstellung. Mit der URL-Prüfung lässt sich kontrollieren, ob Google eine wichtige Seite kennt und indexieren kann; eine Sitemap kannst du ebenfalls einreichen.
Für den Anfang reicht ein fester Termin pro Monat. Vergleiche die vergangenen drei Monate mit dem vorherigen Zeitraum. Suche Seiten mit vielen Impressionen und schwacher Klickrate: Passen Seitentitel und Beschreibung wirklich zum Suchanliegen? Prüfe anschließend Begriffe, bei denen du bereits sichtbar bist, deren Thema auf der Seite aber zu knapp behandelt wird. Aktualisiere gezielt eine oder zwei Seiten und notiere die Änderung. Beim nächsten Termin schaust du, wie sich Impressionen und Klicks entwickeln. Einzelne Positionswerte schwanken; Google empfiehlt, Trends bei Klicks und Impressionen stärker zu gewichten.
Und bevor jemand fragt: Ja, das ist immer noch relevant – auch in Zeiten von GEO und KI-Suche.
Browser Erweiterungen: SEO to go
Browser-Erweiterungen sind kleine Zusatzprogramme für Chrome, Firefox oder Edge. Sie analysieren die Seite, die gerade geöffnet ist, und holen wichtige SEO-Informationen aus dem Quellcode an die Oberfläche. Kostenlose Beispiele sind SEO META in 1 CLICK, die Detailed SEO Extension und SEOquake. Je nach Erweiterung siehst du Seitentitel, Meta-Beschreibung, Überschriftenstruktur, Canonical-Adresse, Robots-Angaben, Bildbeschreibungen, Links, strukturierte Daten oder eine einfache Seitenprüfung.
Das ist ideal für einen schnellen Qualitätscheck nach dem Veröffentlichen. Öffne die neue Seite und prüfe, ob Titel und Beschreibung sinnvoll sind, genau eine klare Hauptüberschrift (H1) vorhanden ist, die weiteren Überschriften den Inhalt verständlich gliedern und keine versehentliche Anweisung wie „noindex“ die Aufnahme in Suchmaschinen verhindert. Fehlende Alt-Texte fallen ebenfalls auf. Ob ein Alt-Text das Bild verständlich beschreibt, entscheidet weiterhin ein Mensch.
Auch fremde Seiten lassen sich damit ansehen. Das hilft, Themenumfang und Seitenaufbau im Markt zu verstehen. Es liefert weder die Suchbegriffe echter Nutzer noch einen vollständigen technischen Website-Check und schon gar keine Ranking-Garantie. Eine Erweiterung ist eine Taschenlampe, kein TÜV. Schau vor der Installation außerdem auf Anbieter, Aktualisierungen und angeforderte Rechte. Manche Erweiterungen dürfen besuchte URLs oder Inhalte sehen. Chrome weist ausdrücklich darauf hin, diese Berechtigungen zu prüfen.
Social Media Insights
Die Insights der sozialen Netzwerke sind die eingebaute Auswertung deiner Inhalte. Bei Instagram stehen sie für professionelle Konten zur Verfügung. Du kannst die Entwicklung des Accounts sowie einzelne Posts, Stories und Reels ansehen. Dazu gehören je nach Inhalt und Kontogröße unter anderem erreichte Konten, Aufrufe, Interaktionen, Profilaktivitäten und Informationen zur Follower-Entwicklung. Einige Angaben zur Zielgruppe erscheinen erst ab bestimmten Schwellenwerten.
Auf LinkedIn können Seitenadmins die Bereiche Inhalte, Besucher:innen, Follower:innen, „In Suchen erschienen“ und Mitbewerber:innen auswerten. Für einzelne Beiträge und das persönliche Profil gibt es ebenfalls Analysen. So wird sichtbar, wie oft ein Beitrag angezeigt wurde, welche Reaktionen er ausgelöst hat und ob daraus beispielsweise Profilbesuche oder neue Follower entstanden sind. Bei Unternehmensseiten lassen sich Besucher- und Followerdaten außerdem nach beruflichen Merkmalen betrachten, sofern LinkedIn genügend Daten für eine Auswertung hat.
Die sinnvollste Nutzung beginnt mit einem überschaubaren Monatsvergleich. Halte pro Kanal fest, wie viele Menschen du erreicht hast, welche Beiträge echte Reaktionen oder Klicks auslösten, welche Handlungen danach folgten und ob die erreichten Personen zu deinem Angebot passen. Auf Instagram sind gespeicherte oder geteilte Beiträge und Profilaktionen oft aussagekräftiger als ein schneller Like. Auf LinkedIn lohnen sich zusätzlich Klicks, Kommentare, gewonnene Follower und die berufliche Zusammensetzung der Besucher:innen. Vergleiche mehrere Beiträge derselben Art und lass dich von einem einzelnen Ausreißer nicht zum nächsten kompletten Strategiewechsel verführen. Am Ende steht genau eine Entscheidung für den kommenden Monat.
Erst die Hausaufgaben dann das nächste Abo
Bevor du Follower kaufst – bitte lass es –, KI-Websites aus dem Boden promptest, Automatisierungen für einen Redaktionsplan baust, den niemand liest, oder dich zwischen ChatGPT Work und Claude Code verläufst: Mach erst einmal die Hausaufgaben. Öffne die Daten, die längst da sind. Prüfe, was Menschen suchen, was deine Website technisch erzählt und welche Inhalte echte Handlungen auslösen. Wenn du dabei Unterstützung willst, machen wir diese Hausaufgaben gemeinsam. Die günstigsten News und Insights gibt es oft kostenfrei.
Unser Newsletter gehört übrigens dazu.
Der Rabattcode lautet: anmelden: https://www.linkedin.com/newsletters/doppeltspitze-newsletter-7333452814406336513/
Quellen
- [1] Google Search Console Hilfe: Informationen zur Search Console
- [2] Google Search Central: So funktioniert die Search Console
- [3] Google Search Console Hilfe: Leistungsbericht Suchergebnisse
- [4] Chrome Web Store: SEO META in 1 CLICK sowie Detailed SEO Extension
- [4] Detailed: Funktionsübersicht der Detailed SEO Extension
- [5] Chrome Web Store Hilfe: Von Erweiterungen angeforderte Berechtigungen
- [6] Instagram Hilfebereich: Informationen zu Instagram Insights
- [6] Instagram Hilfebereich: Konto und Content Insights ansehen
- [7] LinkedIn Hilfe: Analysedaten zu Unternehmensseiten
- [7] LinkedIn Hilfe: Beitragsanalysen für Inhalte
