Julia Collard & Sven Schnitzler
Zukunft Personal. Future of Work. Impressionen einer Messe

Zukunft Personal. Future of Work. Impressionen einer Messe

Wir haben meistens einen Plan. Den wir ungefähr genauso oft über den Haufen schmeißen. So auch im Vorfeld der Zukunft Personal 2019 – Motto: succeed in permanent beta. Alles im Flow sozusagen…

Nach dem letzten Jahr wollten wir eigentlich nicht mehr hin. Denn das einzige was von der Messe profitiert hat war unsere Fitness – 10.00 Schritte sind locker drin an einem Messetag. Also in diesem Jahr der neue Versuch mit neuem Plan… und völlig anderem Ergebnis. Aber von vorne…

In 10 Akten (Storytelling – Ihr kennt uns):

1. Parkplatz

Wir haben im letzten Jahr entdeckt, dass man in ungefähr 2 km Entfernung von der Messe ganz gut parken kann. Kostenlos. Dem sind wir auch am ersten Messetag wieder gefolgt. Inklusiv Julias Laufpumps (wer es nicht kennt – nicht unter 10 cm !). Vorbei an der Steigerwaldsiedlung in Köln Deutz (dem kompletten Kontrastprogramm zu dem, was die Messe dann als unsere Arbeitswelt vermuten lässt) und bei Ankunft mit den ersten 2.800 Schritten auf dem Zähler.

Am 2. Tag wurde dies gegen das Parkhaus getauscht – wir dachten, das würde uns Zeit sparen. €15 Parkgebühren und 2.3000 Schritte (oder Shuttlebus) – und vielleicht 5 Minuten schneller.

Hat uns noch nicht überzeugt. Die 50 verlassenen eScooter auf dem Weg reizten zwar für ein Instapic, aber da hat dann doch der Spaziergang durch die Sonne gesiegt.

Der dritte Tag war dann parktechnisch wieder bei Tag 1 (ermüdungsbedingt mit Sneakern!). Falls jetzt die mahnenden Zeigefinger in die Luft gehen: Zu zweit aus dem Umland zur Messe – ja, da bevorzugen wir das Auto.

2. Einlass & Organisation

Die CheckIn Terminals haben funktioniert dieses Jahr. Aber wir haben unsere Online Tickets in Papiertickets umgetauscht, diese dann in Plastikhüllen (mit Gutscheinpaket) gepackt und „unaccompanied child“-mäßig um den Hals gehängt und … ja, dann waren wir drin. Dem der Messe nachfolgenden Klimastreik haben wir also schon vor Start unserer eigentlichen Arbeit ordentlich Futter gegeben.

Damentoiletten: Same procedure as last year. Da hat Gleichberechtigung noch einiges vor sich. Nervt den weiblichen Teil unter uns im entscheidenden Moment mehr als der fehlende Platz im Aufsichtsrat.

Im Doppel unterwegs wartet ER immer mindestens 15 Minuten länger auf SIE. 

3. Verpflegung

Wir sind keine klassischen Netzwerker. Zumindest dann nicht, wenn das heißt, sich an Messeständen 20 Minuten über ein Produkt informieren zu lassen, das man weder braucht noch nutzen wird, nur um einen Kaffee und ein belegtes Brötchen abzustauben. Das sind wir nicht. Das war mal im Studentenleben, als das die letzten drei Tage bis zum Monatsende gerettet hat, aber das wird hier als Managementleben verkauft. Bitte nicht. Wer kennt es nicht, das Beraterbrötchen…

Wir bewundern den Aufwand, den Aussteller betreiben, um über Goodies und Freebies Menschen an die Stände zu locken wohlwissend, dass die meisten nur einen ruhigen Moment, ein Heißgetränk oder einen Stuhl – sorry: Sitzsack, wahlweise Gymnastikball – suchen. Das muss man mögen. Oder Geld in (ungesunde) Messeverpflegung investieren.

4. Keynotes

Können wir in diesem Jahr tatsächlich nicht beurteilen, weil wir uns quasi das gesamte Programm geschenkt haben. Im letzten Jahr haben wir uns von Workshop zu Session zu Keynote gehechtet (20.000 Schritte!!) um festzustellen, dass wir weder gefesselt noch geflasht waren. Unser Problem? Ja, offensichtlich. Alle anderen scheinen ja unendlich beschäftigt und vernetzt zu sein. Egal.

Bekommen diese Keynote Speaker eigentlich Wahnsinnsspeakerprämien oder zahlen sie für die Stage, auf der sie stehen? Wir sehen vieles klarer inzwischen. Eine Keynote für einen Teilnehmerkreis, den man einfach nicht einschätzen kann (weil man ihn im Vorfeld nicht kennt), kann nur Mainstream sein. Und damit nicht neu. Nicht wirklich innovativ. Zumindest nicht für die, die wirklich anders denken wollen. Die schon im Thema sind.

5. Workshops

Da zahlen Firmen also wirklich viel Geld für Workshops. Und Teilnehmer zahlen auch wieder Geld für die Teilnahme an genau diesen. Der eine teilt sein Wissen, der andere lernt. Und „verdienen“ – ja wer verdient eigentlich daran?? Ein zumindest fragwürdiger Tausch von Wissen. Das widerstrebt uns sehr. Ja, da wird eine Plattform, eine Bühne geboten und ja, da kommen auch ganz viele Menschen zusammen, die man so vielleicht sonst nicht gebündelt bekommen würde… aber es bleibt auch ein großes Fragezeichen.

Nicht zuletzt darum, weil wir meinen, dass man Workshops (überspitzt) nur gestalten kann, wenn man miteinander arbeitet. Dafür muss man ein (gemeinsames) Ziel und eine Idee haben. Ganz unterschiedliche Menschen aus diversen Hintergründen zusammenzubringen erfordert Zeit. Keine 45 Minuten. Das ist kein Workshop. Das ist klassische Werbung. Ein Teaser. Mit Legosteinen verziert. Und ganz manchmal einem Lichtblick – einem Aha und Anstoß zum Weiterdenken.

6. Aussteller

Als Marketingprofis sind wir seit Jahren im Messegeschäft unterwegs. Was hier aufgebaut, kreiert und ausgestellt wird ist Upperclass. Toll. Imposant. Ja; es geht um Dienstleistung, daher fehlen die Ausstellungsobjekte, die Tastes, die Gimmicks. Aber allein die Größe der Stände und die Menge an Sales Mitarbeitern (und an Vollkaffeeautomaten und hippen Mixgetränken) ist schon beachtenswert. Wenn ein dreitägiger Messeauftritt aber auch einen Marketingmitarbeiter für ein Jahr finanzieren würde, dann wird einiges klar. Nämlich die Menge an kostenlosen Tickets, die Ignoranz gegenüber einzelnen Leistungen und die Unbeweglichkeit.

7. Gleich & Gleicher

Und während die neue Arbeitswelt Hierarchien abbaut (oder etwa nicht ??), baut man hier noch ein paar auf. Ohne VIP Lounge geht es nicht.

Jep… wir waren auch drin. In einer Konstellation, die das beste Ergebnis der Messe überhaupt war: wir haben mit echten Menschen über echt absolut praktische und überhaupt nicht abgehobene Themen diskutiert. Wir haben quasi einen Kaffeeklatsch gemacht; sehr oldschool. Ehrlich, ohne Hintergedanken, ohne Sales, aber in dem festen Willen, dass man vielleicht gegenseitig etwas beitragen kann. Zum Leben des anderen, zum Weltbild oder eben nur für den Moment – wer weiß das schon. Berühmt und reich, ja das wäre großartig. Aber die Stunden in einer grauen schallisolierten Besprechungsecke (neuen Arbeitsweltkonzepten sei Dank) waren es allein schon wert.

Ein bisschen Human Work zwischen all den Future Workern (in Anzug, Krawatte und Kostümchen).

Aber eigentlich sollte das nicht ein abgeschotteter VIP Bereich der Messe, sondern ihr Zentrum sein, weil…

8. Menschen

… es um Menschen geht. Zukunft „PERSONAL“. Es hat uns jemand geflüstert, dass es in kaum einem Vortrag, einer Keynote, an kaum einem Stand um den Menschen geht. Dass  “Mensch“ individuell überhaupt keine Rolle spielt. Nur EIN Unternehmen trägt genau das Wort MENSCH im Namen (und das kennen wir alle). Es geht also um Personal. „DAS“ Personal – das ist schon bezeichnend. Schön neutral. Und ähnlich emotional aufgeladen wie die „humane Ressource“.

9. Fazit

Wir sind mit einem klaren Ziel zur ZP Europe 19 gefahren – wir wollten Menschen treffen. Mit einigen haben wir uns vorher verabredet, manche sind spontan dazu gekommen. Keine Massen. Also ein ganz realistisches Abbild unserer Umwelt. Wir sind und leben zwischen und mit ganz vielen Personen – und einige wenige davon bekommen für uns ein Gesicht. Das ist wertvoll. Ob das mehr oder weniger enge Kontakte, Menschen, gar Freunde sein müssen – das darf glücklicher Weise jeder selbst für sich entscheiden. Wir haben eine Handvoll Menschen kennengelernt (zumindest getroffen), mit denen wir eine echt gute Zeit hatten. Eine so gute, dass wir sie wirklich gerne wiedertreffen möchten. Ohne Ticket, ohne offizielle Veranstaltung, vielleicht mit einem gemeinsamen Job, aber immer auch auf einen Kaffee (und ein Selfie).

10. Ausblick

Wir freuen uns sehr, dass wir zu einer zentralen neuen Information (INNOVATION!) auf der ZP beigetragen haben: Wir sind kein Paar. Vielleicht spiegelt das ein bisschen die Innovationskraft der Messe wider.

Oder dessen, was wir selbst daraus machen müssen. Denn letztlich gilt für eine gute Messe das gleiche wie für eine gute Party: Der Gastgeber lädt ein und bietet den Rahmen. Die Stimmung machen die Gäste. Und die knüpfen Verbindungen. Dafür danken wir besonders Troja, Heike, Christiane, Nadine, Sven, Lars, Valentin, Sebastian, Wolf Reiner und David.

Wir haben uns sehr echt gefühlt mit Euch.

…ach ja… future of work. Da hat man sich den Anzug und die Krawatte nicht so wirklich mit Ruhm bekleckert…

Aber wir haben eine Menge #diversity erlebt.

Viele Grüße
Das D-Team

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