Wir geben zu – diese Zeit des physical distancing war uns viel zu eng.

1,5 Meter Abstand hatten wir viel zu selten zum Bildschirm.

1,5 Meter Abstand hatten wir viel zu selten von unserem Haus.

1,5 Meter Abstand hatten wir viel zu selten vom Job, Vom Umfeld, Von uns.

 

Unser Radius in den letzten 4 Monaten war extrem klein wie vermutlich bei jedem von uns, der sich sehr streng an alle Kontaktgebote gehalten hat. Wir werden das auch weiterhin so handhaben. So lange wie nötig, Solange wir es für gesellschaftlich und menschlich verantwortungsvolles Handeln halten.

Aber gleichzeitig hatten wir extrem viel Abstand von Individualität, Von einer Vogelperspektive, Von Inspiration, von Menschen außerhalb des Inner Circle und vom Meer.

 

Im Lauf der Zeit

Nach den anfangs noch fixen Zielpunkten, auf die wir hinarbeiteten, nach hektischen Chaos und motiviertem Neuanfang, haben wir uns wiedergefunden in einem Warten auf das „Danach“. Wir haben uns tapfer geschlagen. Keine Frage. Nach der Motivation des Teams oder unserer eigenen hat niemand gefragt. Nur nach Zahlen – per virtuellem Report.

Neue, spannende Aufträge gab es trotz Krise – digital und viel überregionaler, als wir es gekannt haben.

Wir haben es so oft eine Achterbahn genannt, dieses Leben zwischen oder besser verbunden durch Job und Business (und wir haben in den letzten 5 Jahren individuell härtere Krisen als dieses „Corona“ durchgemacht – auch wenn das angesichts der weltweiten Fallzahlen egoistisch klingen mag).

 

Die Zeit läuft vorbei

Ein Buch veröffentlicht während Corona und den Master abgeschlossen. Neue Mitarbeiter eingestellt und Absolventen verabschiedet. Projektanträge erarbeitet, neue Kunden virtuell getroffen. Alte Kontakte über Netzwerktalks intensiviert. So viel gelernt wie lange nicht – über Tools, über Homeschooling, über Baustellen und Gartenarbeit, über die Familie. Es gibt kein Ereignis, was wir missen möchten.

Und trotzdem brauchen wir genau jetzt Abstand. Der letzte Urlaub ist gefühlt ein Jahr her (und gerechnet auch). Die Menschen, an die wir uns sehr intensiv in dieser Zeit gebunden fühlten, kennen wir scheinbar in und auswendig. Und was mit den netten kleinen Macken im Zeitverlauf passiert, das wissen wir doch alle, oder? Die Story von der Zahnpastatube… Und dann werden wir derer überdrüssig, die uns am stärksten unterstützen, Legen Worte auf die Goldwaage, sind wortleer.

 

Veranstaltunsgfreie Zeit

Wir sind keine Eventjäger, aber das Gegenteil reicht uns auch nicht. In einem Artikel haben wir jüngst noch drüber geschmunzelt, dass Menschen die ganzen Messen und Seminare doch nur wegen der Kaffeelounge vermissen würden.

Unsere mittägliche Kopffrei-Runde – anfangs oft durch menschenleere Straßen – ist zu einem Ritual geworden, aber das reicht zukünftig vielleicht auch einmal die Woche statt täglich. Und in einem variierenden Radius zu den fast langweiligen 5km sternförmig ums Homeoffice (die man angesichts geschlossener Sportstätten auch abends noch einmal laufend wiederholte). Ein Spieleabend mit der Familie – ungewohnt schön, aber das heißt noch lange nicht, dass wir das jetzt ständig machen müssen. Das waren wir vorher nicht – Veränderungen sind schön, aber sie lassen sich nicht erzwingen. Sport im Wohnzimmer – ein Abenteuer mit blauen Flecken.

Nur noch mit ganz großer Anstrengung schaffen wir es, Probleme, Fragestellungen oder Projekte aus einer Metaebene heraus zu betrachten. Viel zu schnell gehen uns Kleinigkeiten auf den Keks, sind wir genervt, fühlen wir uns eingeengt.

 

Zeit mit Menschen

Ob es die Menschen sind, die wir so lange nicht gesehen haben, oder die Möglichkeiten, die uns vermeintlich durch die Lappen gegangen sind oder die Länder, die wir nicht bereist haben? Wir wissen es nicht. Sicher ist, dass wir dünnhäutig geworden sind. Uns selbst gegenüber und unserem Umfeld. Irgendwo zwischen Einigeln und Sorglosigkeit haben wir unsere Maßstäbe verloren.

Wir bleiben Corona-vernünftig – keine Frage. Aber wir hinterfragen alles. Darf man fliegen, Fleisch essen, Oma umarmen, das Kind in die Kita eingewöhnen, Grillpartys machen, Kunden treffen, unbeschwert sein?

Selten habe wir die Welt ums uns so ver-rückt erlebt.

 

Zeit schafft neue Maßstäbe

Es gibt dieses Phänomen des ersten Sonnenstrahls im Frühling: Während manch einer noch mit Daunenjacke und Pudelmütze aus dem Haus tritt hat die nächste Trägertop und Flipflops an.

Ein bisschen fühlt es sich so an. Die, die uns durch diese Krise getragen und begleitet haben, sind uns plötzlich zu nah. Der Aktionismus um Zoom Calls, virtuelle Lunchs und kostenlose Webinare (denn wir alle haben die (viele freie) Zeit ja ausschließlich für Weiterbildung genutzt, oder?) macht unfassbar müde.

Ein Team virtuell zu begleiten ist eine „1A-mit-Sternchen-Herausforderung“. Den fehlenden Glanz in den Augen der Studis im ersten Jahr zu sehen, macht echt traurig. „Ich sitze jetzt seit 4 Monaten in meinem Zimmer und an zwei Tagen habe ich 8 Stunden Vorlesung digital am Tag und an 3 Tagen arbeite ich virtuell. Und ich hasse es.“ Das hat uns eine unserer  Trainees letzte Woche gesagt. Wir nehmen das kein Stück persönlich – sie hat so Recht! Nicht mal 2 Jahre vorher hätten wir einem Kind – und das ist sie irgendwo hoffentlich noch – deutlich gesagt, dass 40 Stunden Computerzeit pro Woche schädlich sind.

Offiziell heißt es „Prüfen Sie regelmäßig, ob neben der Mediennutzung noch ausreichend Zeit für Schule, Ausbildung und andere Hobbies bleibt.“ Danke. Grenze???

 

Wir brauchen Abstand.

Die Beziehungen, die uns durch diese Zeit getragen haben, sind die Wichtigsten, die wir haben. Und die werden wir nicht aufs Spiel setzen. Dabei war es „vor Corona“ absolut normal, auch die Eltern, die Geschwister, die Kinder, die besten Freunde über eine längere Zeit NICHT zu sehen. Und selbst wenn man sich in den letzten Monaten physisch nicht treffen konnte, wurde das oft durch den Drang eines virtuellen Kontaktes überkompensiert. Man wollte – ja musste – Kontakt halten in dieser Zeit.

Sommerferien sind anders dieses Jahr. Physical Distancing hilft uns gesund zu bleiben. Manchmal hilft Social Distancing auch dabei. Dese Zeit war körperlich und mental herausfordernd für jeden von uns und sie wird es noch bleiben. Pausen sind Pflicht in dieser Gleichförmigkeit des Abwartens und Durchhaltens.

 

Bestimmt… nach maximal 2 Tagen Auszeit mag sich die Meinung in Bezug auf die Bonusmenschen ändern. Aber das ist dann auch gut so. Erst wenn jemand fehlt merkt man wie wertvoll er ist – das sollte uns auch im Alltag immer wieder wichtig sein, wenn Kleinigkeiten nerven. Manchmal muss man das nochmal spüren.

 

Auftankzeit.

Damit die Vogelperspektive wieder funktioniert, die Ideen wieder fließen und wir motiviert sind.

Damit es wieder normal ist – sich zu sehen oder auch nicht. Sich zu umarmen oder auch nicht. Zu reisen oder auch nicht.

Wir möchten unseren Abstand wieder selbst bestimmen können.

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