Ist ein Karrierenetzwerk ein soziales Netzwerk oder eine Plattform? Über die Abgrenzung kann man diskutieren. Fakt ist: Über Xing auch. Mit der Umfirmierung zu NewWork SE hat das Unternehmen für jede Menge Gesprächsstoff gesorgt. Und auch wenn es eine Menge Gegenstimmen auf den Plan gerufen hat: Ein Umsatzwachstum von 18 %, eine Steigerung des Gewinns um  22% und eine Million neue Nutzer sprechen ihre eigene Sprache.

Was eigentlich ist XING?    

XING hat seine Erfolgsgeschichte 2003 begonnen. Seit 2006 ist das Unternehmen börsennotiert und seit September 2011 im TecDAX gelistet. 2015 erreichte das Business-Netzwerk den Status eines “Unicorn” (Marktwert über 1 Mrd. $). Das Unternehmen XING hat mehr als 1.500 Mitarbeiter in ganz Europa.

Mit 16 Millionen Mitgliedern ist es das führende berufliche Netzwerk im deutschsprachigen Raum. Auf XING vernetzen sich Berufstätige aller Branchen. Die Hauptfunktionen sind das Suchen und Finden von Jobs, Mitarbeitern, Aufträgen, Kooperationspartnern, aber auch die Platzierung von News und Events in den über 90.000 Gruppen.

Für die Faktensammler:

Was kann Xing?

Bei Xing seid Ihr als Person unterwegs. Jeder Post wird in Eurem Namen veröffentlicht. Daher ist es Pflicht, dass Euer Profil einen professionellen und aktuellen Look hat:

  • Visitenkarte und Lebenslauf sind vollständig ausgefüllt
  • Profilbild ist ein Must have
  • Goodie: Wenn Ihr selbstständig seid und egal, ob Ihr eine eigene Webseite betreibt oder nicht: Das Xing Portfolio lässt sich prima zu einer Art “Mini-Homepage” ausbauen mit multimedialen Möglichkeiten (Bilder, Videos, PDFs und Texte), die Eure Produkte und Dienstleistungen abbilden.

Wenn Ihr im Namen Eures Unternehmens unterwegs seid, was spätestens dann der Fall ist, wenn Euer Arbeitgeber die Gebühren für das Premium Profil übernimmt, dann solltet Ihr Euch auch an die optischen Vorgaben Eures Unternehmens halten – schließlich seid Ihr die Influencer Eures Arbeitgebers!

Apropos Gebühren: Von den 16 Mio. Mitgliedern sind nur 1 Mio. Premium Kunden – d.h. sie nutzen die erweiterten Funktionen des Netzwerkens, die erst mit dem Premium Account zugänglich sind. Dazu gehören unter anderem das Schreiben von Nachrichten an Nicht-Kontakte und die Einsicht in Profilbesucher und Statistiken. Und die Werbefreiheit des Profils.

Wen Werbung nicht stört, für den ist ein solides Basis Profil absolut ausreichend. Umgekehrt bedeutet der „geringe“ Anteil an Premiumnutzern auch, dass Werbung auf Xing eine durchaus attraktive Form des Onlinemarketings darstellen kann. Ob sich dies im Einzelfall lohnt lässt sich zwar pauschal nicht beantworten. Aufgrund der Nutzerstruktur von Xing und der Datenechtheit (Lebensläufe sind hier „echter“ als überall sonst!) ist aber eine gute Zielgruppensteuerung möglich, die es mithilfe des AdCreators und niedrigschwelliger Angebote im Xing Layout auch mit geringen Budgets möglich machen, eine Bannerschaltung in Betracht zu ziehen. Klar ist: das Produkt, die Dienstleistung, das Event müssen so attraktiv sein, dass es eine Werbeschaltung sinnvoll erscheinen lässt.

Unbedingt machen:

Wenn Ihr neu in der Region seid: Regionalgruppen zu Euren Themen suchen und ihnen beitreten. Welche zu Euch passen – da gilt es auch ein wenig auszuprobieren. Von der lockeren Runde bis zum Businessclub ist alles dabei. So werden aus virtuellen Kontakten ganz schnell auch analoge, wenn Ihr die Regionaltreffen und Netzwerkveranstaltungen vor Ort nutzt.

Wenn Ihr Fachinhalte produziert, dann solltet Ihr sie unbedingt in relevanten Gruppen bei XING platzieren. Millionen von Mitgliedern tauschen sich täglich in XING Gruppen aus. So werdet Ihr als  Experte wahrgenommen (wichtig: Focus auf ein Thema richten!), kommt in Kontakt mit anderen Mitgliedern und Influencern oder positioniert Euch als Arbeitgeber.

XING Gruppen sind ein Pflichtbaustein im Social Media Portfolio, wenn Ihr im Business-Umfeld unterwegs seid. Und es ist eine echt einfache Möglichkeit Reichweite für Eure Inhalte zu erzielen, wenn sie denn – aber das gilt bitte auf allen Kanälen – Mehrwert bieten und fachlich auf den Punkt sind.

Was Ihr nicht erwarten dürft: Interaktion. Hört sich komisch an für ein soziales Netzwerk – aber da sind wir wieder bei der Zwitterrolle zwischen Netzwerk und Plattform. Die Größe führt zu Anonymität. Die 90-9-1-Marketingregel von Webdesign-Experte Jakob Nielsen gilt hier mehr als irgendwo anders:90 % sind so genannte “Lurkers”, die nur still mitlesen und selbst nicht aktiv sind. 9 % sind sogenannte “Commenters”, die auf Beiträge mit Likes, Kommentaren oder Empfehlungen reagieren. 1 % sind sogenannte “Creators”, die aktiv neuen Content einstellen. Unserem Empfinden nach sind es bei Xing sogar ein paar mehr Creator zulasten der Commenter. Das sollte Euch aber nicht abschrecken, denn die Lurker, also die stillen Beobachter, werden sich im richtigen Zeitpunkt an Euch erinnern. Und dann zum Partner, Kunden oder guten Kontakt. Und Ihr könnt der Regel ja selbst entgegenwirken – indem Ihr kommentiert und Gruppen aktiv mitgestaltet. Die Plattform als Gastgeber kann immer nur so gut sein wie die Gäste, die sich auf ihr bewegen.

Auf keinen Fall:

So absolut wollen wir hier nicht sein, aber mit den Aufträgen in der Jobsuche haben wir echt mäßig gute Erfahrungen gemacht. Auch wenn wir nicht aktiv auf der Suche sind – auch zu Wettbewerbsbeobachtungzwecken eignet sich so ein Suchprofil ja ganz gut. Und damit wissen wir jetzt, dass wir als Erzieher*in scheinbar die besten Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt hätten. Das ist nur ein Beispiel dafür, dass der optimale Fit für uns fehlt – aber vielleicht ist unser jeweiliges Portfolio auch zu bunt, als dass die KI uns einordnen kann. Das wiederum ist sehr erfreulich 🙂

Und natürlich – wie bei allen (sozialen) Netzwerken – niemals wild Kontakte anklicken. Neu im Unternehmen und alle Kollegen mal eben ohne Nachricht anfragen: bitte nicht! Auch hier gelten die Regeln der Höflichkeit: vorstellen, begrüßen, ein Satz über Euch, nett fragen, warten. Dann klappt es auch mit dem Nachbarn… wenn der freundlichen Kontaktaufnahme nicht das unmittelbare Werbeangebot folgt. Das ist echt eine Unart (nicht nur auf Karrierenetzwerken) geworden, die uns sehr vorsichtig unbekannten Anfrage gegenüber macht. Schade, denn netzwerken mit Bekannten ist zwar schön, aber begrenzt.

Doppeltspitze- Tipp

Der ist in dem Fall gemeinsam nicht möglich – denn so „NewWork“ ist Xing nicht… ein (gemeinsamer) Doppelkanal ist nicht vorgesehen. Eine Unternehmensseite – das ist für ein 2-Personen Startup eher nicht zielführend. Denn zusätzlich zu den persönlichen Kanälen muss dann auch der Unternehmenskanal bespielt und platziert werden. Das funktioniert dann gut, wenn viele Mitarbeiter interagieren, Content liefern und innerhalb der Organisation wiederum Gruppen bilden, Events bewerben – eben ein soziales Netzwerk innerhalb des sozialen Netzwerks darstellen.

Paradebeispiel wäre da u.a. die Telekom – bei der Mitarbeitergröße macht es auf jeden Fall Spaß ein Unternehmensprofil zu betreiben. Stellenausschreibungen sind an der Tageordnung, News gibt es auch immer und hier ist das auch die Verbindung zum Jobbewertungsportal kununu (seit 2013 eine Marke von XING) absolut interessant!

Es geht natürlich auch ein paar Nummern kleiner – aber für wirkliche Kleinunternehmen halten wir es für nicht relevant.

 

Fazit

Man kann von Xing und den Unternehmensstrukturen halten was man will und sicher bildet die Strategie dieses Netzwerks nichts davon ab, was Bergmann sich unter New Work vorgestellt hat. Aber allein aufgrund der Größe muss man zugeben: es bildet unsere Arbeitswelt ab. Und ist damit wesentlich näher an der Praxis und an den Menschen, an Arbeitstrends und -hypes, als es oft diskutiert wird. Mit dem NWX Portal – der New Work Experience – mit der jährlichen Krönung der NEW WORK AWARD Vergabe im Rahmen des NWX Days hat Xing einen Meilenstein in Sachen Veranstaltung gesetzt. Ganz unverhohlen hat Xing den Preis zum Oscar der New Work Bewegung erkoren.

Ob Dabeisein alles ist oder Dagegensein – das bleibt Euer individuelles Urteil.

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