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Über die sozialen Netzwerke – insbesondere dieses Twitter – sind wir uns schon das ein oder andere Mal über den Weg gelaufen. Aus den „Augenwinkeln“ haben wir die Unternehmensgründung von @mellcolm und ihrer Digitalstation mitbekommen und sie als „sichere“ und mutige Vertreterin des sonst eher behäbigen Gründungsdeutschlands wahrgenommen. Bis zum 22. Mai – da hat Melanie etwas getan, was man in Deutschland nicht oder nur ungerne tut: sie hat öffentlich gesagt, dass es schwierig werden könnte…

 

Doppeltspitze: Liebe Melanie, herzlichen Dank für Deine virtuelle Zeit und das Kennenlernen! Und – sind die Kinder im Biergarten?

Melanie Wyssen-Voss: Das ist schon verrückt, oder? Ich twittere ja nun wirklich nicht wenig – die ein oder andere Stunde Schlaf fehlt mir mit Sicherheit, weil ich eben nur noch mal kurz bei Twitter vorbei gucken wollte. Bei so manchem Tweet gibt man sich Mühe und den liest dann kein Mensch. Aber der Tweet war tatsächlich eher eine aus der Situation heraus – ohne viel Nachdenken. Dafür mit sehr viel Ungläubigkeit über das, was ich den nebenbei laufenden Nachrichten entnommen hatte, was hier gerade so vor sich geht und wo Prioritäten gesetzt werden. Und schon war es raus… „Schicke ich die Kinder eben in den Biergarten“.

Ganz nebenbei habe ich im Kontext meiner aktuellen Situation bei diesem Tweet mit inzwischen 14.000 Likes auch schon mal flüchtig überlegt: 1€ pro Like würde das Problem in Sekundenschnelle lösen…

 

Doppeltspitze: Womit wir beim 22. Mai wären: „In eigener Sache“

Melanie: Ja, ist so, ich suche Arbeit. Ich brauche neue Aufträge oder eben eine Anstellung. Es ist mir bestimmt nicht leicht gefallen, dies so offen zu kommunizieren, da man – egal wie sehr sich die Wahrnehmung in unserer Bubble hier geändert haben mag – in Deutschland nicht scheitert. Und wenn man es dann doch tut, dann bitte mit Pauken und Trompeten, am Ende mit einem Baumhaus und als Selbstversorger. Aber das bin ich nicht. Ich möchte tatsächlich ganz unspektakulär wie bisher meinen Teil zu unserem Familieneinkommen beitragen, meinen Lebensstandard aufrechterhalten und einen guten Job machen. Und genau darum habe ich auch sehr lange überlegt, ob ich öffentlich sage, dass es aktuell nicht so rosig aussieht. Ich brauche ja kein Mitleid und sitze auch nicht morgen auf der Straße, aber ich habe erkannt dass es an der Zeit ist etwas zu tun.

Aber ich weiß – bei aller Schwarzmalerei und Weltuntergangsstimmung, die mich gerade begleiten – dass der Ansatz meiner Selbstständigkeit immer noch absolute Berechtigung hat. Das macht es umso schwieriger, meine Situation zu akzeptieren. Wobei – akzeptieren sich so abschließend anhört. Besser wäre vielleicht: es fordert mich heraus (schon wieder) einen neuen Weg einzuschlagen, wo auf dem gerade begonnenen noch so unendlich viele Kilometer zu gehen uns zu entdecken wären – wäre da nicht diese kleine Straßensperre namens Corona…

 

Doppeltspitze: Erzähl bitte noch einmal ein bisschen über Deine bisherige Karriere, Deinen Berufsweg!

Melanie: Ich habe über 20 Jahre Berufserfahrung, davon die Hälfte in Führungsfunktionen. Ich habe immer an der Schnittstelle der Kommunikation und der Organisationsentwicklung gearbeitet, wobei im Lauf der Zeit der Part der Unternehmenskommunikation, auch oft der Initiierung des Social Media und Community Managements in Unternehmen und Konzernen, dem Part der Digitalstrategin auf einer der reinen (klassischen) Kommunikation übergeordneten Ebene gewichen ist. Das war schließlich auch die Entwicklung hin zu dem Bereich, mit dem ich im November 2019 den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt habe. Und dieser Sprung war kein spontaner – so wie ich jetzt auch nicht spontan scheitern oder kampflos aufgeben möchte. Mit Familie und einer Menge Erfahrung überlegt man sich einen solchen Schritt sehr gut, hat viele Freunde und Begleiter als Berater im Background und weiß, was man kann und wo man steht.

All diese Faktoren gepaart mit dem Gefühl, dass der letzte Job nicht mehr in allen Belangen dem entsprach, wohin ich mich entwickelt habe, haben mich Digitalstation gründen lassen. Ich habe eine zertifizierte Coaching Ausbildung, verfüge über umfangreiche Kenntnisse zu Innovationsmethoden und agilen Techniken und interessiere mich seit ich denken kann für Technologiethemen. Diese Kombination war und ist genau die, mit der ich Innovationsprojekte begleiten kann.

Das Ganze ich auch gut angelaufen. In meinen Festanstellungen habe ich oft erlebt, dass Führungskräfte „oberhalb“ der operativen Einheiten von deren Agilität und Innovationskraft abgehängt wurden. Genau diese Menschen individuell zu beraten und zu coachen – das ist Kern meiner Arbeit neben vielen anderen Coachinganlässen.

Leider sind genau dies die Investitionen, die seit März nicht mehr erfolgen. Der Markt für Coaches und Berater liegt – insbesondere, wenn sie seit gerade einmal 3 Monaten auf der Spielfläche sind – quasi brach.

Tragisch eigentlich, denn genau die Konstellation aus operativer Innovation und strategischer Warteposition wird durch Corona noch einmal verstärkt. Und niemand kann mir sagen, dass Training und Coaching aufgrund eines Virus nun plötzlich nebensächlich, ja gar nicht mehr notwendig sind. Aber was hilft diese Überzeugung? Oder der Zuspruch meines Netzwerkes, dass dies genau der richtige Weg ist? Davon zahle ich leider weder Miete noch den Einkauf.

 

Doppeltspitze: Ja, so ein bisschen düster sind Deine Tweets zuletzt schon geworden – nichts desto trotz erkennt man immer sowohl Deinen bewundernswerten Wortwitz, Deine Situationsironie und Dein Sprachgefühl wie auch Deine Haltung. Welchen Job also würdest Du gerade annehmen – und welchen nicht?

Ich brauche kein großes Team um mich herum, kann auch gut alleine arbeiten, aber ich schätze Austausch, Inspiration und vor allem Herausforderungen. Die müssen nicht gleich existenziell sein, aber ich habe schon so einiges an Krisen und kritische Projekten gemeistert.

Die Familie geht vor (Ihr habt ja gerade live mitbekommen, wie pädagogisch wertvoll ich den Kleinen, der ja eben nach wie vor aufgrund geschlossener bayerischer Kitas zu Hause ist, mit Netflix beschäftige…), darum bin ich nur bedingt mobil.

Wir sind so organisiert, dass ich durchaus auch reisen und in weiter entfernten Projekten tätig sein kann, aber ich kann nicht 5 Tage jede Woche unterwegs sein. Völlig gegen meine Überzeugung werde ich sicher auch nicht arbeiten können, was vielleicht das ein oder andere Unternehmen ausschließen würde. Aber da sollten noch jede Menge Optionen übrig bleiben bei den zwei kleinen Einschränkungen.

 

Doppeltspitze: Was bedeutet Dir jetzt gerade Dein Netzwerk?

Melanie: Unfassbar viel. Ich habe tolle Reaktionen bekommen und sehr viel Zuspruch. Wie so oft bringt man mit Ehrlichkeit und Authentizität Steine ins Rollen. In meinem Fall war es immerhin eine kleine Lawine von potenziellen Angeboten, von Bekenntnissen ähnlicher Situationen und einfach virtuellen Zuspruchs.

Ich habe schon immer Wert darauf gelegt, dass mein Netzwerk keine Massen- sondern eine Klasseveranstaltung ist – das zahlt sich jetzt aus.

 

Doppeltspitze: Du hast ja nicht nur eine Verbindung ins Rheinland – sag doch noch kurz etwas zu den ENABLRS und zum Phantasialand 🙂

Melanie: Na immerhin komme ich ja genau von da und darum drehe ich die beiden Stichpunkte um: Im Phantasialand bin ich sozialisiert worden. Bis 1990 war ich sehr regelmäßig dort – also zu Zeiten, in denen dies in unserem Umkreis eines der (wenigen) Wochenendausflugsziele war in natürlich noch völlig anderen Dimensionen. Seitdem war ich allerdings trotz aller Heimatbesuche nicht mehr da.

Und die ENABLRS – das ist wirklich ein digitales Baby, das aus großartigen Gesprächen mit Jo Kristof, die Ihr ja auch gut kennt (ich bisher übrigens wirklich „nur“ virtuell), gegründet wurde. Mit einem großartigen Team bieten wir gebündelte Kompetenz in Sachen Digital Leadership, Organisationsentwicklung, Coaching und Vertrieb an. Ganz nach der Überzeugung: der virtuelle Raum ist auch ein Beratungsraum. Begleitung kann ortsunabhängig und unkompliziert stattfinden. Wir machen das möglich – ganz nach den individuellen Anforderungen unserer Kunden. Mit den ENABLRS erreichen wir noch einmal eine neue Stufe der Sichtbarkeit und der Reichweite, ohne unsere jeweils einzelnen besonderen Kompetenzen zu verwässern oder beschränken zu müssen.

 

Liebe Melanie, wir danken Dir ganz herzlich für das virtuelle Kennenlernen, grüßen den kleinen Ghostbuster und wünschen Dir nach den Pfingstferien einen Schul-, Kindergarten- & Jobneustart. Verändere Dich bitte nicht, nur weil sich die Umstände geändert haben.

Oder wie der Kölner sagt: Et hätt noch immer jot jejange

Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen.

 

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