Julia Collard & Sven Schnitzler
Wenn Hochsensitivität auf Star Trek trifft …

Wenn Hochsensitivität auf Star Trek trifft …

#66 Gastbeitrag von Torsten-Roman Jacke

… und ein Querdenker und Freigeist dies in einen unternehmerischen Kontext setzt, dann kann die Zukunft kommen. Doch wie passen die Begriffe zusammen und was hat das Ganze mit menschenzentrierten Unternehmen zu tun?

Was ist Hochsensitivität (High Sensitiv Person – HSP)?

Hochsensitivität ist eine psychologische und neurophysiologische Besonderheit, die bei ca. 15 – 20 % der Bevölkerung anzutreffen ist. Hochsensitive Menschen nehmen Reize – über die 5 Sinne (inklusive dem „6. Sinn“) und aus dem eigenen Inneren (z.B. Stress, Schmerzen, …) – eingehender wahr, verarbeiten diese tiefer und reagieren stärker darauf.

Das empfinden hochsensitive Menschen häufig als störend, fühlen sich unverstanden und nicht in diese Welt passend. Ich selbst erfuhr erst im Alter von 46 Jahren, dass ich hochsensitiv im Kontext Scannerpersönlichkeit (Vielbegabung) bin. Seit diesem „Befreiungsschlag“ weiß ich um meine Talente und Potentiale und kann diese viel besser einschätzen und einbringen. Ich bin der Ansicht, dass die besonderen Begabungen und Fähigkeiten hochsensitiver Menschen überwiegen, wenn man sie erstmal als Stärken entdeckt und begreift.

Die speziellen Begabungen und Fähigkeiten, m. E. gleichsam Stärken, hochsensitiver Menschen …

… sind neben einem hohen Maß an Intuition, Empathie und emotionaler Intelligenz, u.a.

  • intensives, vielschichtiges und gleichzeitiges Empfinden, Erleben und Wahrnehmen von Situationen bei hoher Verarbeitungs- und Verknüpfungsdichte, was unter Umständen neue Wahrnehmungsbereiche, ungewöhnliche Zusammenhänge oder Sichtweisen erschließen kann,
  • psychosoziale Feinwahrnehmung – Befindlichkeiten, Stimmungen und Emotionen anderer Menschen werden leichter und detaillierter erkannt,
  • Denken in größeren Zusammenhängen,
  • ausgeprägtes intuitives Denken, häufig verbunden mit der Fähigkeit zu lateralem und 

  multiperspektivischem Denken,

  • sehr ausgeprägtes Langzeitgedächtnis,
  • hohe Begeisterungsfähigkeit und sehr vielseitige Interessen,
  • hohe Eigenverantwortung und Wunsch nach Unabhängigkeit,
  • ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, starke Werteorientierung,
  • Gewissenhaftigkeit, Verantwortungsbewusstsein,

Neueste Erkenntnisse besagen zudem, dass Hochsensitivität sowohl das Wohlbefinden als auch die Kooperation ganzer Gruppen erhöhen kann und hochsensitive Menschen kreativer sind.

Bevor einige Leser*innen nun im Internet recherchieren und dann in den Kommentaren darauf hinweisen: Ja, hochsensitive Menschen haben, wie alle Menschen, auch „Schwächen“. Überforderung durch äußere und innere Reize, die Anfälligkeit für Erkrankungen oder Konzentrationsschwäche sind hier u.a. zu erwähnen. Dies gilt besonders für die hochsensitiven Menschen, die um ihre Hochsensitivität nicht wissen bzw. damit (noch) nicht gut umgehen können.

Hier ist eine professionelle Begleitung empfehlenswert, um sich selbst zu entdecken und die positiven Eigenschaften zu stärken.

Damit sind wir auch schon bei STAR TREK.

Genauer gesagt bei der Star Trek Serie – The Next Generation. – Die Drehbuchautoren kreierten für die 1987 gestartete Serie die Figur Deanna Troi. Sie ist halb Mensch, halb Betazoidin, mit einem hohen Maß an Empathie, Intuition und emotionaler Intelligenz. Als Schiffs-Counselor zeichnet sie sich, neben ihrer beratenden Funktion für die Führungsoffiziere, auch für das psychische Wohlbefinden der Schiffscrew verantwortlich und ist zudem empathisches Bindeglied zwischen Captain Picard und der Crew. Sie bewältigt dabei hoch komplexe Aufgaben und kann (es gibt eine Ausnahme) aufgrund ihrer speziellen empathischen Fähigkeiten, eruieren, ob eine fremde Spezies der Schiffscrew freundlich oder feindlich gesinnt ist. Als Schiffs-Counselor ist Deanna Troi weitestgehend von Standards und Normen, sogenannten Direktiven, befreit und kann so ihr volles Potential zum Wohle aller auf der Enterprise einbringen.

Eine weitere Figur in der Serie, mit ebenfalls bemerkenswerten Begabungen und Fähigkeiten, ist Guinan. Sie ist El-Aurianerin, einem Volk der „Zuhörer“. Darauf näher einzugehen, würde den Rahmen des Artikels jedoch sprengen.

Kommen wir zum unternehmerischen Kontext.

Als Querdenker und Freigeist stelle ich mir immer wieder die Frage: Was wäre, wenn…? So auch hier.

Was wäre, wenn hochsensitive Menschen als „Deanna Trois“ (m/w/d) im Unternehmen arbeiten und ihre Bedürfnisse im Fokus stehen?

Die Idee der/des „Organisations-Counselor“ war geboren und damit die Möglichkeit für hochsensitive Menschen, so sie denn möchten, eine neu zu schaffende Position im Unternehmen zu bekleiden, die ihren speziellen Begabungen und Fähigkeiten (s.o.) entspricht, wertgeschätzt wird und alle Menschen im Unternehmen davon profitieren.

Dies kann jedoch nur gelingen, wenn für Organisations-Counselor die notwendigen Rahmenbedingungen und Freiräume in Unternehmen geschaffen werden.

Zunächst sollen Organisations-Counselor als solche wahrgenommen und ihre speziellen Fähigkeiten und Begabungen erkannt, wertgeschätzt und gefördert werden. Das Management eines Unternehmens sollte das grundsätzliche Verständnis für die Bedürfnisse der Organisations-Counselor aufbringen und das es Unternehmensbereiche gibt, die sich nicht an Zahlen, Daten und Fakten orientieren und messbar sind. Es bedarf zudem Vertrauen, Zutrauen und Wertschätzung seitens des Managements, ein ruhiges Arbeitsumfeld (Geräusche, spezielle Lichtverhältnisse, …), ansprechende Rückzugsmöglichkeiten, sehr flexible Arbeitszeiten, mehr Freiheiten in Bezug auf bzw. Befreiung von Vorgaben, Standards, Normen, Konformität und Uniformität, …

Die daraus resultierenden Vorteile für alle sind es allemal wert, die zugegebenermaßen herausfordernde Liste an Voraussetzungen anzugehen.

Die Vorteile

  • für Organisations-Counselor

Organisations-Counselor erhalten wichtige Rahmenbedingungen und Freiräume. Ihre Begabungen und Fähigkeiten und damit gleichsam ihre Stärken werden erkannt und gefördert. Sie können ihr volles Potential zum Wohle aller zur Entfaltung bringen, werden wertgeschätzt und erlangen damit eine innere Zufriedenheit.

  • für Kolleg*innen

In der Innenwirkung können Organisations-Counselor dafür sorgen, dass die Kolleg*innen sich enger an das Unternehmen binden (weniger Fluktuation / Fachkräftebindung), da diese sich sicher sein können, dass ihnen zugehört wird, ihre Leistungen wertgeschätzt, ihre Anliegen ernst genommen werden und eine menschliche Unternehmenswelt geschaffen wird.

  • für Unternehmen

Organisations-Counselor bekommen, auch weil sie gute Zuhörer sind, leichter Zugang zu den Menschen in den Unternehmen. So können sie früher als andere negative Stimmungen erkennen und zwischen den Parteien vermitteln. Zudem nehmen sie die oft hoch emotionale Spannung aus den Konflikten und sorgen somit für die Beruhigung einer schwierigen Situation.

Mit ihrem Freigeist, der Feinfühligkeit und Beobachtungsgabe sorgen sie für positive Energien innerhalb des Unternehmens und damit für ein besseres Betriebsklima. Sie fördern gleichzeitig die Menschlichkeit im Unternehmen. In einer menschenzentrierten Unternehmenswelt werden Unternehmer*innen und ihre Teammitglieder, unterstützt von Organisations-Counselor, selbst zu Ermöglicher*innen im eigenen Unternehmen und sind damit in der Lage, die Herausforderungen und notwendigen Veränderung selbst in die Hand zu nehmen.

Die Begabungen und Fähigkeiten der Organisations-Counselor, besonders Intuition, Empathie und emotionale Intelligenz, sind auch in den Unternehmensbereichen wie Human Resources (HR), Recruitment, betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) und Innovation- und Ideen-management gefragte SoftSkills.

Auch in der Außenwirkung (Employer Branding) kann sich die Etablierung von Organisations-Counselor lohnen, denn Bewerber, Kunden und Partner entscheiden sich immer häufiger für Organisationen, die den menschlichen Aspekt in den Vordergrund stellen.

Organisations-Counselor bilden das empathische, emotionale Bindeglied zwischen den Menschen. Im Innen- wie im Außenverhältnis. Hierarchien- und Abteilungsübergreifend.

Mit meinem Appell “Für mehr Deanna Trois (m/w/d) in Unternehmen”, möchte ich für Spaß und Freude sorgen und eröffne die Diskussion.

Dieser Beitrag ist erstmalig als XING Insider Artikel am 16.07.2019 erschienen.

Torsten-Roman Jacke 

AKTIVIST42 | Potentialgefährte | Organisations-Counselor | Ermöglicher 

Vom Versicherungskaufmann zum Organisations-Counselor. Torsten-Roman Jacke (kurz troja) ist vieles, vor allem anders, verrückt und unkonventionell. 

Frei von Standards, Normen, Konformität und Uniformität, hat er vor 3 Jahren das Konzept „Hidden Talents in Organizations“ entwickelt, welches die verborgenen Talente in Unternehmen erkennt deren Potentiale fördert und zur Entfaltung bringt. Mit dem Beraternetzwerk „Die Ermöglicher“ unterstützt er heute zudem Unternehmer*innen, die vorhanden gute Kräfte / Talente zu Organisations-Counselor weiter zu entwickeln und damit die Grundlage für ein menschenzentriertes Unternehmen zu legen. Unternehmer*innen und Ihre Teammitglieder sind damit in der Lage, die Herausforderungen einer sichrasant verändernden Geschäftswelt und daraus resultierenden notwendigen Veränderungen selbstbefähigt anzugehen. Sie werden so selbst zu Ermöglichern.

Mehr? https://aktivist42.de/

 

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