Julia Collard & Sven Schnitzler
Was eine Masterthesis und eine Zwiebel gemeinsam haben

Was eine Masterthesis und eine Zwiebel gemeinsam haben

Recruiting, Employer Branding, Social Media, KMU

Irgendwo innerhalb dieses magischen Vierecks sollte sich das Thema meiner Masterthesis bewegen. So viel war klar. „Analyse zielgruppengerechter Online-Kommunikationskanäle für das Recruiting in KMU“  – so lautet der Titel, den ich offiziell zum Start der Bearbeitungszeit Anfang dieses Monats erhalten habe.

 

Aber von vorne:

Dass ich überhaupt noch einen Master gemacht habe ist schon zu weiten Teilen dem Bildungs- und Zertifikatssystem geschuldet, in dem ich mich bewege. Erst mit dem Master würde man die eigentlich zum Leben notwendige wissenschaftliche Befähigung erhalten. Quasi erst menschliche Intelligenz nachweisen.

Wenn ich so etwas höre löst das in mir eigentlich nur einen Gedanken aus:
Fluchtinstinkt. Genau das Gegenteil zu machen. Weglaufen.

Warum ich das Studium trotzdem durchgezogen habe? Das hat unterschiedliche Gründe. Der Job, der damit in Verbindung stand und steht, macht unglaublich viel Spaß. Dass das System in dem Fall stärker ist als meine eigene rebellische Meinung versteht sich von selbst. Es mir selbst zu beweisen, auch das ein Stück. Und dass man in so einem Master noch jede Menge lernen kann – das war dann doch Anreiz genug.

 

Zwei Jahre später – nur noch die Masterthesis

Und jetzt noch die Krönung – das Masterstück – die Masterthesis.

Schreiben: So viel ist klar – das mache ich gerne. Blogartikel, Fachartikel, Interviews, Geschichten und nicht zuletzt das Buch, das dem Umfang nach die „läppischen“ 50 Seiten Thesis bei weitem übertreffen wird. Somit ist der bloße Umfang allein keine so große Hürde.

Praxis: Die Fragestellungen der Masterthesis sehe ich im Job – an der Hochschule wie im Beratungsbusiness – jeden Tag. Employer Branding findet im Konzern statt, Fachkräftemangel in den KMU (überspitzt gesagt und dieses überzeichnete Behaupten wird vermutlich in den nächsten 8 Monaten mein größter Gegner).

Unbesetzte Stellen gibt es in kleinen Unternehmen, die unglaublich spannende Geschichten zu erzählen haben und in denen es Jobs mit ganz viel Gestaltungsfreiraum und sinnstiftender Arbeit gibt, die aber niemand sieht und hört. Wo keine Marketing- und keine Personalabteilung  oder idealerweise ein Team von engagierten Menschen mit Ideen den Stories langjähriger Fachkräfte zuhören, da werden keine Emotionen weitergegeben. Viel schlimmer: da wird kein Wissen weitergegeben. Da sagt die Stellenzeige in der Regionalausgabe der Zeitung einfach nichts aus.

Solchen Unternehmen möchte ich mit meiner Arbeit Mut machen neue Wege zu gehen. Ich möchte zuhören, den Bedarf sehen, Tools entwickeln und Recruitingkonzepte bewerten.

Das ist die Ausgangslage. Die Praxisfrage.

So weit so gut. Eigentlich würde man jetzt sagen: Soweit die Theorie…

 

Und die Forschungsfrage?

Aber eben genau das nicht…

Denn allein die Formulierung des Themas hat mich einiges an Zeit und Nerven gekostet. Und das erste Herbstwochenende mit ziemlich viel Regen habe ich nun genutzt, um die Welt der Forschungszwiebel nach Saunders noch einmal in all ihren (Haut)Schichten zu durchdringen.  Klar, wissenschaftliche Arbeiten gab es auch im Verlauf des Studiums. Aber doch haben oft die Präsentationsperformance und die Praxisrelevanz den wissenschaftlichen Tiefgang geschlagen. Jetzt also Akribie. Das Research Onion Diagram hat mich so einige Tränen gekostet. Und das, wo ich in meinem Leben wohl schon mehr Zwiebeln geschnitten habe als die meisten MenschenJ. Und mit Sicherheit als die meisten Professoren (ich entschuldige mich: wieder so eine Behauptung ohne Beweis…)!

 

Masterthesis: Theorie also

Die Masterthesis als Krönung der wissenschaftlichen Laufbahn. Das ist einleuchtend und ich bin selbst ein Verfechter von ehrlichen Noten im Studium. Viel zu oft hat man heute das Gefühl, dass es auf der einen Seite ohne akademischen Titel im Job (immer noch) nicht geht, auf der anderen Seite aber auch nahezu jede/r zu einem solchen gelangen kann. Also werde ich mich als Grundlage meiner Arbeit gerne durch Kommunikations- und Personaltheorien häuten und statt Buzzwordbingo jeden verwendeten Begriff klar herleiten, definieren und abgrenzen.

Trotzdem habe ich ein Ziel: die Thesis soll einen Mehrwert haben. Sie soll Praxis widerspiegeln und Praxisnutzen bringen. Für einen akademischen Titel muss man nachweisen, dass man systematisch, vollständig, objektiv, allgemeingültig und überprüfbar arbeitet. Das ist auf jeden Fall ein essentieller Unterschied zu einem Blogartikel.

Meine Hypothese, dass eine den Bedürfnissen der Zielgruppe entsprechende Karrierewebseite inklusive der entsprechenden Kommunikation nachhaltig das Employer Branding von KMU steigert, werde ich wissenschaftlich be- oder widerlegen. Aber ich werde dies nicht allein anhand von Fachliteratur, Journals und Studien machen.

 

Arbeit mit Netzwerk

Und jetzt kommt Ihr ins Spiel. Forschungsfragen schön und gut. Aber ich habe auch Praxisfragen

Welche Erfahrungen habt Ihr im Bereich Online-Kommunikation im Recruiting gemacht? Klick um zu TweetenWas ist für Euch „state of the art“? Klick um zu TweetenWelches Unternehmen muss ich unbedingt in die Experteninterviews integrieren? Klick um zu TweetenWo sind den neuen Kommunikationskanälen Grenzen gesetzt? Klick um zu Tweeten

Für den theoretischen Teil werde ich mich durch die Standardwerke der Kommunikation und des Personalmanagements schlängeln (um beim Thema Häuten zu bleiben). Aber die Zielgruppe der KMU kann man viel besser erleben als sie alleinwissenschaftlich zu analysieren.

„Das ist sehr pragmatisch im Ansatz“, so die Lehrmeinung… ich habe das schon verstanden.

„Schmeckt interessant“ oder „Du kannst alles tragen“ sind ähnlich ausweichende Bewertungen auf die Frage, ob das so gut ist. Aber es wird mein Weg sein.

Wenn Ihr also Literaturtipps zu diesem magischen Viereck meines Themenbereichs habt, freue ich mich sehr darüber. Am liebsten natürlich aus Journals mit einem unglaublich hohen Impact-Factor und H-Index J. Aber auch aus dem echten Leben.

 

Theorie & Praxis als Doppel

Denn auch wenn ich mich für diesen Masterstudiengang entschieden habe und auf den Abschluss sehr stolz sein werde (immerhin hätte mir das noch vor ein paar Jahren kein Mensch zugetraut): in den Spiegel gucken möchte ich. Und dann soll diese Arbeit auch meine Arbeit sein. Die perfekte Balance aus Forschungs- und ganz normaler Gemüsezwiebel. Während erstere mit Sicherheit die Wissenschaft ganz weit voran gebracht hat, gibt letztere dem Essen (also der Grundlage des Lebens) die richtige Würze. Und irgendwie bestehen unsere Jobs in der Wissensgesellschaft ja auch aus genau diesen beiden Bereichen.

 

Fazit

(…wenn ich da bloß schon wäre…)

Auf Kommentare freue ich mich.

Für die Bereitschaft, als Experte im Rahmen der Arbeit für ein Interview zur Verfügung zu stehen genauso und auch für alle weiteren Ideen bin ich offen! Der Titel steht und dieser letzte Schritt des Wegs zum Master ist wahrhaftig nicht der schwierigste. Aber das ist ein andere Geschichte… also starten wir!

Menü schließen