„Mensch bist Du schnell“ oder „starke Pace“. Das sind so ziemlich die häufigsten Kommentare, die ich unter meinen Posts auf Instagram bekomme. Von Menschen, die ich nicht kenne, die aber meine Laufcommunity sind. Ich bedanke mich dann höflich, sende einen Kommentar zurück, freue mich natürlich auch und weiß doch gleichzeitig: sie haben keine Ahnung. Warum ich laufe – was es für mich bedeutet zu laufen.

 

Laufen, bloggen, ausprobieren

Sport ist schon immer ein wichtiger Part in meinem Leben – vielmehr war er es bis zu Kochausbildung. Dann kamen Arbeitszeiten, die jeder zeitlich normal getakteten Aktivität einen Strick durch die Rechnung gemacht haben und ehrlicher Weise ist ein Tag in der Küche auch Marathon genug. 

Jetzt ist der Sport aber wieder ein fester Baustein wieder als Mischung aus Fitnessprogramm und mentale Regeneration. Als Teil des Jobs und Ausgleich davon. Wie passt das zusammen? Und wie überhaupt in unser Blog? Das ist eigentlich einfach: Laufen ist kreativ, inspirierend, gesund und eine Social Media Testspielwiese. Besser geht es als Kombination doch gar nicht!

 

Kreativität

Wo entdeckt man neue Horizonte? Sicher nicht im Büro und erst recht nicht im Home Office. Also ist das Laufen, das „Raus in die Natur“ meine Horizonterweiterung. Es ist der Moment des Loslassens aller Gedanken, die mich den Tag über beschäftigen. Lustig – schön wär`s. Manchmal ist es auch genau das Gegenteil. Ich kann während ich laufe alle Szenarien des Tages noch einmal in allen kleinsten Facetten Revue passieren lassen. Je nach Stimmung macht mich das schneller, je nachdem höre ich aber plötzlich auch auf zu laufen. Wel ich mich in einen Gedanke so reinsteigern kann, dass ich unmerklich anfange zu rennen und plötzlich ist da Leere. Ein Gedanke endet oder die Luft zum Atmen. Dieser Moment macht dann kreativ – er lässt Neues zu.

Es gibt aber durchaus auch Läufe, die sind ausgeglichen, ruhig, im Fluss und ich kann in die Zukunft spinnen, Szenarien, vorausplanen, umplanen, neue Produkte kreieren, im Kopf die nächste Webseite bauen.

 

Sprint

Unser Joballtag besteht aus ständigen Sprints – wir müssen dauernd das Tempo steigern, die Richtung plötzlich wechseln, von A nach B hetzen und neue Ideen auf Knopfdruck generieren. Ein Sprint bedeutet für mich das Leben zu spüren. Auch in aller Hektik des Alltags. Das spiegelt sich dann im Lauf. Wenn die Lunge brennt, weil ich einfach losrenne scheinbar ohne Sinn und Verstand, dann bringt mich das zwar nicht richtig weit, aber für den Moment ist es genau richtig. Es ist der Sauerstoff Booster für das Gehirn – auch wenn es für einen Augenblick absolut ausschaltet. Diese Momente des Nichtdenkens sind rar geworden – es gibt immer etwas, was noch zu tun wäre, was man noch starten könnte, was noch lesen- und lernenswert wäre. Ein Sprint im Lauf kann eine echte Auszeit sein.

 

Marathon

Digitalisierung ist ein Marathon. Frauenförderung ist ein Marathon. Der Kampf gegen Corona ist nun auch einer. Mit einem Marathon bezeichnen wir schier unlösbare Aufgaben. Lange Distanzen. Eine solche ist der Lauf über 42 km für mich bisher auch. Nicht, dass ich ihn nicht schaffen würde mit entsprechendem Training. Aber bisher ist mir die Zeit dafür tatsächlich zu knapp bemessen. Familie, Hauptjob, Selbstständigkeit – es gibt immer auch noch andere Prioritäten neben dem Laufen. Denn es sind ja nicht nur die Stunden des Laufs selbst – es ist die Vor- und Nachbereitung, es ist die Achtsamkeit im Alltag, in der Ernährung, der Verzicht auf immer etwas anderes. Das fühlt sich für mich einfach nicht nach dem an, was ich mit natürlichem Lauferfolg und dem Glückshormon beim Laufen verbinden. Halbmarathon – die Hälfte der unlösbaren Aufgabe. Die habe ich erfolgreich bearbeitet. Zum ersten Geburtstag meines Bruders, den ich ohne ihn feiern musste, weil er viel zu früh gestorben ist. Und dann nochmal bei einem Spendenlauf für Kinder. Den Tod verarbeiten und das Leben genießen: Sport ist für mich immer auch ein Partner in Crime im Kampf gegen und für diese verrückte Welt da draußen. Die Konsequenz, die das laufen erfordert, macht mich ausgeglichener und stabiler.

 

Mentalität

Wenn ich sage, dass ich aus der Gastronomie komme, dann merke ich selbst inzwischen, dass das eine lange Zeit her ist und dass die (Job)Phase „außerhalb“ der Gastronomie erstere fast eingeholt hat. Trotzdem haben mich die Arbeitsweise, die Menschen und deren Mentalität entscheidend geprägt. Immerhin lernt man in der Ausbildung als Koch zwar besser zu kochen, neue Gerichte auszuprobieren und ständig zu trainieren – aber Koch ist man oder man ist es nicht. Und in der Küche herrscht ein Ton, den ich mir mit Sicherheit nicht willentlich antrainiert habe, aber der eben auch ein Teil von mir ist. Dass diese Mentalität als Coach in sozialen Einrichtungen, als Führungskraft, als Dozent im Bildungsbereich nicht unbedingt auf Punkt eins der Kompetenzwunschliste steht, ist auch klar. New Work und Arbeiten jenseits von Hierarchien und Weisungsbefugnis – weiter können Arbeitswelten kaum auseinander liegen. Und trotzdem gibt es Moment, in den ich auch heute noch gerne mal deutlichere Worte finden würde über Leistungen, Verhalten und Arbeitseinstellungen, als es vielleicht üblich oder angemessen wäre.

Laufen gehen ist dann mein Ventil, meine Reflexionsübung. Der Wind und der innere Schweinhund sind ideale (und resistente) Sparringspartner. Mit ordentlich Musik auf den Ohren hört man das eigene Fluchen auch nur noch ganz m Hintergrund.

 

Tracking

Im Marketing geht es um Kreativität und um bunte Bilder. Das ist sicher richtig, aber wenn überhaupt gerade einmal die eine Seite der Medaille. Es geht auf jeden Fall immer auch um wertvolle Inhalte und Texte (und damit eben nicht um den flüchtigen Like oder den Kommentar). Vor allem geht es aber um Erfolg, um Wirkung und Conversion. Und darum ist eine meiner wichtigsten Aufgaben im Marketing das Tracking. Haben die Google Ads Erfolg – lernen sie, verbessern sie sich? Ist ein Sponsored Posts morgens erfolgreicher oder abends? Wirkt ein Bild mit oder ohne Text und mit oder ohne Gesicht besser? Alles absolute Parallelen zum Laufen. Ohne Tracking würde ich mich selbst nicht motivieren. Für mich funktioniert Laufen nicht ohne Leistung. Dabei geht es definitiv nicht um das „immer schneller“, aber wohl um das „an meine Grenzen kommen“. Und genau die zu überwinden. Das kann ich, wenn ich tracke – die Laufzeit, die Laufstrecke, den perfekten Zeitpunkt und die Reaktion meines Körpers.

 

Leistungsfähigkeit & Vitalität

Sport hat – und das wird bestimmt auch auf Gegenstimmen stoßen, dessen bin ich mir bewusst – immer auch etwas mit Körperbewusstsein, mit Äußerlichkeit zu tun. In erster Linie ist mir natürlich meine Gesundheit extrem wichtig. Gar nicht mal für mich selbst, aber nach dem, was ich erlebt habe, für meine Familie. Wenn ich etwas dafür tun kann körperlich und geistig gesund zu bleiben, dann werde ich das machen. Sicher nicht fanatisch ohne Ausnahme, aber eine Grundfitness gehört für mich dazu. Ich kann sportlichen Menschen mit einem selbstbewussten und motivierten Auftreten viel eher abnehmen, dass sie mit Power an die Arbeit gehen, dass sie für ihren Job brennen, dass sie Lust auf Leben haben. Wenn ich mich selbst in meinem Körper wohlfühle, dann spiegele ich das auch nach außen – umgekehrt (leider) genauso. Sicher – gemütlich auf dem Sofa zu sitzen mit einer Tüte Chips und einem Bier hat auch absolut viel von Lebenslust. Aber eben nicht ständig. Ich bin absolut kein Gesundheitsapostel – aber viele unserer Zivilisationskrankheiten ließen sich vermeiden mit ein bisschen mehr Disziplin und Bewegung. Ich kann die Fitness im Kopf von der des Körpers nicht trennen. Bei mir nicht und bei den Menschen, mit denen ich im Job, im Leben gemeinsam auf Ziele hin trainiere auch nicht. Erfolg macht attraktiv – nichts anderes als Attraction erreichen wir mit dem ersten Schritt in Sachen Marketing. Da unterscheiden sich Business und Sport nicht wesentlich. Die inneren Werte zählen erst auf den zweiten Blick. Wie oft schon haben wir bemerkt, dass sich das perfekte Bild auf Instagram viel besser macht als der Text darunter. Wie oft schlägt der günstigste Preis ein Angebot mit Substanz. Wie viel öfter hören wir auf die Meinung anderer als auf das eigene Bauchgefühl? Durchhaltevermögen führt zum Erfolg – und der ist sexy.

 

Fuck up

Auch das lehrt das Laufen mehr als ich es mir manchmal wünsche. Niederlagen gehören dazu – wir müssen am Scheitern wachsen. Eine kleine Erkältung wirft dich mehr zurück als eine nicht gewonnen Ausschreibung. Der innere Schweinhund wird über den Tag hinweg immer größer, wenn ich mir selbst einrede, doch schon ganz viel erreicht zu haben. Ich muss immer wieder lernen, dass Pausen notwendig sind, um das Ziel doch noch zu erreichen. Aber wenn ich Niederlagen als Lehre sehe, wenn ich zulassen kann, am Scheitern zu wachsen, dann werde ich erfolgreicher – für mich und mein Business. Einfach kann jeder – ich bin ein Kämpfer und echt nicht für´s Aufgeben gemacht. Aber wenn ein Lauf mal gar nicht klappt – ja dann kann auch das ZurückGEHEN ein guter weg sein. Manchmal darf es sogar das „Gar nicht Loslaufen sein“ – es darf eben nur nicht zur Routine werden. Was das laufen für mich übrigens auch nicht ist – denn eines ist für mich tatsächlich gefährlicher als das temporäre Scheitern: Langeweile. Dann lass ich es lieber sein.

 

Mein Ziel

Ob ich ein Ziel habe mit dem Laufen werde ich oft gefragt. Wer mich kennt weiß, dass ich da sehr sprunghaft sein kann 🙂 Zwischen Marathon und null Motivation für den nächsten Lauf liegen bei mir manchmal nur weniger Laufmeter.

Aber doch. Es gibt Läufe, auf denen glaube ich, dass man die Arbeit im Social Media Marketing und die als Sport-Influencer perfekt verbinden kann. Die Welten haben extrem viele Parallelen und ergänzen sich an immer mehr Punkten. Dann aber kommt wieder der Moment, in dem ich Zeit gegen Output rechne – gerade jetzt im Winter. Die wenigen hellen Stunden am Tag können für so viele Aktivitäten verwendet werden. Passt da das Laufen in den Plan?

Charity und Laufen – auch ein perfektes Doppel. Den einen oder anderen Spendenlauf werde ich mit Sicherheit weiterhin im Zielportfolio haben, weil es mich sehr beeindruckt, was Menschen über die ganze Welt hinweg hier gemeinsam „erlaufen“ können. Auch weil ich weiß, dass es mir trotz aller Schicksalsschläge heute ganz gut geht und ich vor allem im Job stolz auf meine Erfolge sein kann und davon etwas teilen möchte.

„Das Unternehmen zum Laufen bringen“ – was für ein geniales Wortspiel, denn natürlich laufe ich immer auch für Doppeltspitze. Für Sichtbarkeit, neue Ideen, für Verantwortung in meinem Business.

Aber in erster Linie werden es Ausgleich, innere Ruhe und die Verarbeitung der Erlebnisse eines Tages bleiben, die meine Laufziele sind. Dass ich dabei schnell bin ist ein ganz netter Nebeneffekt – nicht nur für wertschätzende Kommentare und Likes, sondern eben auch für mich. Ich brauche Ansporn, neue Reize, etwas, was mich triggert. Nicht zuletzt ist es für mein direktes Umfeld gar nicht so schlecht, wenn ich je nach Tagesprogramm erst eine nicht zu kleine und nicht zu langsame Runde gegen den Wind laufe. Das härtet ab und verbraucht aufgestaute Energie.

 

Laufen fürs Leben

Laufen ist übrigens irgendwie auch der einfachste Luxus, die einfachste Freiheit, die wir uns nehmen können .Immer und überall auf der Welt, zu fast jeder Tageszeit, bei fast jedem Wetter (da muss ich zugeben: gilt nicht für mich). Das hat uns wohl auch Corona deutlich gezeigt, wenn man am Wochenende auf den Feld- und Waldstrecken der Umgebung das Gefühl bekommt, das sich sonst nur beim Samstagshopping in der City einstellt.

 

 

Das Leben ist für mich definitiv kein Marathon – denn als unlösbare Aufgabe sehe ich das, was da auf mich zukommt keineswegs. Aber sicher ist es eine herausfordernde Kombination aus Langstreckensprint, Hürdenlauf und Intervalltraining. Dafür möchte ich fit sein.

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