Julia Collard & Sven Schnitzler
Recruiting über Social Media – ein Crashkurs

Recruiting über Social Media – ein Crashkurs

Corporate Storytelling – Personal Branding – muss das wirklich sein?

Das war die erste Frage, die uns ein Traditionsunternehmen stellte, das wie viele Mittelständler oder Unternehmen, die nicht im direkten Ballungsgebiet ansässig sind, ratlos vor sinkenden Bewerberzahlen, Ansprüchen der Generation Y und Z und vor eben neuen Kommunikationswegen stand.

HR contra Marketing

Die Krux an der Sache: Während man von der Marketingabteilung erwartet, die heißesten Trends aufzugreifen, immer am Ball zu sein, den perfekten Marketingmix für das Unternehmen immer neu auszubalancieren, ist HR im Mittelstand oft stark verwaltend tätig. Das ist gar nicht wertend gemeint – es reichte bisher auch völlig aus.

Der Bedarf hat sich hier gedreht. Etablierte Unternehmen mit festen Zulieferketten, Absatzmärkten und Spezialprodukten müssen überspitzt gesagt marketingtechnisch gar nicht so viel tun. Sicher – ohne geht es in den meisten Fällen nicht und auf Jahre in Stein gemeißelt ist da nichts.

Aber die Personalabteilung desselben Unternehmens, die in der Regel gar nicht mal sehr groß ist, im Extremfall sogar in der Hand des Geschäftsführers oder Inhabers liegt, soll plötzlich (E-)Recruiting betreiben. Und kann sich die neusten Marketingtrends dann nicht einmal bei einer trendigen Marketingabteilung abgucken!

Wie sollte hier ein Coaching aussehen, das die Ausführenden nicht überfordert, zum Unternehmen passt und gleichzeitig den Nachwuchsbedarf sicherstellt?

Unser Recruiting Crash Kurs für den Mittelstand:

1. Tradition & Werte

Die Werte, der gute Name und die Verankerung in der Region müssen die Basis jeder modernen Recruitingstrategie sein. Erarbeitet ganz genau Eure USP´s und setzt die diese in Bezug zur Zielgruppe, Ihr ansprechen möchtet. Dabei ist es wichtig, dass Ihr Euch von den Aufgaben Eurer künftigen Mitarbeiter und nicht allein von den Produkten Eures Unternehmens leiten lasst. Selbst wenn diese seriös, stabil, solide und unverwüstlich sind. Die Tätigkeiten können trotzdem agil, dynamisch, zukunftsorientiert und progressiv sein. Das Personalmarketing gibt ab jetzt den Ton im Außenauftritt an!

2. Übersetzung & Blushing

Bisher habt Ihr Stellenzeigen in der (regionalen) Presse geschaltet. Praktisch! Das ist ja gleichzeitig immer auch Imagewerbung gewesen und somit aus Marketing und HR-Sicht eine sinnvolle gemeinsame Strategie. Allerdings hat das 2 Haken: Eure junge Zielgruppe liest es nicht mehr und es wird immer teurer. Aufgrund regionaler Strukturen macht es vielleicht Sinn, die Printstellenausschreibung beizubehalten. Aber gebt ihr einen frischen Anstrich – ändert das Wording – in einer ersten Überarbeitung gerne mit professioneller Unterstützung. Überlegt in einem zweiten Schritt, welche Kanäle Ihr zusätzlich nutzen wollt. Ohne großen Zusatzaufwand eignen sich hierfür neben einer ansprechenden Karriereseite Eures Webauftritts (wird oft viel zu spärlich behandelt und gestaltet!) Online-Jobbörsen.

Die Vorteile sind schnell erläutert: Regionalität oder Internationalität, Ausbildung, Studium oder Führungsnachwuchs, Marktführer oder Nischenanbieter. Ihr habt die volle Auswahl, Kostensteuerung und komplette Flexibilität. Und profitiert von Zusatzfunktionen wie Unternehmensprofil, Erfahrungsberichten, Video- und Bildmaterial. Ohne großen Aufwand und vor allem ohne tägliche Pflege gebt Ihr Eurem Recruiting einen modernen Anstrich.

3. Social Media & Storytelling

Für viele Ausbildungsleiter und HR-Verantwortliche immer noch ein Schreckgespenst: Twitter, YouTube, Instagram, Snapchat und Co.

Und dass nicht erst, seitdem der x-te Facebook-Skandal versus neue Datenschutzverordnung jedem Personaler schlaflose Nächte und graue Haare bescherten. Trotzdem: es kann sinnvoll sein. Aber es muss passend zum Unternehmen gestaltet werden und noch wichtiger: es muss von jemandem operativ umgesetzt werden, der Spaß daran hat.

Könnt Ihr aufgrund Eurer Unternehmenszugehörigkeit Geschichten aus dem Business erzählen? Kennt Ihr jeden Mitarbeiter, jedes Fließband und den Hintergrund des Firmenlogos? Dann seid Ihr auch bereit für Social Media – klar, Ihr benötigt eventuell Unterstützung dabei, diese Geschichten in die Sprache von Twitter und Co zu packen. Aber das haben schon andere vor Euch geschafft! Entweder Ihr macht Euch selbst daran (müsst bitte aber dann wissen, dass Ihr dafür auch regelmäßig, fest und dauerhaft Zeit einplant) oder erarbeiten einen Redaktionsplan und ein Konzept mit den aktuellen Auszubildenden und einem professionellen Social Media Berater – einem Influencer & Storyteller. Dann inspiriert Euch sicher auch deren externe Sicht Eures Unternehmens. Ihr erzählt – der Storyteller übersetzt!

Und vor allem: Es müssen nicht alle Kanäle sein. Geht hier wieder von Punkt 1 aus: Eure USP´s sind die Grundlage für die Wahl des Kanals. Xing ist sicher eine gute Universalantwort auch für den Mittelstand – ferner und international dann auch LinkedIn.

Stellt immer Eurer Zeitkontingent dem Zeitbedarf des Mediums gegenüber. Getwittert hat man schnell mal etwas. Aber Erfolg stellt sich wie bei so vielen Projekten erst durch Nachhaltigkeit und Erfahrung ein. Social Media ist nichts, was man mal so eben nebenbei betreibt. Aber die Kosten einer Printanzeige bewirken richtig eingesetzt im Storytelling ein Vielfaches!

4. Video & Bewegtbild

Wenn ein Produktionsprozess oder die Spezifika Eures Unternehmens nicht ganz leicht in wenige Worte packen können, ist ein Video oder eine kleine Dokumentation oft die einfache Sprache, wenn Worte zu komplex werden.

Auch hier setzt das Geschichtenerzählen an: Ihr drückt aus, was Ihr über Euer Unternehmen und Eure Mitarbeiter sagen wollt und mit ein bisschen Unterstützung wird daraus Eure Brand Story, Euer Movie. Das funktioniert für fast alle Budgets: vom selbsterstellten Erklärvideo über den Erfahrungsbericht eines Mitarbeiters bis hin zum professionellen Imagefilm ist alles möglich und erlaubt. Bei letzterem gilt aber auch wieder die Regel: Soll er Eurem Recruiting dienen, ist es ein andere Film als die Unternehmenspräsentation auf der Startseite – Ihr bewerbt nicht Eure Produkte, sondern Euer Mindset, Eure Vision, Euren “Purpose”, Euer Unternehmen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und das geht nur, wenn es das auch gibt! Der beste Film darf insbesondere in Bezug auf die Personalgewinnung nur eine echte Geschichte erzählen. Arbeiten bei Euch darf Spaß machen – aber es sind Jobs!

5. Personal Branding & Corporate Branding

Personalmarketing stellt sich heute – indem wir im Coaching Unternehmenswerte und Marketingmethoden verbinden – als wirklich eigene Disziplin auf. Tradition und Trends in Einklang bringen, Eurem Unternehmen neue Wege aufzuzeigen ohne dass sich langjährige Mitarbeiter verbiegen müssen oder befürchten den Anschluss zu verpassen – das ist Agilität und New Work, aber mit Fingerspitzengefühl. Nur so kann es gelingen, einen Changeprozess im Personalbereich von KMU einzuläuten, der aus Sicht des „Kerngeschäfts“ noch gar nicht nötig zu sein scheint.

Gerade wenn die eigene Personalabteilung klein ist oder formell nicht existiert, kann ein Workshop zur Herausarbeitung der Arbeitgebermarke sehr hilfreich sein. Oft reichen für einen Erstaufschlag Richtung E-Recruting ein paar Übersetzungstipps.

Wir sind als Berater mit unseren Blickwinkeln aus Marketing und HR Dolmetscher zwischen den Disziplinen und bringen diese im Sinne der Karriereplanung zusammen. Storytelling für KMU.

Damit die Kommunikation langfristig läuft und sich Unternehmen und potenzielle Bewerber verstehen heißt es „am Ball zu bleiben“. In den Zeiten des Nachwuchskräftemangels und je nach Attraktivität der Branche stärker im Personalmarketing als im „klassischen“ Produktmarketing.

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