Spontan also ein Freitagsbeitrag… An verschiedensten Stellen ist dazu aufgerufen worden, doch bitte Erfahrungswerte zum Home Office zu teilen. Ohne Angst vor DEM Virus zu schüren, sondern um uns gegenseitig voneinander lernen zu lassen. Dies völlig ungeachtet der gesundheitlichen Dimension, die da auf uns zukommt.

Ein Blogartikel zum Blogsonntag wäre dem kaum angemessen – aber vielleicht eine spontane Ideensammlung aus dem Bauch heraus, während wir unser 40köpfiges Team über drei Standorte hinweg auf die kommende Zeit vorbereiten, die Schulschließungen in NRW abwarten und den Hochschulbetrieb planen.

Darum verzeiht, wenn es nicht gestochen scharf ist, dafür kommen die Tipps aus dem Leben und sind geprägt von den Gefühlen, die hier gerade ganz schön wild durcheinander toben.

1. Wir Gefühl!

Wir haben selten so ein starkes Gefühl des gegenseitigen Helfens erlebt – klar, dass muss nicht erst in Krisenzeiten kommen. Aber 25 % unseres Teams sind junge Menschen unter 22 Jahren, denen es im Leben bisher kaum a etwas gefehlt hat. Versorgung ist selbstverständlich genauso wie Freiheit. Was wir jetzt machen können, ist ihnen die Zuversicht zu geben, dass auch sie ein wertvoller Teil unseres Teams sind, auch wenn das eventuell in Kürze noch etwas verstreuter arbeitet. Selbstverantwortung für Trainees und Vertrauen ins sie – das können sie kaum stärker spüren. Eigenverantwortliches Arbeiten bekommt so in den allerersten Berufsjahren eine ganz neue Dimension. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass sie das als Chance und nicht als Bedrohung empfinden. Aber auch nicht als „schulfrei“!

2. Mut!

Uns begeistert der Mut derer, die „anpacken“. Kollegen, die schnell noch ein paar Programme auf den Rechnern installieren, einen Kniff im Online Tool zeigen oder einfach auch mal einen Witz darüber machen, dass wir uns diese technische Ausstattung und vor allem die Geschwindigkeit in Sachen Digitalisierung der Arbeitsplätze schon lange gewünscht hätten.

3. Ein bisschen Laissez faire!

Eine Vorstellung für das ganze Team: wir sehen uns an Küchen- und Wohnzimmertischen sitzen, weil kaum jemand den perfekt eingerichteten Arbeitsplatz hat. Aber das macht doch auch erfinderisch. Vielleicht lernen wir uns viel besser kennen in der nächsten Zeit, weil und obwohl wir weniger sozialen Kontakt haben. Weil im Hintergrund das Lieblingsbild im Skype Meeting erscheint oder beim Call die Katze miaut und der kleine Sohn eine gar nicht zu Thema passende Bemerkung loslässt. Es kann unser Verständnis für Lebenssituationen unfassbar steigern. Auch wenn wir die Strikten Home Office Regeln des ungestörten Arbeitsplatzes natürlich kennen – aber  bestimmt können wir davon auch einmal abweichen, damit alle partizipieren und einsteigen können.

4. Virtuelle MeetUps!

Wir können virtuelle gemeinsame Kaffeepausen machen und damit dem Vorurteil, dass man im Home Office von den Kollegen zu wenig mitbekommt, Abhilfe schaffen. Mit ein bisschen Übung schaffen wir bestimmt auch die virtuelle Mittagspause!

5. Time is (not) money!

Vielleicht gelingt es uns endlich, uns von Zeit als einzigem und dominantem Leistungsmesser zu lösen. Denn vor dem Hintergrund der Spontanität  – zumindest für unser Team – wird es nicht den perfekt strukturierten 8 Stunden Tag für jeden geben. Vielleicht stellen sich aber auch ganz neue Fähigkeiten und Effizienzen heraus: Wer weiß schon, wie wir arbeiten, wenn wir in den heimischen Garten schauen, uns nicht ablenken lassen, vielleicht doch der Netflix-Attraktion erliegen – nicht nur das Team lernt, sondern jeder von uns über sich selbst.

6. Lerche & Eule!

Das haben wir schon immer so gemacht – auch den Typ gibt´s  im Team. Und auch der wird neue Optionen kennenlernen. Ein neuer Arbeitsrhythmus kann sich einstellen, Ausschlafen wäre eine Option, wenn man eher der Nachtmensch ist – aber das bisher nie ins Teamgefüge gepasst hat.

7. Echte Unterstützung!

Es wird Tage geben, an denen wird dem ein oder anderen vielleicht die Betreuung der Kinder, die Sorge um ältere Menschen oder der Druck, den die Medien verbreiten, zu viel. Für solche Fälle sollten wir als Führungskräfte und Kollegen individuell reagieren dürfen – nämlich einfach mal mit „nicht arbeiten“. Das Märchen darüber, dass dies im Home Office eh nicht getan wird, ist bitte überholt. Aber vielleicht machen wir es uns mit dem Gleichsetzen von Home Office und Office auch zu schwer. Wir müssen uns auf verbindliche Treffen, An- und Abwesenheiten verständigen – wir versinken ja nicht im Nirwana -, aber für den Rest der Zeit gilt das Vertrauen darin, dass jeder das gesamtgesellschaftlich Sinnvollste tut. Zu wissen, dass ein Kolleg in den kommenden 2 Tagen nicht arbeiten wird, ist doch auch ein Fakt. Wenn es dann umgekehrt kommt und wir Hilfe brauchen, können wir uns ebenso verlassen auf verlassen auf ein Gesamtkonstrukt.

8. Gebt Euch selbst eine Struktur!

Hört sich so einfach an, fällt aber vielleicht oft doch nicht leicht, wenn man den Bürotrott inkl. des Arbeitsweges gewohnt ist – bestimmt vermissen wir den Stau und die überfüllte bahn… Wir sind Gewohnheitstiere. Aber sich wirklich einmal Zeit zu nehmen und aufzuschreiben, was heute ansteht – alle Arbeiten, nicht nur die „bezahlten“ – das bringt eine neue Sicht auf mich, meine Bedürfnisse und meine Zeit. Das hilft. Neue Struktur, neue Regelmäßigkeit. Das gibt Halt und macht Mut.

9. Sucht Kontakt!

Wir sitzen zwar physisch ganz nah beieinander in Open Spaces und Bürogemeinschaften – aber trotzdem hakt die Kommunikation in so vielen Teams. Überhaupt entstehen fast alle Probleme durch mangelnde oder missverständliche Kommunikation. Zeit dies zu trainieren. Mittels Telefon, Slack, Zoom, Teams, Trello… – was auch immer. Lasst uns das gemeinsam ausprobieren: keiner beherrscht jedes Tool. Jetzt sitzen wir alle in einem Boot. Die „Nerds“ und die „Analogies“. Keine Ausrede – wir finden zusammen, auch im virtuellen Raum und lernen viel exakter zu kommunizieren. Das ist eine große Chance für das gegenseitige Verstehen.

10. Trail & Error (Fehlerkultur?)!

Wie oft haben wir schon gesagt, dass wir DIESE bestimmte Aufgabe machen, wenn mal richtig Zeit ist. Vielleicht kommt die ja jetzt. Und wir nehmen uns einmal die Zeit, uns neu auszurichten.  Aus der Not – weil wir schlichtweg auf den Ordner, den wir schon immer verwendet haben, nicht zugreifen können. Weil wir die Kollegin, die uns bei der einen blöden Tabelle immer geholfen hat, mal nicht fragen können. Wir dürfen scheitern, probieren, nochmal anfangen. Auf dem Sofa, am Wochenende vielleicht sogar auf dem Gartenstuhl in den ersten Sonnenstrahlen.

Hauptsache möglichst viele bleiben gesund. Da schaffen wir doch das bisschen Veränderung, oder? Was schön wäre: wenn bald alles wieder so wäre wie vorher – und doch eben nicht.

Virtuell zusammenhalten

Wir hoffen, Ihr könnt etwas anfangen mit unsere Vorstellung von Home Office – es ist eben nicht das Büro zuhause. Es ist anders. Ob besser oder schlechter – das entscheiden wir gemeinsam. Das bestimmen wir vor allem gemeinsam.

Auch und vor allem im Sinne derer, die das nicht nutzen können, weil sie an anderer Stelle, vor Ort dringend gebraucht werden.

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