Julia Collard & Sven Schnitzler
Mein Ziel: menschenzentrierte Unternehmen

Mein Ziel: menschenzentrierte Unternehmen

#74 netzwerktalk mit troja, Torsten Roman Jacke,  #OrganisationsCounselor

Da schreibt man sich mal so über die sozialen Medien hin und her, hat vielleicht ein paar Anknüpfungspunkte, verabredet sich zu einem echten Treffen, weil es gerade zeitlich und räumlich passt und fängt an zu reden. Über Menschen, Gott und die Welt – tatsächlich, auch wenn das so banal klingt. Auf den ersten Blick mögen wir drei ganz schön zusammengewürfelt aussehen. Aber ist das nicht genau die Basis für so ziemlich alles – gute Gespräche, neue Ansichten, Diskussion, Ehrlichkeit und Authentizität? Wir haben unsere ersten Treffen auf jeden Fall absolut gerne im #netzwerktalk fortgesetzt.

 

Doppeltspitze: Zum Einstieg der Klassiker. Da wir über „Wie heißt Du?“ schon hinweg sind: wie ist troja „entstanden“?

troja: Das ist bereits vor über 25 Jahren entstanden. Während meiner Ausbildung zum Versicherungskaufmann, wurde ich von einem Vorgesetzten immer TJ genannt. Ich fand das zum damaligen Zeitpunkt schon cool, doch eines Tages kam dieser Mensch um die Ecke und sagte: Hey, das TJ ist jetzt durch. Ich nenne dich jetzt nur noch troja. Zack. Ich fand richtig super und habe es dann einige Zeit später als Name  und Marke inkl. Logo adaptiert. Zunächst als malender Künstler (Hobby), dann auch für meine Unternehmen.

 

Doppeltspitze: Wie wird man vom Versicherungsvertreter (Versicherungsmakler) zum Aktivisten?

Troja: Das war ziemlich einfach. Ich wusste schon sehr früh, dass ich anders bin. Die Ausbildung zum Versicherungskaufmann und das Angestelltendasein waren Übergangsphasen in die Selbständigkeit. Doch die Branche ist so konservativ, dass sie Andersartigkeit mit großer Skepsis beäugt. Als Versicherungsmakler hatte ich da schon mehr Freiheiten, doch Mitte 2009 wuchs in mir der Wunsch, der Branche den Rücken zu kehren und anders als alle anderen das Thema Vertrieb anzugehen. Sowohl was die Außendarstellung, als auch die Art und Weise, wie man das Thema Vertrieb und Marketing angehen sollte. Provokant, polarisierend, vor allem aber so authentisch wie möglich. Der Begriff Aktivist kam mir bei einem Fußballverein der ehemaligen DDR unter – Aktivist Schwarze Pumpe. Das fand ich so gut, dass ich diesen Begriff, der mich selbst auch gut beschreibt – schwarz ja, Pumpe nein – einbauen musste. Immer aktiv für meine Kunden. Weshalb die Zahl 42 in meinem Unternehmensnamen noch eine Rolle, können sich wohl viele Menschen denken.

 

Doppeltspitze: in VerSICHERung steckt ´ne Menge Sicherheit – Du bist selbstständig. Was ist daran besser oder schlechter? Was bedeutet Sicherheit für Dich?

Troja: Alles hat seine Vor- und Nachteile. Es gibt kein besser oder schlechter. Es gibt Menschen, die Freiheit vor Sicherheit stellen und umgekehrt. Je nachdem kann sich die Einstellung auch im Laufe eines Lebens ändern. Ich bin auch der Meinung, dass es Sicherheit so nicht gibt. Im beruflichen Kontext, können wir das immer wieder erleben. Es gibt weder die Sicherheit im Angestelltenverhältnis noch in der Selbständigkeit. Je älter ich werde, desto häufiger denke ich über das Thema nach und stelle für mich fest, dass Sicherheit, zumindest in finanzieller Hinsicht, wichtiger wird.

 

Doppeltspitze: Du hast ein paar Semester Psychologie studiert – warum nicht bis zum in Deutschland so wichtigen „Zertifikat“? Was bedeuten Titel für Dich?

troja: Es waren, um genau zu sein, zwei Semester. Der Grund, ein Studium zu beginnen war der, dass ich nie studiert habe und ein Vollstudium nur vor Vollendung des 50. Lebensjahres möglich ist. Das wollte ich mir nicht nehmen lassen und begann mit 49 Jahren das erwähnte Studium. Ich habe es nach 2 Semestern abgebrochen, weil ich merkte, dass mich die Lehrinhalte bei meinem Thema Hochsensitivität nicht weiterbrachten. Es wird schlicht und ergreifend nicht behandelt. Und seien wir mal ehrlich. So ein abgebrochenes Studium macht sich im Lebenslauf doch besser als ein wie auch immer gearteter Abschluss. 😉 Für mich haben Titel keine Bedeutung. Es sagt über den jeweiligen Menschen nur aus, dass sie oder er sich für eine gewisse Zeit mit einem Thema beschäftigt und eine Abschlussarbeit darüber geschrieben hat. Wie der Mensch selbst ist, findet man durch Titel nicht heraus. Ich sage meinen Kunden auch immer: Fragt z.B. bei BewerberInnen lieber „Wer bist du?“ als „Was bist du?“. Das ist doch viel spannender. So erfahren wir mehr über die Menschen und ihre Hintergründe. Im beruflichen Kontext sollte mehr auf die sogenannten SoftSkills statt Zertifikate, Auszeichnungen und Abschlüsse geachtet werden, denn diese werden die entscheidenden Faktoren für eine menschenzentrierte und damit erfolgreiche Zukunft von Unternehmen sein.

 

Doppeltspitze: Veränderungen begreifst Du als Chance – was glaubst Du kannst Du zum Thema Organisationsentwicklung beitragen?

troja: Hmmm. Ohne Veränderungen, können wir die existierenden und anstehenden gesellschaftlichen und unternehmerischen Herausforderungen nicht bewältigen. Es bedarf weitreichenden Veränderungen, damit wir und die nachfolgenden Generationen auch in Zukunft auf diesem Planeten leben können.

Veränderungen sind aus meiner Sicht notwendig. Ich selbst befinde mich in einem ständigen Veränderungsprozess. Ansonsten würde ich im Stillstand verharren bzw. einen Rückschritt in meiner eigenen Entwicklungen machen. Zudem habe ich so viele Ideen, die nur durch Veränderungen und persönliche Entwicklung erfolgreich sein können. Genau so sehe ich das auch für die Organisations- und Personalentwicklung.  Bei mir steht der Mensch mit all seinen Facetten wirklich im Mittelpunkt. Kein Lippenbekenntnis, wie bei so vielen Unternehmen. Dies zu erkennen, den Menschen im Unternehmen zuhören, vertrauen, ihre Talente und Potentiale als Schatz anzusehen und entsprechend wertzuschätzen, sehe ich als meine vorrangige Aufgabe an. Mit dem Konzept #OrganisationsCounselor, welches ich mit meinem Beraternetzwerk „Die Ermöglicher“ in die Unternehmen trage, erschaffen wir gemeinsam eine menschenzentrierte Unternehmenswelt, in der Menschen in den Unternehmen selbst zu Ermöglichern zu werden.  Sie sind damit in der Lage, die Herausforderungen und notwendigen Veränderung, in einer sich rasant verändernden Geschäftswelt, selbst in die Hand nehmen.

 

Doppeltspitze: Digitalisierung versus Menschenzentrierung, Vertrieb versus Nachhaltigkeit, Sichtbarkeit versus Hochsensitivität. Ziemlich viele Gegensätze, mit denen Du spielst. Wie löst Du die auf in Deinen Coachings und Beratungen?

troja: Ich bin Sternzeichen Zwilling geboren. Normalerweise brauche ich nicht mehr dazu sagen. Da sind Gegensätze Programm. Das wiederum ist die Grundlage dafür, dass ich auch in meinen Beratungen und Coachings den Spagat zwischen den Welten schaffe. Aus meiner Sicht handelt es sich bei den von euch genannten Begriffen weniger um Gegensätze. In unserer hoch komplexen Welt, schließen sich Digitalisierung und Menschenzentrierung, Vertrieb und Nachhaltigkeit, Sichtbarkeit und Hochsensitivität nicht gegenseitig aus , sondern bilden in gewissem Maße Symbiosen. Das eine geht oft nicht ohne das andere. In meinen Beratungen und Coachings, gehe ich selbstverständlich individuell auf meine KundInnen ein und löse den augenscheinlichen Spagat zwischen den Welten, auch aufgrund der Tatsache, dass ich als hochsensitiver Mensch zum Teil komplexe Zusammenhänge und Stimmungen schnell erkenne und analysiere und daraus konkrete Schlüsse ziehe und Lösungen finde.

 

Doppeltspitze: „Sei mutig, sei authentisch: Sei DU selbst.“ Bist Du das immer? Auch Dir selbst gegenüber?

troja: Hmmm. Ja und Nein. Mutig bin ich, nicht nur in Bezug auf mein Äußeres, sondern auch dadurch, dass ich bei beruflichen Themen und Hypes den Finger in die Wunde lege und den Punkt treffe. Das schmeckt nicht jedem, aber dafür bin ich auch nicht zuständig. Bei der Authentizität steht ein klares Nein. Vor einigen Jahren gab ich einen Vortrag zu dem Thema und ich wurde gefragt, ob 100 prozentige Authentizität möglich ist. Ich behaupte: im Kontext der heutigen Welt, dass nur jemand das schafft, der in keinster Weise Beeinflussungen von außen ausgesetzt ist. Ein Mensch, der einsam auf einem Berg lebt und keine Gäste empfängt, könnte diesen Punkt erreichen. Ansonsten sollten wir uns das Ziel setzen, so authentisch oder echt wie möglich zu sein. Bei „sei DU selbst“, bin ich mir sicher, dass dies bei mir der Fall ist. Ehrlich gesagt, ich kann auch gar nicht anders. Ich gestehe also hiermit feierlich, dass ich mir selbst gegenüber ehrlich bin und versuche meinen Leitsatz zu leben. Gelingen tut mir das nicht immer.

 

Doppeltspitze: In drei Sätzen: was ist Dein Wunsch für 2020?

troja: Im beruflichen Kontext: Für 2020 wünsche ich mir, dass sich Unternehmen durch Organisations-Counselor zu „menschenzentrierte Unternehmen entwickeln und die Themen „der Mensch im Mittelpunkt“ und „Menschlichkeit“ wirklich leben, anstatt sie als Lippenbekenntnisse auf ihrer Website nach außen tragen. Diesen Weg, in welcher Form auch immer, sei es als Berater und Coach, Interims-Organisations-Counselor oder, wenn gewünscht, als festes Mitglied des Unternehmensteams zu begleiten, ist mein persönliches Ziel. Das war es.

 

Ganz herzlichen Dank, troja – beim nächsten Mal gerne wieder live mit Kaffee und VIP Bändchen bei einem Event 😉

Menü schließen