Alles neu macht der Mai. Facebook muss sich ganz schön umschauen nach Apples iOS 14. Eigentlich wollte das größte Social Media Netzwerk weltweit gerade preislich und marketingtechnisch ordentlich einen drauflegen – da wird es jäh ausgebremst von einer innovativen Funktion, die tatsächlich alle Macht dem Nutzer geben möchte.

Sicher will Apple das nicht tun – alle Macht dem Kunden geben. Oder vielleicht doch: nämlich den eigenen Kunden. Damit ist der Marketingschachzug mehr als clever und gleichzeitig ist er absolut zeitgemäß. Denn wenn eines wichtiger denn je wird, dann das:

 

Es geht um Kommunikation

 

„Die Komplexitätssteigerung durch Medien und moderne Kommunikationstechnologien bildet sich in komplexeren Kommunikationsprozessen ab und umgekehrt.

Gleichzeitig besteht aber ebenso die Möglichkeit, dass moderne Kommunikationskanäle und deren Funktionen zur Komplexitätsreduktion von Kommunikationsprozessen beitragen.“

Klingt kompliziert? Ist es aber nicht. Wir müssen der Informationsflut irgendwie wieder Herr werden. Als Marke, als Marketingmacher und als Kunden.

Darum ist dieser Schritt einer von vielen, um Kommunikation beherrschbar zu machen – vielmehr um zu kommunizieren. Die Wogen werden sich glätten – mit Einführung zunehmend komplexerer Cookiebanner ist weder das Internet gestorben noch klicken wir weniger Websites an. Wir sammeln eben inzwischen mehr oder weniger wahllos und leicht genervt Kekse auf unseren Endgeräten. Auch hier steht genau aus diesem Grund die nächste Komplexitätsreduktion ins Haus.

Ähnlich verhält es sich mit fast allen Marketingtrends und -news. Oft ist es alter Wein (Content) in neuen Schläuchen (Kanälen). Mit ein bisschen Kommunikationsgeschick gilt es im Online Marketing also mehr denn je, einen Trend als solchen zu begreifen, ihn zu analysieren und die Produkte und Dienstleistungen, die man hat, daran anzupassen und umgekehrt.

Nehmen wir doch mal die Trends für 2021:

 

1. Brand Accountability – Markenwert

Die Basis von allem. Das als Trend zu bezeichnen ist fast schon zu schwach. Es ist mehr der Megatrend des Marketings. Wie schaffen wir Vertrauen in unsere Marke, wie erzeugen wir echte Markenliebe, wie bleiben wir trotz Veränderung authentisch? Apple hat das ganz gut hinbekommen – kaum eine Marke erzeugt auf so hohem Niveau (und auf einem vergleichsweise hohen Preisniveau) Markenliebe und -treue. Aber zunehmend gilt das auch gerade für kleine, nachhaltige Labels, die durch ihre echten Geschichten und die Menschen, die für ihr Produkt stehen, den Markenwert unmittelbar adressieren können. Selten war die Chance größer als genau jetzt, die eigene Geschichte (Personal Brand) zu erzählen. Wir haben Zeit zuzuhören! Und damit ist die Brand Accountability, die Verlässlichkeit und Stabilität bei gleichzeitiger Adaption an die Umwelt das Wichtigste, was eine Marke können muss.

 

2. Multichannnel Influencer Marketing

Je erklärungsbedürftiger unser Produkt, je einzigartiger, aber – und das ist das Paradoxe an diesem Trend – auch je austauschbarer da Produkt, desto wichtiger wird der Mensch, der es sichtbar macht. Das x-te Haarshampoo kauft niemand wegen der noch besseren Wirkung für glatte, gesunde Haare, wenn nicht irgendein Star genau das behaupten würde. Es ist fast ein linearer Zusammenhang: je langweiliger das Produkt (Sneaker – und ja, wir wissen um den aktuellen Hype, aber mal ehrlich ist ein Turnschuh immer noch ein Turnschuh) desto größer der Star und die Story dahinter.

Dass genau diese Art des Marketings inzwischen auch für neue Label und Start Ups funktioniert, liegt dann genau an den Multichannel Optionen. Content für einen Social Media Kanal produzieren wir nun einmal günstiger als einen TV-Spot. Hier darf ausprobiert und gespielt und nach Herzenslust (bzw. was das Budget hergibt) kombiniert werden.

3. Video Content

Bewegte Bilder. Ein Trend? Nun ja, der Song „video killed the radio star“ ist immerhin von 1979… Was das Bewegtbild immer mehr zum Trend macht ist tatsächlich die Einfachheit der Produktion. Wo noch vor gar nicht so langer Zeit der 36er Farbfilm die Erinnerungen des Urlaubs festgehalten hat, drehen wir heute unterwegs unsere eigenen Roadmovies. Dass sich das im Marketing niederschlägt, ist dann kaum verwunderlich. Jeder Trend hat auch immer das ausgleichende Element: wenn es ständig rappelt, läuft, fliegt und sich bewegt in unseren Social Media Kanälen, dann brauchen Auge und Hirn auch einmal eine Pause. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Marketingkampagnen wieder ganz bewusst auf das EINE Bild mit dem perfekten Text setzen.

 

4. Hyper Automation

Wenn ein Trend nicht mehr ausreicht, setzen wir ein „mega“ oder ein „hyper“ davor. Automatisierung von Prozessen ist ein ganz natürlicher Drang von uns Menschen – wenn wir etwas Neues ein paar Mal gemacht haben, wird es langweilig und dann würden wir es gerne automatisch erledigen lassen. Das ist der Grundgedanke jeder Maschine. In Marketingprozessen gedacht sind das die unzähligen Tools, die für uns via Redaktionsplan das Posten & Liken übernehmen, die uns News filtern, die uns Statistiken auswerfen. Gleichzeitig gibt es – wie bei den meisten Trends; siehe Punkt 3 – immer auch eine „Gegenbewegung“. Authentisch sind wir im Social Media Marketing nur unterwegs, wenn hinter der KI dann doch der Mensch steckt, der kommentiert, der Nähe erzeugt, der Emotion transportiert. Automatisierung ist ein Tauschgeschäft: Zeit, die ich an der einen Stelle spare, kann ich an anderer Stelle einsetzen.

 

5. Internet Privacy & Security

Siehe oben – Cookies & Co. Bei aller Sichtbarkeit, bei aller Informationsflut möchten wir Mensch bleiben in dieser immer digitaleren Welt. Zumindest möchten wir das Gefühl haben, die Kommunikation im Griff zu haben. Und wenn es nur durch das Anklicken eines Cookie-Banners oder das Nicht-Akzeptieren von Werbung in unseren Apps ist.  Ein trügerisches Geschäft mit der Macht über die KI. Aber eines, das unbedingt seine Berechtigung hat, wenn wir von reinen Marketingzielen abstrahieren und um Datenklau und -missbrauch wissen.

6. Daten Analyse

Marketing – das sind doch die mit den bunten Bildern? Falsch. Marketing: das sind schon seit geraumer Zeit die mit den Daten, Zahlen und Fakten. Denn kaum ein anderer Prozess als der der Customer Journey produziert vergleichbar viele Daten und Insights über uns Menschen. So ziemlich jeder Marketingprozess beginnt mit einer Zielgruppenanalyse. Und während wir uns die früher mühsam aus Statistiken und Befragungen erschließen mussten, liefert das Internet sie uns auf dem Silbertablett. Kaufverhalten, Bewegungsdaten, Alter, Herkunft, Schlaf- und Essgewohnheiten. Überlegt mal selbst, welchen Fußabdruck ihr in der letzten Woche via Internet und Social Media hinterlassen habt. Wir sind schon ziemlich durchschaubar. Was wieder Punkt 5 absolut wichtig macht!

7. Remote Working

Remote Working als Marketing Trend? Unbedingt – denn zu wissen, dass wir in Zukunft völlig anders leben und arbeiten werden, hat einen enormen Einfluss auf das Marketing – und zwar längst nicht nur auf die Produktion von Jogginghosen und den Bedarf an Tischkickern im Büro. Spaß beiseite – aber einen solchen Umbruch in der Arbeitswelt hat doch kein Marketingmensch erwarten können, der noch munter Anfang letzten Jahres hippe Bürowelten konstruiert und ein Marketingkonzept für Obstkorblieferanten entwickelt hat. Remote Working eröffnet einen völlig neuen Markt für ein komplett neues Marketing. Denken wir nur mal an den ganzen Bereich des Out of Home Marketings – mal gespannt, wie sich der PpS-Wert, also der Plakatseher pro Stelle, entwickelt; siehe Punkt 6.

8. Eventmarketing

Events werden hybrid. Für das Festival oder das Konzert wird das sicher kein Dauerzustand bleiben, aber die eine oder andere in die Jahre gekommene Fachkonferenz wird den Weg raus aus dem Netz zurück in die Messehalle sicher nicht mehr finden. Hier als Anbieter und Marketingprofi vorne mit dabei zu sein ist sicher ein Trend – wenn auch ein Nischenmarkt insbesondere wenn es um lukrative Streamingevents für die breite Masse geht. Das wird ein Spitzengeschäft für einige wenige bleiben. Hier sind wir mutig und sagen voraus, dass das Eventmarketing zumindest im Bereich People Business dort erfolgreich werden wird, wo es kleine, feine besondere Events vermarktet. Die dürfen dann auch unbedingt wieder analog stattfinden. Ein zweiter Trendbereich werden sicher digitale Weiterbildungen sein, die besondere Lernreisen ermöglichen. Der Eventbereich muss sich ganz besonders dem Gesamtmarkentrend der Nachhaltigkeit und Authentizität anpassen – siehe Punkt 1.

 

9. User Generated Content

Bei User Generated Content handelt es sich um Inhalte im Web, die privat von Nutzern erstellt werden. Das können beispielsweise erklärende Texte, Kommentare, Bewertungen, Fotos, Grafiken oder Videos sein, die auf Blogs, in Onlineshops, in sozialen Netzwerken oder auf jeder beliebigen anderen Website-Form veröffentlicht werden. Ist das ein Trend oder ist das nicht schon immer das Feedback, das jetzt nur sichtbarer geworden ist? Zumindest ist es (und da kommt auch wieder Punkt 2 ins Spiel) absolut wichtig, denn es ist der Kern der Authentizität im Marketing. Wer das in Bildern perfektioniert? Starbucks, wenn wir alle munter falsch geschriebene Namen auf Kaffeebechern in unseren Stories posten oder die Donutkette Royal Donuts, die mit ihren süßen Versuchungen die Kunden dazu bringt, das Marketing mal eben selbst zu übernehmen.

Empfehlungsmarketing heißt das im Lehrbuch –  als User Generated Content treffen wir es in den Trends wieder.

 

10. eCommerce

Ein Trend? Im letzten Jahr ist Online Shopping wohl eher ein Muss geworden als ein reines Vergnügen. Richtig ist: Handel ist so ziemlich das älteste Business der Welt. Es hat mit den fliegenden Händlern und Tauschgeschäften an der Haustür begonnen und ist – ein wenig aufgepimpt durch Bezahlsysteme, Tools und bunte Bilder – genau dort wieder angekommen. Auch hier gilt: es ist nicht das eine Extrem, das plötzlich zum Trend wird. Es ist eine Kombination aus allen Entwicklungen, die wir zuvor genannt haben. Die einfachen, nicht erklärungsbedürftigen Dinge werden es künftig schwer haben, uns aus dem Haus zu locken. Wenn wir aber dem Trend zum eCommerce den des Eventshoppings gegenüberstellen – dann mag das schon wieder anders aussehen. Onlineshopping heißt ja auch nicht unbedingt, dass wir nun auf Teufel komm raus alles beim größten Onlinewarenhaus der Welt einkaufen. Wie wäre es, wenn ihr auf Social Media mal schaut, welche regionalen Produkte aus der Umgebung direkt zu euch nach Hause geliefert werden? Und wenn ihr dann noch darüber berichtet?

 

Zurück zum Mai und zu den Markentrends

Alles neu macht also längst nicht nur der Mai. Und kein Marketingtrend steht für sich. Es ist ein großes Netzwerk an Beziehungen. Es dreht sich immer alles um Kommunikation – und die verändert sich durch KI und Automatisierung. Vor allem aber haben wir es in der Hand wie, worüber und mit wem wir kommunizieren. Daraus entsteht dann mit Sicherheit der nächste Marketingtrend (siehe Punkte 1 bis 10).

Marketingtrends 2021 Online Social Media

 

Quelle: https://www.visualistan.com/2021/01/top-marketing-trends-2021-edition.html

 

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