Julia Collard & Sven Schnitzler
Ein Dank an meine Rolemodel

Ein Dank an meine Rolemodel

Bisher habe ich (Julia) einen ziemlich klassischen Lebensweg durchlaufen. Erfolgreich – finde ich. Trotz Männern oder gerade mit Männern. Warum mir das genau heute so wichtig ist? Weil ich für und in meinem Leben – egal ob beruflich oder privat – immer mindestens genauso viel von Männern gelernt habe wie von Frauen. Und weil ich dieses entweder oder echt nicht mehr hören kann.

Ehrlich gesagt haben Männer mich (sehr positiv) mehr geprägt, unterstützt.

Mein Vater hat noch studiert, als ich zur Welt kam. Meine Mutter ging nach einer kurzen Pause wieder arbeiten. Es gibt unzählige Bilder von mir, auf denen ich auf Papas Schoß sitze und er lernt. Fortschrittlich? Gleichberechtigung? Nein, einfach wirtschaftlich notwendig. Meine Mutter war als Lehrerin im sicheren Job, mein Vater als JuSo gerne auch mal auf eigenen Wegen unterwegs überhaupt nicht auf dem Weg in ein „kapitalistisches“ Arbeitsleben. Bei den Rollenvorstellungen hätte meine Mutter sich das sicher auch das ein oder andere Mal gerne „normaler“ gewünscht.

Mit Studienabschluss und einem Job im Ministerium ändert sich zumindest die äußere Einstellung. Als meine Schwester 3 Jahre später zur Welt kam, war die Rollenaufteilung schon klassischer – gar nicht aus einer tieferen Überzeugung, sondern weil einfach nun beide Eltern berufstätig wären. Wir waren bei Oma und irgendwann in einer der ersten Kindergärten, die bis 15 Uhr geöffnet hatten.

Skandal: meine Mutter hat immer ihren Job als Grundschullehrerin als den besten Halbtagsjob der Welt bezeichnet. Und sie hat immer volle Stundenzahl unterrichtet. Alles eine Frage der Perspektive – vielleicht waren Eltern auch noch weniger anstrengend damals.

Geprägt hat mich dabei genau das Bild: Meine Eltern waren beide berufstätig, aber die Rollenaufteilung war trotzdem sehr klassisch. Unterstützung wollte meine Mutter nie (man konnte es ihr auch selten recht machen – kenne ich irgendwoher), sie hat den Haushalt komplett geschmissen. Mein Vater war für den Garten, die Events und die Eisenbahn da. Immer wieder hat er versucht, seine zwei Mädchen von Modellbau, Technik und Handwerk zu überzeugen. Ziemlich ergebnislos.

Mein Vater ist mein erstes #Rolemodel.

Er hat Karriere gemacht, aber immer für seine Familie. Und im Job unglaublich viele Menschen rund um die Welt kennengelernt. Davon hat er mir total viel weitergegeben.

Meine Studienwahl war pragmatisch – VWL. Karriere? Hatte ich gar nicht so im Blick. Klassischer Weise habe ich zum Studienende meinen Mann kennengelernt, geheiratet, Kinder bekommen und bin zu Hause geblieben.

Wirklich? Das ist die verkürzte und nicht vollständige Darstellung – aber ja, irgendwie auch so. Ich habe erst bei einer Bank angefangen zu arbeiten. Nie hatte ich das Gefühl, dass ich dort nicht die gleichen Chancen, die gleiche Vergütung gehabt hätte.

Vielleicht bis zu dem Punkt, an dem ich Mutter wurde. Und ja: Männer und Frauen können ganz oft  das Gleiche und sie können das Gleiche erreichen. Außer halt dieser kleine biologische Unterschied.

Aber benachteiligt der mich seit der Geburt meiner ersten Tochter?

Aus meiner Sicht: Nein. Absoluter Quatsch. Ich habe die 4 Jahre zu Hause mit 2 kleinen Kindern absolut genossen. Mein Mann musste arbeiten und hätte liebend gern getauscht.
Aber stillen – schwierig…

Die Entscheidung für die „Aufteilung“ in Work und Life war eine Mischung aus Pragmatismus, Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Vernunft. Aber es war definitiv unsere eigene Entscheidung und daran hätte kein Gesetz der Welt etwas geändert.

Eine Familie zu gründen bedeutet auch zu verzichten – und dafür viel mehr zu gewinnen.

Also bin ich dem zweiten wichtigen Mann in meinem Leben sehr dankbar für diese Konstellation. Auch wenn ich keine Putzfee bin und lieber über einer wissenschaftlichen Arbeit als über einem Wäscheberg sitze. Aber den zu zweit gleichberechtigt zu falten hätte uns auch nicht insgesamt glücklicher und erfolgreicher gemacht.

Wiedereinstieg und Teilzeit: Klar habe ich da weniger verdient als mein Mann. Aber ich hatte die ideale Kombination aus Denken, Spielen, Weiterkommen und Pause machen. Auch hier: mein Gesamteinkommen aus Familienzeit und Gehalt war ja viel höher als die Vergütung eines Vollzeitjobs.

Unterstützung durch Frauen in der Zeit? Eher nicht… Bleibt man zu Hause gucken die „ohne Babypause zurück in den Job-Mütter“ komisch, geht man arbeiten kommen ähnliche Blicke von denen, die jeden Mittag pünktlich um 12 Uhr am Schultor warten. Mit Männern habe ich solche Situationen nie diskutiert.

Es hat sich seit 2001 und 2003 – den Geburtsjahren meiner Töchter – extrem viel verändert. Manchmal denke ich heute schon, dass es doch so viel mehr tolle Errungenschaften sowohl für Männer wie auch für Frauen gibt und doch niemand zufrieden ist. Volles Gehalt bei voller Elternzeit? Ich bin Volkswirtin – wie soll das funktionieren? Und auch klar: mehr geht immer, besser geht auch noch.

Mein Mann ist mein zweites #Rolemodel.

Gemeinsam haben wir unsere Work-Life-Konstellation gebaut.
 
Meinen eigenen Weg habe ich immer unbewusst eher an dem (erfolgreicher) Männer ausgerichtet. Da gab und gibt es deutlich mehr Rolemodels als bei weiblichen Kolleginnen. Natürlich ist das nicht erstrebendwert. Aber dafür können Männer nur bedingt. Wir (Frauen) haben viel mehr Chancen als wir nutzen. Frauen verstecken sich so unglaublich gern hinter ihren Rollen – ich kenne das:
  • keine Zeit für Fortbildung wegen Laternen basteln,
  • keine Zeit für Sport wegen Kindergeburtstag-Rallye-Ausarbeiten,
  • keine Zeit für Karriere wegen Biologie-Projekt „Kresse anpflanzen“.

Es ist echt eine Hausnummer, das alles unter einen Hut zu bringen, aber das beste Kompetenztraining für die Arbeitswelt der Zukunft. Davon bin ich überzeugt.

Der dritte wichtige Mann auf meinem Karriereweg: mein Kollege, mein Doppel[t]spitze Partner. Sven hat von Anfang nicht einen Zweifel daran gelassen, dass wir als gleichberechtigtes Team auftreten, unsere so absolut unterschiedlichen Kompetenzen in einen Topf schmeißen, nie in irgendwelchen Machtkämpfen Zeit und Energie verschwenden werden. Der größte Schritt in meiner Karriere – die Gründung des eigenen Unternehmens – hätte ich also nie ohne einen Mann gemacht. Ich wäre einfach überhaupt nicht auf die Idee gekommen. Und hätte den Mut nicht gehabt.

Mein bester Freund ist mein drittes #Rolemodel.

Weil er mit seinem Mut für den eigenen Weg trotz und mit allen Widerständen das beste Vorbild für die Zukunft ist. Und für seine Werte, seine Familie und seine Überzeugung einsteht.

Bin ich jetzt gegen Frauen, gegen Quoten, gegen Förderung?

Auf keinen Fall. Aber ich bin dafür, dass wir bei uns selbst anfangen, unsere eigenen Möglichkeiten ausloten und ausschöpfen, uns raus trauen aus Klischees und Vorwänden, nicht das System verantwortlich machen für unsere eigene Trägheit und Schüchternheit. Und nicht von einem Extrem ins andere verfallen, indem wir wieder ausgrenzen. Dass wir Netzwerke nutzen aus Menschen, die uns gut tun.

Bei mir waren das viel häufiger Männer als Frauen, das mag Zufall sein. Aber es zeigt eines deutlich: Schließt nicht per se das eine oder das andere aus!

Der richtige Mensch zum richtigen Zeitpunkt – das ist es, was wir brauchen! Und wann ist der schon? Meine Töchter machen bald Abitur und werden ihren Weg machen. Weil sie hoffentlich ihre Vorbilder haben, neue hinzugewinnen und sich ihre individuelle Rolle bauen werden.

Klassische Rollenverteilung kennen natürlich auch sie. Aber sie kennen auch eine total bunte Welt und machen sich ihr eigenes Bild.

Mit Menschen, die hoffentlich oft ganz anders sind als sie selbst.

Die sie ergänzen, unterstützen & wertschätzen.

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