Julia Collard & Sven Schnitzler
Karriere: Fahrweg durchs Leben – Julia

Karriere: Fahrweg durchs Leben – Julia

Ich habe – zumindest dem Alter nach – so ungefähr die Hälfte meines Berufslebens hinter und die andere Hälfte vor mir; statistisch gesehen, nach üblichen Rechnungen, soweit man es vorhersehen kann.

Stellen sich also viele Fragen:

  • Habe ich bisher Karriere gemacht?
  • Werde ich noch Karriere machen?
  • Hab ich gerade Bergfest?
  • Will ich noch weiter nach oben?
  • Mache ich das (Gleiche) noch 25 Jahre?

Die Frage nach der Karriere

Ganz ehrlich: Die Fragen könnte ich mir stellen. Tue ich aber nicht.

Weil ich mir eigentlich noch nie die Frage nach meiner Karriere gestellt habe.

Ich habe zu bestimmten Zeitpunkten pragmatische Entscheidungen getroffen, die dann durchgezogen und so haben sich Stellen, Positionen und Aufgaben aneinandergereiht. Oder besser: sehr gut aneinandergefügt.

Einstieg in den Arbeitsmarkt

Ein gutes Abi plus Prädikatsexamen, das waren echt perfekte Voraussetzungen für den Einstieg in den Arbeitsmarkt. Aber ich hatte so meinen Vorstellungen – der eine mag es positiv „Verbundenheit“ nennen, der nächste negativ „Verbleib in der Komfortzone“: Meinen ersten Job habe ich nach inhaltlichen, aber definitiv auch nach räumlichen Kriterien gewählt. Ich wollte hier nicht weg.

Ich wollte einen guten Job mit spannenden Aufgaben, aber ich habe nicht im ersten Vorstellungsgespräch nach den Aussichten nach zwei, drei und fünf Jahren gefragt, nach Weiterbildungsprogrammen und nach sonstigen Goodies. Ich hatte einen Job bei einer Bank mit Tarifvertrag. Gut.

Um Karriere zu machen wechselt man anfangs in kurzen regelmäßigen Abständen – so die Theorie. Hab ich gemacht: in die Mutterrolle. Nach 3 Jahren im Job folgten 4 Jahre Karriere zu Hause. Erfolg? Zweifach! Niedlich, manchmal anstrengend, die größte Aufgabe überhaupt.  Vergütung und Titel: eher Fehlanzeige. Und die Erkenntnis, dass es für die wichtigsten Jobs in Deutschland gar kein Zertifikat braucht.

Wiedereinstieg

Klassische Teilzeitfalle: eher wieder unten anfangen auf der Karriereleiter. Aber für mich gar nicht mit einem schlechten Gefühl. Sondern in dem Bewusstsein, jetzt zwei Karrieren gleichzeitig wuppen zu dürfen: zu Hause und im Büro.

Die größte Entwicklung im Job passierte genau in dieser „Teilzeit“. Und als es gerade so richtig Richtung Strategie ging, habe ich aus inhaltlichen (und menschlichen) Gründen beschlossen, dass eine neue, operative Aufgabe doch auch genial sein könnte. Das war der Moment an dem mir sehr deutlich wurde, wie viel mehr Wert alle anderen auf die ordentliche Karriere auf dem Papier legen, als ich selbst. Dieses Titel-Bingo… ist Managerin mehr als Leiterin, muss noch ein „Senior“ oder ein „strategisch“ dazu? Oder mach ich einfach einen guten Job und habe Lust auf die Menschen und Aufgaben, auf Herausforderung und neue Ziele? Welches Zertifikat ist Voraussetzung für welchen Job?

Titel-Bingo oder Freiheit

Und damit dann vielleicht doch eine Antwort auf die Frage, was Karriere für mich heute mit einiger Berufs-, Team- und Führungserfahrung bedeutet:

Karriere bedeutet, dass ich selbstbestimmt meinen Weg gehen kann und Menschen um mich herum habe, die mir den Weg ermöglichen, die mich zu neuen Wegen ermutigen. Klick um zu Tweeten

Meine Karriere als Mutter hat mit dem 18. Geburtstag meiner älteren Tochter sicher dieses Jahr auch eine Art Bergfest. Auch wenn Kinder mit der Volljährigkeit längst nicht auf eigenen Beinen stehen ist es doch ein Einschnitt.

Und dafür hat etwas Neues begonnen: genauso wenig, wie ich andere Schritte langfristig geplant habe, hätte ich nie eine Karriere als selbstständige Unternehmerin in Betracht gezogen – dafür musste erst ein ganz besonderer Impuls kommen (Danke Sven!). Und ja: es gab schon ganz schön viele Kommentare aus dem Bekanntenkreis, die verwundert fragten, wie ich den nun auf die Idee kommen könnte, mich „in meinem Alter“ selbstständig zu machen.

Egal wie – manche lassen einen gerne glauben irgendwas ist immer falsch…

Das verwundert mich dann doch immer. Ich bin bestimmt sehr klassisch geprägt was Job und Familie angeht.  

  • 13 Jahre an der gleichen Hochschule – da meint die Karrierewelt schon, dass ich dort auch „enden“ werde.
  • Ein Business von Null zu starten – da meint die gleiche Welt, dass ich ein viel zu hohes Risiko eingehe und das doch gar nicht mehr nötig sei.

Das, was passiert, worauf ich Lust habe, woran ich glaube und wofür ich mich mit komplettem Einsatz motivieren kann – das ist meine Karriere.

In jeder Kombination kann man glücklich werden und seinen Lebensweg gestalten. Unabhängig von Titeln und Teamgröße. Klick um zu Tweeten

Mitte des Joblebens? Des Karrierewegs?

Da können definitiv noch 25 spannende Jahre kommen. Ich freu mich drauf.

Welche Rolemodels meinen Weg geprägt haben lest Ihr hier im Blog.

Und hier Svens Story – sonst wäre es nicht Doppel[t]spitze.

Und während ich das hier so schreibe:

könnte auch noch Stoff für ein ganzes Buch sein, oder? Zwischen dem geraden Lebensweg, den Extremen Rabenmutter, Teilzeitkarriere und der Existenzgründung „aus dem Nichts“ gibt es nämlich noch eine ganze Menge mehr an Erfahrungen und Stories bis zum Doppel[t]spitze- Karriereweg. Und an welcher Kreuzung wir uns überhaupt getroffen haben…

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