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Der Titel ist kein bisschen übertrieben – Rügen, Syrien, USA, die Eifel, Bayern, Japan und Stuttgart in einer Stunde. Klimaneutral. Danke liebe Vera, für diese inspirierende Mittagpause.

 

Doppeltspitze: Wie schön, dass Du so spontan bist – wie geht es Dir?

Vera Schneevoigt: Mir geht es gut! Ich habe wahnsinnig viel zu tun und lerne gerade mit fast jedem Gespräch gleichzeitig ein neues Kommunikationstool kennen – aber das ist großartig. Wenn es so weitergeht habe ich meine 5 Jahres Digitalisierungsstrategie bei Bosch krisenbedingt nach einem Jahr durchgezogen 😉

So ganz natürlich nicht, aber es ist doch schon enorm, was sich bewegt. Und ich weiß wovon ich spreche, denn ein über 100 Jahre alter Konzern ist tatsächlich so, wie man ihn sich vorstellt. Ihr Kölner könnt das gut mit der katholischen Kirche und dem Dom vergleichen. Oder mit einer langjährige, auch erfolgreichen Resilienz. Wir waren und sind hier mit allen Vor- und Nachteilen sehr traditionell und fortschrittlich zur selben Zeit. Manchmal fühlt sich das sehr bizarr an.

Was bedeutet, dass auf der einen Seite der Mensch als „Wert“ unglaublich viel zählt – für mich ein absolut überzeugender Grund für meinen Wechsel zu Bosch. Immerhin darf man hier auf einen sehr hohen Fit bei Personaleinstellungen stolz sein! Auf der anderen Seite bedeutet das aber auch, dass jede Veränderung ein Mammutprojekt ist. Das „Noch-mal-drüber-nachdenken“ könnte nach Japan auf jeden Fall hier erfunden und ‚patentiert‘ worden sein.

 

Doppeltspitze: Du freust dich über das wirkliche Erleben neuer Tools – wie wunderbar, weil man Dir den Enthusiasmus selbst in der eigentlich so verdienten Mittagspause abnimmt! Was hat sich bewegt im Kleinen bei Euch?

Vera: Ob das so klein ist? Im Vergleich zu unseren „normalen“ Produktentwicklungszyklen sind wir gerade in Überschallgeschwindigkeit unterwegs. Im Rahmen von Safety and Security sammeln wir die unterschiedlichsten Ideen. Da gibt es beispielsweise die „Tipps of the Week“. Ganz operativ – wie funktioniert ein Call besser, wie können wir Ergebnisse teilen, was macht uns arbeitsfähiger? Aber auch Produktideen, aus denen Lösungen nach 4 Wochen resultieren. Unbewusst haben wir eine interne Mini-StartUp-Challenge initiiert, in der jeder abteilungs- und standortübergreifend ein bisschen wetteifert mit den Kollegen. Für diesen Accelerator gab es vorher noch nicht einmal ein Konzept und oder einen Prozess, der in die Standard-Welt eingebunden ist. 😉

 

Doppeltspitze: Von Kurzarbeit bist Du selbst also wohl eher nicht betroffen…

Vera: Eher im Gegenteil. Wir stecken momentan mitten in einem Strategieprojekt mit einem externen Team in den USA, das wir noch nicht einmal kennengelernt haben zum Zeitpunkt, als wir alle „begrenzt“ wurden. Und genau da zeigen sich gerade die Gletscherspalten zwischen analoger und digitaler Welt: Während meine Kollegin und ich uns freuen, wie toll das auch via virtueller Kommunikation klappt und was wir trotz aller Beschränkung geschafft und erreicht haben, fragen „unsere“ analogen Teile des Managements, warum denn alles gerade so lange dauert und was hat sich eigentlich geändert während Covid-19 ?! Es ist manchmal zum Haare raufen und auf der anderen Seite doch auch wieder so verständlich und menschlich. Da prallen gerade viel mehr Welten aufeinander, als wir es je vermutet haben. Von einem Vorstand, der diesen Konzern durch alle wirtschaftlichen und politischen Unwägbarkeiten steuert – und gleichzeitig immer ganz bei seinen Mitarbeitern ist neben allen strategischen Gedanken – zu verlangen, dass er auch noch ein hippe Kommunikation beherrscht – das ist kaum realisierbar. So sehr ich selbst Verfechterin dieser Parallelität bin.

 

Doppeltspitze: Apropos „analoger Vorstände“ – die sind eher männlich, wenn man Social Media folgt, richtig;-). Wir haben so sehr mit Dir gelitten…

Vera:  Darauf möchte ich nur eines antworten: No Comment. Wer mich kennt, weiß was das bedeutet.:-)  Selbst wenn sich die tägliche Arbeitswelt zufällig anders darstellt: Diversity muss ein Thema sein. Gerade hier bei uns bei Bosch, wo dieses Bild Einseitigkeit oder Einfalt wirklich nicht mehr das reale ist – aber das Foto aus dem letzten Jahresbericht war halt das , was im Geschäftsbericht ausgedruckt vorlag. Ein eindeutiges Zeichen, dass Diversität hilfreich ist, nicht nur in der Kommunikation und Außenwirkung. Nämlich, dass CEO mit CIO, CFO und auch noch am besten mit der Kommunikationsabteilung und allen Mitarbeiter*innen spricht.

Wieder was gelernt – „wir“ Frauen haben es mit einem Lächeln bedacht…und unkommentiert stehen gelassen.

 

Doppeltspitze: Und das von Dir, die du ja in Japan wohl ausreichend hierarchische Führungs- und Geschlechterkultur kennengelernt hast.

Vera: Richtig, aber in Japan hatte ich den Vorteil, dass ich nicht immer alles verstanden habe 😉 Was dazu geführt hat, dass sich Kommunikation auf das inhaltlich Wesentliche beschränkt hat.

 

Doppeltspitze: Autoindustrie und Krise – wie ist da Deine Sicht der Dinge aktuell?

Vera: Ganz schwieriges Thema. Wir müssen unbedingt versuchen, hier Interessen ordentlich zu differenzieren. Emotionen haben da bitte nichts zu suchen. Und auch Lobbyismus nur in verträglichem Maße. Die Automobilbranche braucht Unterstützung – unbedingt. An ihr hängen ganze Infrastrukturen und Ortschaften. Das gilt für alle großen Werke in Deutschland und nur um ein die Power greifbar zu machen: Volksagen, BMW, Mercedes. Namen, Unternehmen, die für unsere Wirtschaftskraft stehen wie kaum ein anderes! Der direkte Effekt auf uns als Menschen ist sicher regional unterschiedlich, aber dort wo es die Industrie trifft, trifft es sie mit voller Wucht. Vergleichen kann ich das fast nur mit dem Strukturwandel im Ruhrgebiet – dort hat man vor Jahren versäumt, auf ganz neue Wege zu setzen. Das Ruhrgebiet hätte ein Silicon Valley werden können, wenn man wirklich von Grund auf neu gedacht hätte.

In der Agrarwirtschaft versucht man Monokulturen schon seit längerer Zeit zu verhindern, weil sie nicht nachhaltig sind. Für die Industrie haben wir noch kein entsprechendes Konzept. Die Automobilindustrie war unser sicherer Boden. Das müssen wir jetzt auch mittragen. Nicht durch Gießkannenförderung oder Finanzierung alter Produktionsmethoden, aber durch Vitalisierung. Letztlich durch neuen Lebensmut. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie rund um die Werke ganze Wohngebiete in Existenzangst versinken – eine unfassbare Spirale negativer Emotionen!

Und auch wenn Kurzarbeit für mich persönlich kein Thema ist, dafür aber ganz bestimmt für unsere Mitarbeiter. Die Solidaritätsbeiträge waren bei Bosch ganz schnell beschlossene Sache.

Jeder leistet seinen Beitrag in einer Art organisationsinternen Solidar- und Generationenvertrag.

 

Doppeltspitze: Bei negativen Emotionen kommen uns Deine Pflegesöhne sofort in den Sinn – wie erleben sie die Krise?

Vera: Ganz dramatisch, wirklich. Der „Große“ ist recht gefestigt und selbstständig, aber der „Kleine“ hat sehr damit gekämpft, gerade zu Beginn. Wenn man den syrischen Polizei- und Überwachungsstaat kennt und erst seit kurzem ein bisschen Vertrauen in Demokratie gefasst hat, dann ist genau das quasi im Handumdrehen auch wieder weg. Das hat viel Aufklärungsarbeit und Kommunikation gekostet den Unterschied zwischen staatlich totalitärer Kontrolle und den deutschen temporären Vorsichtsmaßnahmen zu erklären. Und dazu kommt die Angst um die Familie in Syrien. 

Die Trennung von der Familie in der „alten“ Heimat und den neuen Freunden hier ist eine doppelte Belastung. Und während wir die momentanen Regeln eher lax betrachten, sind die Jungs Regelkonformität inklusive Sanktionsmechanismen von klein auf gewohnt. Meine Aufgabe ist da ständige Übersetzung alle neuer Informationen seitens der Nachrichten in unser Alltagsleben. So haben wir die größte Hängepartie hoffentlich überwunden und unterschiedliche Zukunftsszenarien besprochen. Das hilft uns allen!

 

Doppeltspitze: Und das ist es, warum Du so eine wahnsinnig gute Führungskraft bist – Sicherheit geben, das ist eine Fähigkeit, vielleicht auch eine Gabe, die unersetzlich ist. In jeder Situation, aber erst recht in einer solchen Krise. Wie tankst Du auf?

Vera: Ich bin wirklich (meistens) gut im Abschalten. Aber mein Urlaub, den ich um Ostern gecancelt habe, der fehlt mir sehr. Jetzt gerade merke ich, dass es dringend Zeit wäre zum Aufladen meiner Akkus. Das kann ich glücklicherweise in den Pfingstferien. Statt langer Reisen – das ständige Fliegen im Job fehlt mir übrigens kein Stück! – wird Deutschland erkundet – ich komme in die „alte Heimat“ in die Eifel.

Und in den Sommerferien geht es mit Sack und Pack generationenübergreifend an die Ostsee. Auftanken in der Natur besonders am Meer, das funktioniert für mich wirklich immer.

Obwohl ich aktuell wirklich das Gefühl habe weniger Zeit zu haben. Oder eine neue Taktung, die ich mir auch selbst nach aller Berufs- und Projekterfahrung geben musste. Ich kann zwischen Arbeit und Freizeit manchmal gar nicht mehr unterscheiden, weil ich immer wieder dieselben oder eben neue Tools nutze – zum Verhandeln genauso wie für einen Abendplausch. Aber das meine ich gar nicht mal negativ. Es ist nur wirklich kräftezehrend. Da muss jetzt eine Pause her! Den Wert von Gesundheit muss man wohl aktuell niemandem mehr erklären.

 

Doppeltspitze: Die hört sich mehr als verdient an. Und wenn Du in der Eifel bist weißt Du ja, dass das Brühler Schloss mit uns als Schlossherren gerade um die Ecke ist J

Vera: Und sonst „sehen“ wir uns ja spätestens zum #TakeFiveTime im Juli. Virtuell. Und das Fernziel ist ein analoges TakeFiveTime-Revival bei Tuesday Porter Ende des Jahres spätestens nächstes Jahr in Berlin. Wenn das wieder klappt – vom letzten Treffen zehren wir ja irgendwie alle noch immer! -, dann haben wir das Jahr gut rumgebracht, viel gelernt und sind hoffentlich alle gesund geblieben.

 

Doppeltspitze: So machen wir das. Und wir kapern ein Boot in Berlin. Die Kanäle und Seen dort scheinen zumindest dem zufolge, was uns Social Media vorgaukelt „the place to be“ zu sein.

 

 

Danke Dir ganz herzlich Vera für diese Reise, wir hätten Dir stundenlang zuhören, von Deinen Erfahrungen profitieren und lernen können und wir verspüren den unbedingten Wunsch Etro und Deine anderen Männer kennenzulernen. Bleib gesund, bewahre Dir Deine Energie und Deine so wertschätzende und unvoreingenommene Einstellung jedem Menschen gegenüber.

Du machst unsere Gesellschaft ein Stück wertvoller!

 

 

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