#netzwerktalk mit Dr. Nick Oberheiden, Kanzleiinhaber Oberheiden P.C.

 

Menschen kennenlernen, die Komfortzone verlassen, Wissen teilen – nicht mehr und nicht weniger groß ist das Ziel von #Netzwerktalk. Dieses Mal schaffen wir alles auf einmal – denken wir. Komfortzone verlassen ist ja aktuell eine Gratwanderung. Wir alle haben unsere Komfortzone verlassen, indem wir sie eben nicht mehr verlassen. Und trotz #stayathome haben wir Dr. Nick Oberheiden kennengelernt. Und wir haben einen #netzwerktalk über den Atlantik bis nach Dallas gesponnen.

 

Doppeltspitze: Herr Dr. Oberheiden – die erste Frage der Stunde ist immer die nach der Gesundheit: wie geht es Ihnen und Ihrer Familie?

Dr. Nick Oberheiden: Uns geht es sehr gut. Danke der Nachfrage. Meine drei Töchter Logan (10), Evelyn (4) und Capri (4 Monate) und meine Frau Kelly haben sich der neuen Realität gut angepasst. Wir haben bisher alles unbeschwert überstanden. Als angenehmer Nebeneffekt der Krise genießen wir, dass wir so viel Zeit miteinander verbringen können.

 

Doppeltspitze: Hand aufs Herz: wären Sie bisher in irgendeiner Phase der Krise lieber in Deutschland gewesen?

Dr. Nick Oberheiden: Ich hätte meiner Familie in Deutschland gerne unsere Tochter präsentiert, die im Februar geboren wurde. Ansonsten hat mich die Krise weder zu Reisen innerhalb noch außerhalb der USA motiviert.

 

Doppeltspitze: Womit wir mitten in der politischen Diskussion wären – wie erleben Sie aktuell das amerikanische Gesundheitssystem ganz konkret bei Ihnen vor Ort? Was ist richtig und was falsch an dem, was wir Deutschen gerade aus Ihrer Wahlheimat hören?

Dr. Nick Oberheiden: Wenn ich manchmal deutsche Berichterstattungen über die USA, speziell über die aktuelle Regierung lese, dann finde ich das vereinzelt schon sehr anmaßend, einseitig und uninformiert. Neben Sie einmal die Beispiele Italiens und Griechenlands. Ganz Deutschland scheint sich zu empören, wenn diese sich negativ zum deutschen Politikstil äußern. Erinnern Sie sich noch an die Kanzlerschaft Schroeders? Zu einem Boykott Italiens im Zuge kritischer Berichterstattung wurde aufgerufen. Vorbildlich urlaubte der Kanzler letzlich trotzdem in Italien. Kritik ist keine Einbahnstraße. Wenn die Deutschen selbst kritikfähiger wären, wären einige Einmischungen in die Innereien anderer Länder auch vertretbarer.

 

Doppeltspitze: Jetzt aber mal zu dem, was uns außerhalb von Krise und Corona interessiert: wie sind Sie in den USA „hängen geblieben“?

Dr. Nick Oberheiden: Interessante Frage! Ich war schon immer Amerika-Fan. Schon während meines Jurastudiums in Deutschland habe ich jede freie Minute mit Praktika in den USA verbracht. Mir war immer klar, dass ich diese Eindrücke vom amerikanischen Recht nach meinem deutschen Studium mit einem Studium krönen müsste. Dann habe ich mich 2004 an der Universität von Kalifornien in Los Angeles beworben, weil ich bis dahin die Westküste noch nicht gesehen hatte. Das Studium war auf ausländische Juristen zugeschnitten, doch als ich einmal in Los Angeles war, wollte ich mehr. Ich habe mich extra angesprengt, um an dieser äußerst kompetiven Universität gut dazustehen. Als die Zensuren veröffentlicht wurden bin ich zum Dekan gegangen und habe gesagt: Ich will vom Masterprogramm in das reguläre Programm wechseln; ich will noch zwei Jahre dranhängen. Das hat dann auch geklappt, war aber insoweit Neuland als dass Amerikaner im regulären Juris Doctor Programm eigentlich immer eine zusätzliche Aufnahmeprüfung ablegen müssten. Die hat die Fakultät der UCLA mir dann freundlicherweise erlassen. Als ich dann 2007 als einer der ganz wenigen landesweit mit einem europäischen und einem vollen Juris Doctor Abschluss auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt präsentierte, da konnte ich mich vor Angeboten kaum retten. Da habe ich gedacht: wenn ich schon einmal hier in den USA bin, dann bleibe ich auch noch ein bisschen…

 

Doppeltspitze: Was ist aktuell Ihr Job?

Dr. Nick Oberheiden: Ich leite meine Kanzlei Oberheiden P.C. Unser Hauptsitz ist in Dallas, Texas, allerdings ist es mir in den letzten Jahren gelungen, ein landesweites Netz aufzubauen. Im Ergebnis haben wir jetzt rund 30 Anwälte in allen Metropolen der USA sowie mehrere Dutzende ehemalige Agenten des Federal Bureau of Investigation (FBI) und anderer Strafverfolgungsbehörden, die uns Anwälten mit ihren Inneneinsichten und Kontakten behilflich sind. Den Mandanten gefällt die Symbiose aus Anwalt und FBI Agent.

 

Doppeltspitze: Secret Service und FBI – in unserem Kopf spult sich das ganz große Kino ab… wie dürfen wir uns hier Ihr Daily Business vorstellen?

Dr. Nick Oberheiden: Mein Arbeitsalltag ist Krisenmanagement. Ich vertrete Politiker, Wirtschaftsführer, Ärzte, Sportler und Prominente mit einem Schwerpunkt in Spionagefällen, Korruptionsskandalen und Betrugsverfahren. Diese Art der Ermittlungen obliegt dem amerikanischen Justizministerium und das FBI ist eine der wichtigsten, jedenfalls die bekannteste Strafverfolgungsbehörde. Ziel meiner Tätigkeit ist es, eine formale Anklage durch intensive Verhandlungen mit Bundesstaatsanwälten zu vermeiden, oder, je nach Fall, für den Mandanten einen guten „Deal“ mit möglichst wenig Gefängnis zu erarbeiten. Wenn beides nicht klappt, dann geht es zum Geschworenenprozess vor einem Bundesrichter. Mandanten rufen mich, wenn gegen sie ermittelt wird—oder, was sehr häufig vorkommt, wenn sie aufwachen und um 5.50 in der Frühe 50 FBI-Agenten mit einem Durchsuchungsbefehl im Haus haben. Dann ist Eile geboten. Letztes Jahr hatte mir American Airlines nach meinem 250. Flug innerhalb desselben Jahres persönlich gedankt. Das war es gerade mal September.

 

 

Doppeltspitze: Und ein bisschen Namedropping – was waren – bestimmt ohne die Top Secrets leider 😉 – Ihre spannendsten Fälle und Erfahrungen?

Dr. Nick Oberheiden: Das ist eine gute Frage, denn ich habe darüber noch nie nachgedacht. Ganz allgemein gefallen mir Fälle, bei denen es in die allerhöchstens Etagen des U.S. Department of Justice, dem U.S. Department of Defense oder auch dem U.S. Department of State geht. Da mit einem Mandanten als Gewinner nach erfolgreichen Verhandlungen bzw. akribischer Präsentationen heraus zu spazieren, erfreut nicht nur den Kunden. Die Ermittlungen gegen den ehemaligen Anwalt des Präsidenten waren so eine Gelegenheit. Ich vertrat seinen Geschäftspartner, es ging um relativ komplizierte Fragen internationaler Immunität. Viele wurden angeklagt, nicht aber unser Klient. Ganz konkret erinnere ich mich an meinen ersten strafrechtlichen Bitcoin-Fall oder meine Vertretung eines US-amerikanischen Gouverneurs. Der vielleicht spannendste Fall war vor Kurzem eine riesige Spionageaffäre mit etlichen pikanten Militärgeheimnissen. Der Raum, in den ich trat, um die Interessen meines Mandanten zu vertreten war ziemlich gefüllt: Bundesstaatsanwälte, FBI, IRS, Department of Defense. Selbst mein Mandant hatte Top-Secret Clearance, die Höchststufe. Alles tolle Fälle! Ich schätze mich glücklich.

 

 

Doppeltspitze: Der Weinstein Prozess endet mit der Urteilsverkündung quasi parallel zum Lockdown – und wie soviel Themen scheint er „vergessen“ oder wie aus einer anderen Welt. Der Welt „vor Corona“. Wie geht es hier weiter?

Dr. Nick Oberheiden: Seine Zukunft ist nicht rosig. Er wird gegen das Verfahren in New York Berufung einlegen. So wie die Dinge stehen, wird er während des gesamten Berufungsverfahrens im Gefängnis bleiben müssen. Einmal aufgrund der Verurteilung zu einer Straftat, die eine zumindest abstrakte Gefährdung der Allgemeinheit beinhaltet. Zum anderen, da befürchtet würde, er könne sich absetzen. Schließlich, nicht zu vergessen, steht ihm ja ein ähnlicher Prozess auch noch in Kalifornien mit neuen Anschuldigungen bevor.

 

Doppeltspitze: Neben diesem Job liegen Ihnen die transatlantischen Beziehungen am Herzen – was bedeutet das konkret?

Dr. Nick Oberheiden: Ob es die Epidemie ist oder internationaler Terrorismus, oftmals geht es nur gemeinsam. Dem Bündnis aus Europa und den USA kommt eine große geopolitische Bedeutung zu. Trotz allem muss jedes Land für sich selbst auch eigennützig denken.

 

Doppeltspitze: Mit der Heimat halten Sie es mit Karl Lagerfeld – aber trotzdem hat ja jeder Ort seinen eigenen Charme. Ihre je drei Top Argumente für Deutschland und für Texas:

Dr. Nick Oberheiden: Deutschland: 1) Dankbarkeit, mir eine Ausbildung ermöglicht zu haben, die zur Grundlage meines beruflichen Erfolges erheblich beigetragen hat. 2) Eine unglaubliche Geschichte und Kultur, derer sich die Deutschen positiv bewusst sein sollten. 3) Fleiß.

Texas: 1) Die Warmherzigkeit der Bewohner. 2) Harte Arbeit lohnt sich. 3) Das Glas ist immer halb voll.

 

Doppeltspitze: Wie halten Sie es denn außerhalb des Jobs mit der Jogginghose – dem „Vorbild“ augenzwinkernd folgend? Was sind Ihre Hobbies und was bedeutet Ihnen Familie?

Dr. Nick Oberheiden: Die Jogginghose gibt es bei mir so nicht. Es ist einfach zu heiß hier. In kurzer Hose geht es vier Mal die Woche zum Sport. Drei junge Kinder sind schon ein füllendes Freizeitprogramm. Zum Abschalten suche ich mir gerne Dinge aus, von denen ich (vorher) wenig wusste: z.B. Die Geschichte Chinas, das Leben in der DDR, das Leben Konrad Adenauers, brasilianische Philosophie (gerne auch auf portugiesisch). Ganz allgemein gilt: wenn ich mich mit etwas beschäftige, dann richtig, also nicht nur mal eben einen kurzen Artikel überfliegen. Meine Familie lässt mich gewähren und wir haben eine gesunde Mischung aus Hobbies und Familie gefunden.

 

Doppeltspitze: Was sind Ihre Ziele in der nahen Zukunft? Was würden Sie gerne erreichen?

Dr. Nick Oberheiden: Ich könnte mir gut vorstellen, eines nahen Tages in die Regierung zu wechseln. Sollte die Position, die mir vorschwebt, nicht erreichbar sein, was ich bezweifle, dann steht einer weiteren Expandierung meiner Kanzlei nichts im Wege. Als Perfektionist beruflich nie ganz zufrieden, bin ich mir meiner privilegierten Stellung und der daraus resultierenden sozialen Verantwortung durchaus bewusst.

 

Doppeltspitze: Ein Zitat über Sie passt für uns auf Job wie Familie – und damit ist das keine Frage sondern unser Schlusswort mit viel Respekt vor Ihrer Leistung:

 

 

“Nick gives you the immediate comfort of feeling 100% protected.”

 

Thanks a lot for being our very first international guest.

And for connecting our acutally so separated continents for a very special moment.

 

It´s about people. People follow people. And we trust people.

 

 

 

 

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