Blogparade #dieZeitdanach: Was ist nach Corona wirklich, wirklich wichtig?

Als wir den Aufruf zur Blogparade von Nicole @newworkstories gesehen haben war klar: Da sind wir dabei. Genau unser Thema, wir sind doch alle mittendrin in der Krise, die Gefahr und Chance zugleich ist. Es wird sich etwas ändern und nichts wird mehr sein wie zuvor. Veränderungen sind unser Job – daran rütteln auch die skurrilen Umstände nicht.

 

Und dann?

Pause. Leere. Fragen. Ein Anfang. Einer von vielen.

Es ist sonst nicht unsere Art Blogartikel mehrfach zu starten – überhaupt sind wir die absoluten Aus-dem-Bauch-heraus-Schreiber. Ist der Blog doch unser Ausgleich zum Verfassen und Korrigieren wissenschaftlicher Arbeiten an der Hochschule. Da darf Emotion rein statt Expertise und Meinung statt recherchierter und belegter Fakten.

Und doch ist es hier anders. Denn es ist eben WIRKLICH wirklich wichtig, was nach Corona kommt. Und wann dieses „danach“ ist. Da braucht es neben dem Bauchgefühl jede Menge gut recherchierter Fakten. Es ist genau der Moment, in dem Blog und Wissenschaft ein ziemlich perfektes Doppel bilden. Also doch wieder genau unser Thema.

Soweit zur Einleitung – folgt die Gliederung.

 

Arbeit nach Corona

Der Anfang war aufregend. Ein kleines Abenteuer. Gegen die Meinung des Unternehmens sind wir mit dem ganzen Team ins Homeoffice umgezogen. Für manche waren es die ersten Schritte in digitale Gefilde. Für viele hieß es Arbeit vom Küchentisch aus oder aus dem Kinderzimmer. Hier wiederum für manche, weil sie noch zuhause wohnen, für andere wiederum, weil die Kinder zuhause sind. Wir sind gemeinsam in das Abenteuer gestolpert, haben kreative Ideen entwickelt und waren spontan. Eine Woche lang im Chaos, zwei Wochen lang im Motivationshoch. Ein schmaler Balanceakt zwischen Neulust und Ungewissheit. Und dann… dann wurde es „normal“. Die Meldungen in den Nachrichten wurden normal, der improvisierte Arbeitsplatz wurde normal, die Aufregung sank und es war klar: da fehlt was. Wir haben an Effizienz gewonnen, an Kommunikationsskills, an Erfahrung – aber immer im gleichen Zimmer? Jeder für sich? Trotz aller Home Office Hacks: es ist keine selbstgewählte Option und damit nicht die beste Lösung.  Aber es ist eine. Gut zu wissen dass wir das können.

Wir nehmen uns vor: einen “Corona-Arbeitstag” pro Woche behalten wir bei. Da wird von zuhause gearbeitet, das Auto nicht genutzt, gemeinsam gekocht und abends gespielt statt ferngesehen.

 

Selbstständigkeit nach Corona

Workshops und Veranstaltungen wurden verschoben, Projekte auf Eis gelegt, finanzielle Unsicherheit lähmt den StartUp Gedanken. Und dann – mitten in diese Aktionsstarre – trudelte ein wunderbares Projekt. „Könnt Ihr unseren Kindergarten auf Social Media weiterführen?“ Natürlich können auch wir genau das nicht – aber so etwas Ähnliches haben wir mit #DRKplayathome geschaffen. Wir haben einfach mal gemacht – Kinder ein kleines bisschen glücklicher und pädagogisches Personal ein kleines bisschen mehr digital. Hoffen wir zumindest. Das gibt uns witziger Weise jeden Morgen die erste Struktur des Tages. Wir begrüßen geschätzt 150 Kinder mit einem virtuellen Lied, einer Bastelanleitung oder einem Rezept. Wenn das Corona geschafft hat – danke dafür. Der nächste Anstubser darf aber ruhig weniger fest sein…

Wir nehmen uns vor (auch wenn es das vorher schon gab – jetzt erst recht): zu unseren Social Media Projekten gehören auch immer „Corona Projekte“ – also ehrenamtliche Projekte, die die Digitalisierung im Sozialsektor voranbringen. Wir können das Gesundheitssystem nicht ändern, aber es ist vielleicht mehr als nur Applaudieren für diejenigen, die ganz besonders viel geleistet haben und es auch nach Corona tun werden. Intensivmedizin, Pflege, Betreuung – das verliert gar nichts an Relevanz.

 

Schule & Bildung nach Corona

Das Mailpostfach ist übergelaufen, der Drucker ist heiß gelaufen. Das war es. Der rote Faden der digitalen Rückständigkeit deutscher Schulen zieht sich leider sehr homogen durch den Bildungsföderalismus. Es gibt ein paar Leuchtturmschulen und es gibt – wie auch vor Corona – höchst engagierte Lehrer. Und danach kommt lange nichts. Leider wirklich gar nichts. Kita und Schule sind – das wissen wir alle – viel mehr als Bildungseinrichtungen. Sie sind Begegnungszentren, Spielplätze, Zufluchtsorte, Schutzräume, sogar Restaurant und Kuschelort.  Vielen Kindern ist mit den Schließungen buchstäblich der Lebensraum entzogen worden. Das Virus trifft die Alten gesundheitlich am härtesten – aber die Kinder am schwersten. Systemrelevanz mag ein Wort sein, was wir aus dieser Zeit mitnehmen – hoffentlich nicht nur als (Un)Wort des Jahres. Kinder sind systemrelevant.

Wir nehmen uns vor – ja was eigentlich? Der Bildungssektor hat sich für uns als größter Patient in der Krise gezeigt. Wir – und damit meinen wir uns alle als Gesellschaft – sind  absolut hilflos in der Betreuung unserer Kinder, wenn analoge Systeme zusammenbrechen. Das sollte uns wirklich die größte Aufgabe nach Corona sein: Digitalkompetenz in die Kindergärten und Schulen zu bringen. Netzwerke zu schaffen mit mindestens doppeltem Boden. Wo immer wir da unterstützen können, sind wir auf jeden Fall dabei.

 Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit sind zwei Impfstoffe, die wir als Gesellschaft genauso dringend entwickeln müssen wie solche gegen neuartige Viren. Das wussten wir vorher. Jetzt kann hier niemand mehr wegschauen.

 

Familie & Freunde nach Corona

Wir sind beide Familienmenschen. Und schon vor Corona war für uns klar, dass Familie nicht immer etwas mit genetischer Verbundenheit zu tun hat. Das war oft schwierig in den letzten Wochen, denn ganz ehrlich hätte man eventuell noch den ein oder anderen Menschen treffen DÜRFEN, den man gar nicht sehen WOLLTE. Andere wiederum nicht. Das war nötig – auf jeden Fall. Aber es zeigt uns noch mehr, dass wir ganz ohne soziale Kontakte nicht die gleichen sind. Und dass Familie ein sehr individuelles Konstrukt ist.

Der vertraute Besuch, die Joggingrunde, das gemeinsame Grillen. Es sind nicht die Großevents, die uns fehlen. Klar ein Stadionbesuch oder ein Konzert geben dem Leben den Kick. Aber es geht auch viele Nummern kleiner.

Wir müssen uns nicht vornehmen, diese Werte zu schätzen. Das haben wir schon vorher getan. Es bleibt überlebenswichtig Menschen zu haben, auf die man sich verlassen kann, denen man vertraut, mit denen man sich blind versteht. Das überdauert auch ein bisschen physische Distanz. Und wenn nicht – dann war es keine Familien-Freundschaft. Egal ob mit oder ohne echte Blutsbande.

 

Gesellschaft, Wirtschaft & Umwelt nach der Krise

Verrückt, oder? Da haben wir nun all unsere persönlichen Eindrücke kleinteilig in einzelnen Kapiteln geschildert und fassen den Rest der Welt in einem Kapitel zusammen. Weil wir ihn echt kaum einschätzen können. Und weil unsere Welt seit 5 Wochen auf genau diesen Radius begrenzt ist und wir ja im Inner Circle bleiben sollen.

Die Wirtschaft wird wieder ins Rollen kommen – schließlich muss nicht wie nach einem Krieg erst wieder etwas aufgebaut werden. Es gibt Gewinner (die Produzenten von Strandkörben gehören erstaunlicherweise ebenso dazu wie die von Headsets, Schutzmasken und … ja… Toilettenpapier) und Verlierer (um so manches kleine Restaurant und Hotel wird es uns extrem leid tun). Aber im Großen und Ganzen wird sich vermutlich nicht viel ändern. Dabei wäre genau das wirklich wichtig. Ein Umbruch in der Gesellschaft in Richtung Konzentration und Fokussierung. In einem Whitepaper des Zukunftsinstitutes wird dazu der Begriff „Glokalisierung“ verwendet und das hat uns WIRKLICH nachhaltig beschäftigt: wie behalten wir die Lehren aus der lokalen Begrenztheit bei und sind trotzdem Weltbürger?

Hat die Krise nicht genau hier ihren allerwichtigsten Impact: Wir spazieren in unserer „Hood“, freuen uns auf eine kleine Tour in den nächsten Tierpark und machen die weite Reise auch einmal virtuell, um die Umwelt zu schonen? Schaffen wir das, regional einzukaufen? Wer hat das während der Krise überhaupt wirklich geschafft? Denn ganz ehrlich: Dank Amazon und Co waren wir ja nicht wirklich begrenzt in unserem Tun.

Aber der Himmel ist blauer seit Corona – ohne Kondensstreifen der Flugzeuge. Und den Stau am Morgen hat wohl auch keiner vermisst.

Wir nehmen uns vor uns daran zu erinnern. Wir werden uns nicht komplett verändern. Reisen ist auch Kulturgut, ist auch Bildung. Lokaler Einkauf aber ist absolut möglich. Bestimmt gibt es für jeden von uns etwas, was nicht ganz so weh tut. Wir sind keine Freunde von Neujahrsvorsätzen – also sind wir vorsichtig. Wir fahren Auto, fliegen in den All Inclusive Urlaub, grillen Fleisch und kaufen im Discounter ein. Wir werden nicht plötzlich zu Gutmenschen durch Corona. Aber jeder Beitrag zählt, oder?

 

Fazit

Freiheit – die werden wir doch noch einmal anders zu schätzen wissen nach Corona. Die Selbstverständlichkeit, auch ein Brötchen zu holen oder ein paar Tomaten und nicht direkt den geplanten Vorrat für eine ganze Woche. Sich frei bewegen zu können.

Wenn man sich vor Corona versehentlich in der Bahn angerempelt hat gab es oft grummelige Blicke. Aktuell kommt das gar nicht in Frage.  Vielleicht freuen wir uns, wenn wir demnächst geschubst werden, weil es nicht mehr gefährlich und gleichzeitig eine Art normaler Kontakt ist. Wir sind sicher: grummelig kommt auch wieder.

Die Kleine bekommt ein Klettergerüst im Garten und trotzdem wird der Spielplatz lustiger sein. Die Große studiert im ersten Semester online und wird sich auf die erste analoge Ersti-Party in einer überfüllten Kneipe freuen. Die Mittlere hofft, dass das Abi nächstes Jahr mit einem rauschenden Ball endet und sich alle in den Armen liegen.

Wir wünschen es ihnen – nie wieder auf Freiheit verzichten zu müssen. Und zu wissen, was sie wert ist.

Wir würden uns wünschen, dass Corona etwas verändert – aber es wäre echt schade, wenn es irgendwann heißt  „das hat Corona geschafft“ oder das haben wir WEGEN Corona geschafft

Schöner wäre doch „das haben wir TROTZ Corona erreicht“ und wir haben Wirklich wirklich etwas verändert. Positiv für immer.

 

Epilog

Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit sind WIRKLICH wirklich wichtige Impfstoffe.

Wir – – – brauchen – – – Abstand

Wir geben zu – diese Zeit des physical distancing war uns viel zu eng. 1,5 Meter Abstand hatten wir viel zu selten zum Bildschirm. 1,5 Meter Abstand hatten wir viel zu selten von unserem Haus. 1,5 Meter Abstand hatten wir viel zu selten vom Job, Vom Umfeld, Von uns....

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