Karrierestart #netzwerktalk mit Valentin Vollmer, Gründer und Geschäftsführer, CoachNow GmbH

 

Lieber Valentin,

über Social Media haben wir uns im Vorfeld Deines jüngsten Buchs Karrierestart kennengelernt.  Jetzt würden wir gerne mal ein bisschen tiefer in Deine Welt einsteigen – was bewegt Dich, was treibt Dich an, was motiviert Dich? Wir freuen uns sehr auf den Talk!

 

Doppeltspitze: Valentin, „Was kann ich? Wer bin ich? Was will ich?“ – das sind Deine Grundfragen der Zielbestimmung. Wie würdest Du sie für Dich beantworten?

Valentin Vollmer: Die Fragen sind bewusst philosophisch angehaucht – daher werden jetzt auch meine Antworten zum Einstieg ein wenig philosophisch ausfallen: Wer bin ich? Ich bin mein „Lebensbuch“, das sich immer mehr füllt mit allen Erfahrungen, die ich mache und auch mit allen Sonnen- und Schattenseiten. Was ich kann? Das finde ich selbst jeden Tag wieder aufs Neue heraus. Ich verstehe das Leben als Fluss. Da passiert es, dass ich feststelle Dinge zu können, von denen ich es noch gar nicht wusste. Umgekehrt gelingen manche Dinge nicht, von denen ich eigentlich gedacht hatte, dass ich sie kann. Das ist gut so, denn dann nehme ich nichts als selbstverständlich gegeben hin. Was ich will: darüber reflektiere ich quasi ständig – und auch darüber, welche Auswirkungen mein Wollen auf das Leben anderer hat. Ich bin fest überzeugt davon: wenn jeder das für sich reflektieren würde – ohne es perfekt zu wissen – wäre die Welt besser. Wir meinen so oft zu wissen, was andere „wollen sollen“ – wir sollten bei uns selbst anfangen!

 

Doppeltspitze:  Du kommst aus dem Konzern – bist jetzt aber auch schon seit längerer Zeit erfolgreich selbstständig. Ist Deutschland Deiner Meinung nach ein Gründerland? Was hättest Du Dir anders gewünscht?

Valentin Vollmer: Ob ich das beurteilen kann? Zunächst einmal kann ich nicht wirklich sagen, was ein Gründerland ausmacht. Ich war weder im Silicon Valley noch in Israel, wenn man das als klassische Gründungskeimzellen betrachten möchte. Was mich in Deutschland stört, das sind die Hürden in den Köpfen der Menschen. Ich habe mich – aus der vermeintlich sicheren und guten Position im Konzern – mit Mitte dreißig und dann noch als Familienvater selbstständig gemacht. „Oh Gott!“ war eine der harmloseren Reaktionen. Kaum einer hat einfach mal gesagt: Wie toll. Oder vielleicht gefragt, vor welchem Hintergrund ich das mache. Wir sind ein Volk der Bedenkenträger und haben ein Mindset, das auf finanzielle Sicherheit gepolt ist. Das ist natürlich verallgemeinernd, aber trifft das Gros der Gesellschaft. Oft wird die deutsche Bürokratie als Gründungshemmnis vorgetragen – aber die ist händelbar.

Es ist vielmehr der Mut, der fehlt. Und den brauchen wir dringend für die nächste Generation. Inklusive des Muts, auch einmal auf die Schnauze zu fallen – selbst mit einer finanziellen Pleite. Dann heißt es aufstehen und weitermachen. Das macht Selbstständigkeit aus: offen sein für Möglichkeiten – nicht dieses ständige Sorgenträgertum!

 

Doppeltspitze: Welche Bedeutung hat Lehre für Dich? Was machst Du eventuell anders als Du es in Deiner Studienzeit erlebt hast?

Valentin Vollmer: Für mich ist die Weitergabe von (Experten)wissen tatsächlich nicht weniger als eine Generationenaufgabe. Das sehe ich auch mit genau diesem Impact. Jeder von uns hat eine Verantwortung zur Ausbildung und Lehre, die man natürlich für sich unterschiedlich gestalten kann. Aber man sollte sich darüber klar sein, dass man immer auf eine Art und Weise Vorbild, Lehrender und Wissensvermittler ist in verschiedensten Zusammenhängen.

Was ich anders gemacht habe? Ich setze auf Interaktion mit Praxiswissen. Eine Feedback- und Diskussionskultur ist mir wichtig – im Idealfall gehen sowohl die Studierenden wie auch ich selbst bereichert aus einer Vorlesung raus. Ich habe zu meinen Studienzeiten natürlich noch den Wissen vortragenden Dozenten erlebt – im Gegensatz dazu möchte ich Teil des Lernteams sein, denn auch ich habe ja nicht die Weisheit für mich gepachtet. Ich habe lediglich zu verschiedenen Theorien schon jede Menge Praxisbeispiele gesammelt. Die gebe ich gerne weiter!

 

Doppeltspitze: Das Begleiten von Berufseinsteigern und das Beantworten ihrer Fragen ist Deine Passion – darum geht es auch in Deinem 2. Buch „Karrierestart“. Was ist an Deinem Buch anders als an anderen Karriereratgebern?

Valentin Vollmer: Es ist kein Handbuch. Es geht eben nicht darum, umfänglich und vollständig (den Anspruch hatte ich nie!) alle möglichen Theorien und Tipps zum Berufseinstieg zu sammeln, zu bewerten und wiederzugeben. Darum verzichte ich auch bewusst auf den Dozierendenstil, der über mehrere Seiten Optionen abhandelt.

Vielmehr gilt: In der Kürze liegt die Würze. Ich nutze die Aufmerksamkeitsspanne der Zielgruppe und darum gibt es zu jedem Kapitel eher 2 Seiten als 20. Und die sind voll mit Praxis, Praxis, Praxis.

Das gilt auch für die Tipps der Experten: auch hier geht es nicht um Vollständigkeit, sondern jede/r Expert/in sollte mir in einem eng umgrenzten Spezialgebiet genau die Tipps liefern, die ihm oder ihr auch dann einfallen würden, wenn man sie nachts um 3 Uhr weckt. Dann sind die Tipps echt, gut, relevant und wichtig. Darum geht es: um die Prägnanz der Tipps!

 

Doppeltspitze: Jetzt mal ehrlich: ist die Gen Z wirklich so „anders“ als die Generationen zuvor – was für Mitarbeiter*innen dürfen wir in den nächsten Jahren erwarten?

Valentin Vollmer: (lacht und schnauft schwer) Ganz deutlich: bitte kein Schubladendenken! Ich habe mich – auch oder gerade weil es für mich nicht passt, Menschen in solche Schubladen zu stecken – intensiv  mit den Forschungen zum Generationenverhalten beschäftigt. Meine Schlussfolgerung: ein Interesse an diesen Schubladen kann doch nur oder vor allem das Marketing haben! Denn wenn man Zielgruppen in Schubladen packen und diesen dann wieder eine Persona aufdrücken kann, dann kann man auch das vermeintlich perfekte Produkt für jede Schublade kreieren. Die Gießkanne des Marketings plätschert dann über diese Schublade.

In der Personalarbeit wird diese Gießkanne niemandem gerecht – sie wird dem Menschen nicht gerecht. Clusterbildung mag für manche Dinge absolut okay sein – für die Personalarbeit ist sie es nicht. Hier betrachte ich das Individuum und davon gibt es in der GenZ genauso viele wie in der Generation zuvor und bestimmt auch danach.

 

Doppeltspitze: Neben Deinen Erfahrungen in sachen Karrierestart hast Du Experten zu einzelnen Themen befragt – nicht zuletzt hatten wir so unseren ersten Kontakt, danke noch einmal dafür. Nenn doch einmal ein paar Beispiele: woher kommen sie und was haben sie beigetragen?

Valentin Vollmer: Das ist wirklich eine bunte Mischung. Dazu gehören langjährige Bekannte genauso wie solche, die ich via Social Media als Experten für ein bestimmtes Fachgebiet wahrgenommen habe. Jeder für sich ist wertvoll für das Buch, daher ist es schwierig, explizit einzelne herauszugreifen – vielleicht als Beispiele:

  • Mohamend Badr ist da zu nennen, Professor an der macromedia: Er schaut als Experte für Soft Skills immer über den Tellerrand der Theorie hinaus und hat zum Thema Change unendlich viele Beispiele in petto. An ihm reizen mich (und sicher auch die Berufseinsteiger) seine generalistische und internationale Sicht auf Skills.

  • Oder Edwin Lichy: Er ist Berufsausbilder seit mehr als 30 Jahren – er weiß, wie Azubis ticken. Und er kennt deren Entwicklungsschritte in genau dieser speziellen Altersphase des Berufseinstiegs. Mit allen möglichen Positiven, aber auch mit negativen Beispielen. Seine 10 Tipps über Ausbilder sind definitiv fundiert.

  • Als Drittes dann Christine Bender: „trau dich – lohnt sich“. Bei ihr haben mir das Motto, der Mut und die Energie gefallen. Sie wollte ich als Mutmacherin dabei haben. Denn den Spagat zwischen dem Angsthasen und der Rampensau in uns selbst – den kennen wir doch alle.

So ist aus vielen Einzeleindrücken ein absolut potentes Team zusammengekommen. Es ist quasi mit den Themen des Buchs generisch gewachsen. Allen ist gemeinsam, dass sie authentischen und praktischen Mehrwert liefern – einen echten Wissensschatz mit Herzblut.

Wer jetzt neugierig ist: https://www.valentinvollmer.com/bücher/

 

Doppeltspitze: Das Buch Karrierestart ist der „klassische“ Weg  – COACH NOW der digitale. Was steckt hinter der Plattform?

Valentin Vollmer: Auch hier: Mein Herzensthema: der Einstieg ins Berufsleben. Junge Menschen haben unzählige Fragen, aber einen Mangel an kompetenten Ansprechpartnern. Oft fehlt ihnen der Mut zu fragen und sie wissen auch nicht, an wen sie sich wenden sollen. Dieses Problem haben auch die Unternehmen, die Azubis und Nachwuchskräfte suchen. Und an genau die richtet sich die CoachNow: Coaching on demand. Ein Unternehmen, das mir meine wichtigsten Fragen beantwortet in dem Moment, wo sie auftauchen, das empfinde ich als kompetent und hilfreich. Und da wir digital arbeiten, erwischen wir den Menschen in dem Moment, in dem er seine Frage hat. Eben keine Gießkanne, sondern individuelle Unterstützung.

Mit CoachNow hatte ich übrigens auch ein wichtiges Learning in meiner Selbstständigkeit: nämlich dass ich das Produkt im B2B anbiete und die Unternehmen als Schnittstelle zu den Bewerbern nutze. Als B2C Angebot hat die Plattform nämlich die gleiche Hürde, wie die Berufseinsteiger selbst: sie finden im Dschungel der Möglichkeiten nicht zueinander. Wir müssen zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle sen. Das ist im Bewerbungsmoment beim Unternehmen.

 

Doppeltspitze: Bildung und (junge) Menschen – dass Dir beides am Herzen liegt, merkt man absolut. Erzählst Du uns zum Abschluss noch kurz etwas über Dein Schulprojekt in Ghana?

Valentin Vollmer: Sehr gerne! Über den ghanaischen Hausmeister an der Schule meiner Kinder bin ich aufmerksam geworden auf seinen Herzenswunsch: eine Schule in seiner Heimat. Und so haben wir uns zusammen getan in unterschiedlichsten Funktionen: eine Architektin, jemand fürs Fundraising, Social Media, Ingenieur, die Genehmigungen vor Ort – und jetzt steht die Eröffnung tatsächlich kurz bevor. Ein wirkliches Gemeinschaftsprojekt, das zu meinem Bild vom Generationsauftrag der Bildung perfekt passt. Und darum werde ich die Schule zur Eröffnung auch endlich einmal vor Ort in Augenschein nehmen.   

 

Doppeltspitze: Und? Gibt es sie: die 3 ultimativen Tipps für den Karrierestart?

Valentin Vollmer: (dass er über diese Frage lacht ist uns inzwischen im Vorhinein klar) Es ist nur einer. Hört auf euer Herz!

Ganz herzlichen Dank für Deine Zeit, Valentin.  Insbesondere Dein Bild der Verantwortung für die Menschen, deren Bildung und die Erfüllung ihrer Herzenswünsche beeindrucken uns sehr.

Viel Erfolg weiterhin und darauf, dass sich unsere Wege noch ganz häufig kreuzen!

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