Ein Chirurg  operiert sich nicht selbst und ein Friseur schneidet sich nicht selbst die Harre… daran müssen wir oft denken, wenn wir uns am Ende einer verrückten chaotischen Woche Fragen, wo eigentlich unser eigenes Storytelling geblieben ist…

 

Warum wir Geschichten lieben

Geschichten zu erzählen ist unsere Leidenschaft – das Handwerk dazu ist Content Creation. Denn mit viel Technik, Grafik, dem Mix aus Worten und natürlich auch einer vernünftigen Redaktionsplanung wird aus mehr oder weniger spannenden Geschichten einzigartiger Content. Immer garniert mit Emotion und Fokus auf die Menschen, denen die Geschichten passiert sind und denen, sie sie jetzt lesen und hören werden. Das ist unser Job.

Uns selbst gelingt das manchmal nicht unsere eigene Story zu erzählen. Oft fehlt einfach die Zeit, das Erlebte genau in diesem Kreativprozess in Worte, Bilder und Tools zu packen.

 

Was ist ein Geheimnis?

Viel zu oft mussten wir uns aber zuletzt auch fragen, ob wir die Geschichte erzählen dürfen.

In unserem Hauptjob stecken wir mitten in einem Changeprozess. Eine eigentlich spannende  Herausforderung. Aber leider zeigt ein solcher Changeprozess auch schnell die Schwachstellen auf – unsere eigenen, wenn wir das Gefühl haben, nicht alle Energie in ein solches Transformationsprojekt stecken zu können und zu wollen, aber auch die der Organisation, wenn sich Change zum Standortbestimmungsprozess einzelner und nicht zu einer Teamaufgabe entwickelt.

Und jetzt in dem Moment, wo wir den Prozess öffentlich beleuchten – eben weil er Teil unserer Story ist und weil wir mit dieser Art der Reflektion sehr gute Erfahrungen gemacht haben, stellt sich schon wieder die Frage, welche Art der Kommunikation, der Reaktion, der Diskussion dies auslöst.

 

Meine private Geschichte!

Via LinkedIn haben wir aus einer „Urlaubslaune“ heraus (aber durchaus bewusst öffentlich) den Changeprozess mit der Geschichte im Kinderbuch Frederik verglichen.

Die Geschichte von der Maus, die nicht wie die anderen für den Winter Körner und Nüsse, sondern Sonnenstrahlen, Farben und Wörter sammelt. Wir brauchen viel mehr Fredericks und natürlich Friederieken besonders in Change Prozessen – so haben wir es geschrieben. In den meisten Fällen sind Menschen doch wie die normalen Feldmäuse: sie werden hektisch angesichts von Veränderung, sammeln das auf, was sie noch mitnehmen können – Informationen, Gerüchte, Daten, füllen ihren Bestand, sichern ihre Stellung, ihr Überleben.

Prompt wurden wir darauf angesprochen – ob wir denn unzufrieden wären. Obwohl wir unsere Bedenken längst nicht nur in einem Post geteilt haben, sondern natürlich auch unmittelbar adressiert haben.

(Randnotiz: die öffentlichen Posts zum gerade erschienenen Buch haben keine Reaktionen ausgelöst 😉

 

Teil deine Story!

Geschichten zu teilen führt also immer auch noch einmal zu ganz anderen Reaktion, triggert Menschen auf einer anderen Ebene als es der persönliche und direkte Austausch tut. Private und dienstliche Postings verschwimmen – stärker denn je. Wir halten alle Seiten der Kommunikation für wichtig.

Der „Change“ hat uns selbst aber auch noch einmal komplett auf den Kopf gestellt. Können wir authentisch sein, wenn wir uns an Regeln halten müssen? Wo ist die Grenze zwischen „eingesperrt“ sein und normaler Beobachtung durch eine Organisation, eine Peergroup, eine gesellschaftliche Struktur? Wo liegt die Grenze, besser: die Balance zwischen Aufrichtigkeit, Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit? Wie werden wir verstanden und interpretiert?

 

Eine Kundenstory als Beispiel

Vor kurzem hatten wir eine tolle Anfrage eines potenziellen Kundenduos, von denen einer der beiden schon seit längerem unser Wegbegleiter ist – bis zu diesem Zeitpunkt aber noch nie auf Businessbasis. Die Gespräche waren gut, aber wir haben den Zuschlag nicht bekommen. Es war ihm ein Bedürfnis uns dies persönlich am Telefon mitzuteilen – an dieser Stelle noch einmal vielen Dank dafür! Natürlich wollten wir ein Feedback und dies war auch sehr wertschätzend. Wir lieben diese Art der Kommunikation denn nur so kann man sich entwickeln und gerade aus einem „gescheiterten“ Angebot lernen.

Was schade war: wir hatten unsere Story einfach nicht gut genug erzählt – es lag nämlich tatsächlich nicht an den konkreten Inhalten des Angebots, sondern daran, dass unsere Geschichte nicht zu der geplanten Erfolgsgeschichte passte. Aus unseren Stories geht hervor, in welchen Kontexten wir arbeiten – und den hier relevanten hatten wir einfach noch nie erzählt.

 

Von der Story zum Content zur Sichtbarkeit

So tickt Storytelling. So wird Content Creation zu Werbung. Kunden nehmen Stories war und verbunden sie mit ihrer eigenen Geschichte. Darum ist es so extrem wichtig möglichst viele Geschichten zu schreiben. Denn eine davon passt bestimmt zum nächsten Kunden und es sind Momentaufnahmen, in denen wir an einem Aspekt  der Story hängenbleiben, der uns Menschen zu Verbündeten macht. Der uns Projekte zusammen durchführen lässt – der uns Kunden gewinnen lässt. Stories sind Selbstzweck und dann wieder auch nicht. Das macht sie so extrem spannend als Marketinginstrument! Das macht sie im Changeprozess aber auch so kniffelig, wenn Positionen nicht transparent und Menschen grundsätzlich argwöhnisch auf Erzähltes schauen.

 

Authentische Geschichten

Wenn wir Geschichten erzählen, wenn wir uns des Storytellings bedienen, dann wissen wir sehr wohl, dass wir auch Elemente auslassen müssen. Geschichten bleiben auch authentisch, wenn man Wesentliches weglässt oder Zusammenhänge verändert. Aber wenn wir beginnen uns zu verbiegen, um in eine Story zu passen, dann müssen wir uns fragen, ob das noch unsere Geschichte ist.

Denn Content kreiert sich umso leichter, wenn er quasi nebenbei im echten Leben abfällt. Das heißt aber genau, dass die Zeit von der realen Situation bis zum Post im Idealfall möglichst kurz sein muss. In Social Media gesprochen sind wir hier im Story, Snap und Reels Format. Authentischer Content mitten aus dem Leben. Instant und unbearbeitet. #Nofilterneeded

Dafür muss unser Leben mit all seinen Jobs zu uns passen.

Denn je mehr echtes Leben wir auslassen müssen in unsere Story, desto weniger sichtbar werden wir.

 

Sichtbarkeit ist eine Kunst aus Worten, Farben und Licht

Vom Storytelling zur Contentcreation ist es nur ein kurzer Weg. Aber künstlich darf dieses Handwerk nicht werden. Es muss die Kunst bleiben unser Leben in spannenden Worten, Bildern und Farben zu beschreiben. Mit ganz viel Authentizität und Emotion. Wir können einzelne Momente weglassen, aber das Leben nicht auslassen. Unsere Story braucht keinen Filter!

 

“Macht die Augen zu”, sagte Frederick und kletterte auf einen großen Stein. “Jetzt schicke ich euch die Sonnenstrahlen. Fühlt ihr schon, wie warm sie sind? Schön warm und golden.”

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