„Ich verstehe nicht, warum plötzlich so viele Menschen Bilder vom Home Office und remote Work auf Instagram posten – das ist doch total normal“ – so ein Satz, den wir in dieser Woche auf Social Media gelesen haben. Ist es das? Für uns ja. Für den Großteil außerhalb unserer NewWork oder mobilen Bubble aber nicht. So auch nicht für unser Team. Wir haben versprochen zu berichten, wie es uns ergeht in dieser besonderen, ernsten Zeit. Damit wir aus den Erfahrungen etwas mitnehmen. Für danach. Wann immer das sein wird.

 

Rückblick

Am letzten Freitag haben wir spontan unseren Sonntagsartikel vorgezogen und in 10 Punkten beschrieben, warum wir Home Office so wichtig und richtig finden und wie das gegen alle Widerstände gelingen kann.  Dabei standen für uns mehr das Einfachmachen machen als das Perfektmachen im Vordergrund.

Samstags wurde unser Bauchgefühl noch eine Runde mulmiger. Denn eine offizielle Entscheidung fehlte genauso wie eine irgendwie geartete Reaktion auf unser Anliegen.

Sonntags wurde eine WhatsApp Gruppe aus dem Boden gestampft und am Montagmittag war es geschafft: alle unsere 40 Teammitglieder waren ins mobile Arbeiten versetzt. Noch ganz rudimentär, mit dem Notwendigsten an Technik ausgestattet – aber immerhin. Für uns die einzig rational und auch emotional mögliche Entscheidung, die unserer Verantwortung gerecht wird.

 

— #suddenlyremote —

Manche haben die Entscheidung akzeptiert und sind trotzdem noch einmal ins Büro gekommen, um die ein oder andere Aufgabe vor Ort zu erledigen, manche waren heilfroh, dass das Thema Kinderbetreuung somit gleich mitgelöst war, die meisten waren einfach beruhigt in dieser Situation eine Perspektive zu haben. 

Mitgetragen wurde die Entscheidung nicht – sogar heftig kritisiert als Alleingang und Kapitulation. Wir stehen „unter  Beobachtung“, weil Home Office in unserem Unternehmen als dieses Ding angesehen wird, bei dem man zeitweise auf den PC guckt, ansonsten aber Wäsche sortiert, auf der Couch chillt oder auf andere Weise Freizeit optimiert. Unsere Überzeugung im Sinne des Teams überwiegt die Enttäuschung über diese Sicht. Das ist etwas zum Nachdenken „nach Corona.“

Der Vertrieb – remote

Akquise in Zeiten von Corona – es geht um Arbeitsplätze für duale Studierende – ist schwierig. Dafür muss man kein Hellseher sein. Viele Unternehmen kämpfen ums Überleben und machen sich aktuell mehr Sorgen um die Mitarbeiter und Aufträge, die sie haben und retten müssen als um die, die sie vielleicht zukünftig brauchen. Unser Vertrieb wird damit aktuell zum Troubleshooter und zur Informationsdrehscheibe. Kurzarbeit, gesetzliche Rahmenbedingungen, Rettungsschirm – selten haben unsere Kollegen so schnell so viele neu Informationen sammeln und verarbeiten müssen und sind nun das, was wir auch in guten Zeiten für unsere Kooperationsunternehmen sind: Bildungspartner. Es tut gut zu wissen, dass man in dieser Zeit nicht allein ist. Und genau diese Aufgabe ist gerade (überlebens)wichtig. Sie kann perfekt vom heimischen Schreib- oder Küchentisch aus erledigt werden.

 

Die Studienberater – remote

So wichtig wie selten – Orientierung geben in Zeiten, die scheinbar jede Struktur verloren haben. Junge Menschen, die längst nicht nur negativ durch Corona-Partys auffallen, sondern die nach Aufgaben suchen, nach einem Lichtblick für die Zeit nach dieser Krise. Kaum ein junger Mensch musste bisher je um seine Zukunft fürchten oder war in seiner Freiheit eingeschränkt. Umso mehr bieten die Studienberater via Chat, Videokonferenz oder WhatsApp Kontakte auf Augenhöhe. Eine physische Beratung wird spontan digital, eine Veranstaltung komplett virtuell. Das setzt unglaubliche Energie frei im Team und bei den Interessenten. Weil nichts selbstverständlich ist wird jeder Erfolg viel mehr betont und auch der Dank ist deutlicher. Soziale Distanz ist eben gar keine – sie ist nur räumlicher Abstand.

 

 

Unser (Online)Marketing – remote

Die Vorreiter im Team – denn logischer Weise ist es für sie wirklich egal, von wo aus die arbeiten. Sie haben auch in normalen Zeiten mehr virtuellen Kontakt als persönlichen. Und darum können wir alle auch von ihnen am meisten lernen. Gemeinsam mit der Grafik und natürlich allen anderen Teammitgliedern werden Videos, Tutorials, Webinare und Content jeglicher Art „aus dem Boden gestampft“, den wir sonst vermutlich erst in (langen) Brainstormings entwickelt, verworfen, neu kreiert und nach drei Abstimmungsrunden für den übernächsten Monat geplant hätten. Die Zeit  steht still und dreht sich doch schneller weiter. Skurril – ein Wort, das neu Einzug in den täglichen Buzzword-Wortschatz gefunden hat.

 

Unser Bewerbermanagement – remote

Dem Back Office sagt man so oft nach, dass es remote nicht funktionieren kann, vielleicht sogar ersetzbar wäre. Die tägliche Post, der Empfang, die vielen kleinen Tätigkeiten im Hintergrund. Auch sie bekommen aktuell ein neues Gesicht. Denn auch wenn wir die physische Post nicht annehmen und den Besucher nicht empfangen, so werden exakt gepflegte Daten zum höchsten Gut der Dienstleistungsbranche. Und mit ihnen diejenigen, die trotz aller CRM Systeme und Datenbanken Herrinnen der Zahlen- und Adresskolonnen sind und uns auf den Punkt Auskunft geben können. Mit quengelndem, minderbeschäftigten Kleinkindern unter dem provisorisch eingerichteten Arbeitsplatz.

 

Die Trainees – remote

Die „jüngsten“ im Team. Gerade selbst erst mit der Schule fertig, der Studienbetrieb ausgesetzt oder auf Online Lehre umgestellt, keine echten Kontakte mehr von heute auf morgen. Für die Gruppe ist es fast am schwierigsten. Denn eigenständiges Arbeiten und Selbstorganisation ist nichts, was man bei uns in der Schule lernt. Dazu gehören Vorbilder, Training und Übung. Dinge, die virtuell vergleichsweise schwierig umzusetzen sind. Darum sind wir über das, was sie gerade leisten, vielleicht am meisten begeistert. Wir waren per Teams und Skype diese Woche unter ganz vielen Dachschrägen zu Gast – lustig dass die typischen Kinder-Jugend-Studenten-Buden dieses Charakteristikum fast durchgängig aufweisen. Wie schön, wenn man gemeinsam drüber lachen kann. Während wir uns „früher“ vor Ort schon mal über die Lethargie im Traineebüro beschwert haben oder über die Unordnung, die kaum zum Denken anregen kann, so entstehen da jetzt virtuelle Kreativexplosionen – gefühlt aus dem Nichts.

Wir als Führungskräfte – remote

Was ist dann jetzt eigentlich unsere Rolle und Aufgabe, wenn doch so viele Strategie-, Personal- und Gremiensitzungen ausfallen? Wir sind zu Storytellern geworden – zu genau dem, was wir ja eigentlich immer sein wollen und vermitteln: Moderatoren, Zuhörer, Leitplankengeber und Vertrauenspersonen. Das mobile Arbeiten durchgesetzt zu haben – das war schon mal ein Zeichen. Unser Team weiß das zu schätzen. Und auch wenn jetzt alle Kollaborationstoolverfechter mit den Augen rollen: Wir haben die Morgen- und Abendmail zum Ritual gemacht. Während wir uns tagsüber in verschiedensten Konferenzen sehen und Einzelfragen bearbeiten, die Koordination zum Rest der Hochschule aufrechterhalten und Informationen zusammentragen, starten morgens alle plötzlich allein in den Tag und beenden ihn abends alleine. Wir erinnern uns: Es hat noch so gut wie keiner der Kollegen in all diesen diversen Positionen je im Home Office gearbeitet! Darum ist unser „Good Morning Vietnam“ Ritual zum Startschuss in den Tag geworden, das sich jeder dann abholt, wenn es für ihn oder sie losgeht. Das bestimmt natürlich jeder selbst. Und alle können sich genauso sicher sein, dass sie, egal wie viel Kontakt sie tagsüber hatten, mit einem Report des Tages in den „Feierabend“ (nie war dieses Wort so unpassend wie heute) gehen können. 

 

 

Fazit Woche 1

Halt und Sicherheit sind wohl die stärksten  Wünsche in dieser Zeit, in der nichts normal ist. In der wir sogar auf menschliche Nähe verzichten müssen, die sonst über so viele Krisen hinweg hilft. Auch uns geben diese Zusammenfassungen das Gefühl, die Lage gemeinsam „im Griff zu haben“. Und das fernab von Macht und Hierarchie, sondern mit dem Ziel von Struktur. Wenn wir das nach oben transportieren können – auch dem Hintergedanken entspringt der Dokumentationstick, dann entsteht vielleicht auch dort ein Gefühl von Vertrauen für diese Art von Arbeiten. Träumen darf man ja…

Eine klassische HR Abteilung haben wir nicht und so stehen wir an der Schnittstelle von Personalmanagement, Führungsverantwortung und Abteilungsleitung immer vor der Frage, was wir für die Mitarbeiter leisten können außerhalb des operativen und strategischen Steuerns der inhaltlichen Aufgaben. Wir glauben: jede Menge. Und wir können jetzt beweisen, dass diese HR Aufgaben extrem wichtig sind, um die operative Handlungsfähigkeit aufrecht zu erhalten und zu stützen. Denn wenn die Rahmenbedingungen sicher sind, dann kann den Job selbst der individuelle Mitarbeiter besser machen als jeder andere – dafür braucht er oder sie HR nicht. Aber damit stützen wir das Team „unsichtbar“, das Unternehmen mittelbar (wenn auch auf eine andere Art, als sie vielleicht angeordnet ist) und ein bisschen sogar die Gesellschaft. Denn wenn die Zahnräder des Teams ineinandergreifen, haben die Mitarbeiter die Chance, ihre Zahnräder zuhause daran anzudocken und unser kleines Uhrwerk wird zu einem viel größeren. Es reicht aus unserer Komfortzone und über unseren Tellerrand hinweg. HR verlässt damit auf jeden Fall seinen Selbstzweck und stellt sich hinter (und bei uns auch vor) das Team.

Der Film Good Morning Vietnam stellt in einem fürchterlichen Krieg die Menschen in den Mittelpunkt – Mut machend, nachdenklich, authentisch. HR muss das genauso machen. Immer. Nicht nur während der Coronakrise.

Wir sind näher zusammengerückt  – ob es an der Arbeitsweise oder an der Krise liegt und ob es von Dauer ist? Das werden wir erst danach wissen.

Ob das auf den Zusammenhalt unseres Teams, das Employer Branding, gar auf gesellschaftliches Engagement einzahlt? Dazu ist die Veränderung noch viel zu frisch, ihre Dauer zu kurz, die Aktionen noch zu sehr im Notfallmodus. Für den Moment ist es etwas, was positive Momente beschert in einem so unfassbaren Gesamtzusammenhang. Darauf können wir aufbauen.

Der Blogartikel ist gleichzeitig unser Beitrag zur Blogparade „Wie HR in der Corona-Krise Staat und Gesellschaft unterstützen kann – #HRvsCoronaKrise“ von Stefan Scheller, die wir großartig finden, weil sie die neuen Chancen für HR in den Fokus stellt. Weil sie in den nächsten 14 Tagen bestimmt positive Beispiele aus einer Arbeitswelt sammelt, die aktuell an die Grenzen ihrer Belastbarkeit kommt – vielmehr an die Grenzen dessen, was wir bisher an Erfahrung gesammelt haben.

Den Aufruf zur Blogparade findet Ihr unter:

https://persoblogger.de/2020/03/21/blogparade-wie-hr-in-der-coro

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