Julia Collard & Sven Schnitzler
Goldstücke teilen macht reich

Goldstücke teilen macht reich

#65 Gastbeitrag von Tobias Leisgang

Auf Instagram hatten Julia und Sven kürzlich eine Übersicht der Netzwerkblogger im Juli gepostet. Am Ende des Beitrags kam die Frage “Who’s next?”. Das Emoji mit gehobener Hand war als Antwort schnell gesetzt. Eigentlich wollte ich etwas zum Thema Überraschungen schreiben. Die beiden fanden aber auch einen Beitrag über “Mein Ding” interessant. Deswegen erzähle ich heute die Story des CompanyPirate.

Warum schreibe ich einen Blog?

Los mit dem Blog ging es im April 2017. Zu dem Zeitpunkt gab es drei Dinge, die in Summe der Auftakt für nun mehr als zwei Jahre Bloggen und mehr als 200 Beiträge waren.

Per Twitter bin ich auf die Mutbank von Werner Motzet aufmerksam geworden. Mit Werner habe ich in Folge ein paar Gedanken zum Thema Mut ausgetauscht. Werner hat mich ermutigt einen Gastbeitrag auf seiner Website zu schreiben. Eigentlich mochte ich das Schreiben nicht und hielt mich auch für gänzlich unbegabt. Trotzdem schaffte er es, dass ich meinen wordpress.com Account reaktiviert und ersten Gastbeitrag geschrieben habe. 

Im Unternehmen begannen wir zur gleichen Zeit technische Artikel auf unserem Firmenblog zu veröffentlichen. Wir wollten damit Kunden zeigen, wie man unsere Produkte einsetzen kann und dadurch unseren Umsatz ausbauen. Einer meiner Teammitglieder fragte mich in unserem 1on1 wie man das mit dem Bloggen so macht. Was ist die ideale Länge von Posts? In welchem Stil schreibt man? Ich konnte nur mit der Schulter zucken. Ich mach mich mal schlau, sagte ich. Bei meiner Recherche bin ich dabei auf die Blogging University gestossen und habe mich interessehalber angemeldet. In einem 14-tägigen Kurs lernt man die Grundlagen des Bloggens. Der Anfang war gemacht. 

Mich persönlich beschäftigte damals auch das Thema Karriere. Wer bin ich? Was kann ich? Wo will ich hin? Das Buch Business Model You half mir bei der Orientierung. Mein Business Model Canvas zeigte, dass ich Menschen im Unternehmen inspirieren und ermutigen möchte neue Wege zu gehen. Ich hatte das Gefühl, dass nicht nur Menschen im Unternehmen mögliche “Kunden” sind. Vielleicht kann ich auch für Menschen in anderen Unternehmen Wert addieren? Mit dem Blog hatte ich nun einen Kanal um diese Hypothese zu testen.

Warum heißt der Blog Companypirate?

Neben Business Model You testete ich damals noch die Theory U von Otto Scharmer. Begleitend zum MOOC gab es einen virtuellen Coaching Circle, bei dem wir uns vierzehntägig per Google Hangout in der Mittagspause zur Case Clinic trafen. Einer von uns war der “Case Giver” und stellte seine Herausforderung dar. Die anderen agierten als “Coaches”. Es gab Feedback was gehört und beobachtet wurde. Bei uns gab es oft Rückmeldung in Form von Bildern oder Analogien. Einer der Coaches sah mich als Crewmitglied von einem großen Schiff oder Tanker. Beim Landgang erzähle ich in Matrosenkneipen Geschichten vom Tanker und suche nach Abenteuern auf kleineren Schiffen. Das Bild ging mir nicht mehr aus dem Kopf und so war der Companypirate geboren.

Schaut man sich die Herkunft des Wortes Pirat an, passt das ganz gut zur Motivation des Blogs. Pirat leitet sich vom griechischen peiran ab, das so viel heißt wie “versuchen, wagen, erforschen”. Genau das möchte mein Blog erreichen. Menschen in Unternehmen inspirieren und ermutigen neue Wege zu erforschen und etwas zu wagen. Um im Bild zu bleiben nannte ich meine Blogkategorien Kompass (eigene Artikel) und Schatzkiste. 

Was hat es mit der Schatzkiste auf sich?

Mittlerweile habe ich über 100 Schatzkisten veröffentlicht. Eine Schatzkiste enthält Fundstücke von meinen Streifzügen durchs Netz. Ich nenne sie Nuggets, also kleine Goldstückchen. Das können Artikel, Podcasts oder Videos sein. Schatzkisten sind meist thematisch divers. Es gibt aber auch Schatzkisten mit einem Themenschwerpunkt. Zu jedem Nugget schreibe ich ein paar Zeilen. Manchmal fasse ich zusammen was ich gelernt habe, manchmal teile ich meine Erfahrungen zum jeweiligen Thema oder nehme sogar eine Gegenposition ein. Oft überfliegen wir Texte nur noch und konsumieren Medien sehr oberflächlich. Mir hilft die Schatzkiste, die jeweiligen Themen und Beiträge zu durchdringen und mich stärker damit auseinanderzusetzen.  

Meine Leser freuen sich über die wöchentliche Dosis Inspiration. Manchmal kriege ich Feedback und in seltenen Fällen entwickelt sich auch eine Diskussion. Hier würde ich mir noch mehr Dialog und Austausch, auch unter den Lesern, wünschen. Aber auch die Autoren und Herausgeber freuen sich, wenn sie in der Schatzkiste landen. Dafür sorgt alleine schon der Name Schatz und Goldstück. Die Schatzkisten beweisen ganz klar: Teilen macht reich.

Wieviel habe ich bisher mit dem Blog verdient?

A propos reich, ich bin nach zwei Jahren zu einigem Reichtum gekommen. Wer jetzt an passives Einkommen denkt, den muss ich enttäuschen. Dieses Feld habe ich den Foodbloggern und Influencern überlassen. Mein Blog ist nämlich werbefrei. Die handvoll Affiliatelinks für Bücher waren bisher auch wirkungslos. Aber Geld ist schließlich nicht alles.

Folgende Punkte stehen in meinem Business Model Canvas bei “What you get (Revenue and Benefits)”:

  1. Neue Perspektiven durch Teilnahme an Blogparaden und Feedback auf eigene Beiträge
  2. Erweiterung meines Netzwerks
  3. Digitales Knowhow

Gerade beim dritten Punkt, habe ich wahnsinnig viel dazugelernt. Unter anderem bei folgenden Fragen kenne ich mich jetzt aus:

  • Wie hoste ich mein eigenes WordPress? Wie funktioniert ein Webserver? Wie funktioniert Analytics?
  • Wie funktioniert Social Media Marketing? Wie funktioniert der LinkedIn Algorithmus? Wie nutze ich Buffer?
  • Wie funktioniert Email Marketing bzw. wie legt man einen Newsletter an? Trag dich übrigens gerne für die Flaschenpost ein.

Es gibt noch vieles mehr was ich gelernt habe. Wir hatten sogar für einige Zeit eine Blogging Out Loud (BOL) Community, wo wir uns gegenseitig unterstützt haben. Die ist aber leider nicht mehr aktiv.

Wie sieht es bei den Kosten aus?

Die Kosten für das Webhosting und Domain sind kaum der Rede wert. Da gibt es teurere Hobbies. Der größte Kostenpunkt ist tatsächlich Zeit. Viele fragen mich, wie ich das neben einem Fulltime Job schaffe. Der Tatort am Sonntag findet bei mir nicht vor dem Fernseher statt, sondern in meiner WordPress Installation. Mit der Zeit stellt sich auch Routine beim Schreiben, Erstellen von Beiträgen und dem Marketing ein. Einige Abläufe sind auch schon automatisiert. Das “What I get” überwiegt so ganz klar das “What I give”. 

Wie geht es weiter?

Bei den Schatzkisten ist der nächste Meilenstein die Schatzkiste 200. Bis dahin möchte ich natürlich meine Reichweite signifikant erhöhen. Es sind ein paar eigene Artikel im creative backlog. Dort finden sich auch Experimente mit neuen Formaten, wie z.B Interviews. Ansonsten steht noch ein Re-Design der Seite an. Für diese Tätigkeiten muss ich mir noch einen zweiten regelmäßigen Zeitslot etablieren.

Soviel zur bisherigen Reise des Companypirate. Jetzt freue ich mich über viele neue Leser und Wegbegleiter. Meine Kanäle sind offen für Anregungen und Austausch.

Als CompanyPirate inspiriert Tobias Leisgang auf dem gleichnamigen Blog und in Vorträgen Menschen in Unternehmen neue Wege zu beschreiten. Er ist überzeugt, dass erfolgreiches und nachhaltiges Wirtschaften im 21. Jahrhundert radikale Veränderungen braucht.

Die Unternehmenswelt kennt Tobias bestens aus seiner hauptberuflichen Tätigkeit. Seit November 2018 verantwortet er bei einem globalen Automobilzulieferer Innovation mit externen Partnern – vom Konzern bis zum Startup. Vorher war er 15 Jahre bei einem amerikanischen Technologiekonzern in Rollen vom Entwickler bis zum Leiter System Engineering tätig und hatte dabei Einblick in Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. 

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