Julia Collard & Sven Schnitzler
Geld allein macht nicht glücklich

Geld allein macht nicht glücklich

Rezension zu „Vergütungssysteme gestalten: agil, rechtssicher und nicht monetär“ von Britta Redmann

Für die Erkenntnis, dass Geld allein nicht glücklich macht, hätte es sicher weder NewWork Bewegungen oder ein neues Buch über Vergütung benötigt. Wohl aber für die folgenden drei Trends:

1. Work Life Blending

Stimmt, vielleicht kein brandaktueller Trend, aber eine entscheidende Entwicklung unserer Gesellschaft: Während es früher wesentlich stärker getrennt den Job gab, der die monetäre Versorgung sicherte, und die Freizeit, die für Glück, Leben und Spaß stand, besteht diese strikte Trennung zunehmend nicht mehr. Der Job soll Spaß machen und einen (selbstdefinierten) Lebensstandard sichern, aber gleichzeitig genug Freiraum für Familie, Reisen, Sport und Nebentätigkeiten lassen, die natürlich auch Spaß machen und vielleicht sogar immer öfter auch die Versorgung sichern. Bei Nebenjobs die finanzielle, bei anderen Aktivtäten die gesundheitliche und mentale Versorgung.

2. Knappe Ressourcen

Je knapper ein Gut desto wertvoller wird es. Den Mensch als produktive (Human) Ressource des Unternehmens zu sehen – davon haben sich glücklicher Weise bereits viele Organisationen verabschiedet. Aber das ändert nichts daran, dass der demografische Wandel den Mensch als wichtigstes Element der Organisation noch mehr denn je in den Mittelpunkt stellt. Je weniger austauschbar ein solches „Element“ wird – und das ist der Mensch mit seinen Fähigkeiten, seinen Kompetenzen und seinem Wissen – desto mehr müssen wir uns um ihn und mit ihm bemühen.

3. Rechtliche Zugewinne

So oft werden flexible Arbeitszeiten, Home Office, die 25-Stunden-Woche oder der digitale Nomade als DIE Arbeitskonzepte der Zukunft erwähnt. Gleichzeitig sind wir zunehmend weniger stolz auf das, was uns Tarifverträge, Gleitzeitmodelle oder Betriebliches Gesundheitsmanagement an Vorteilen im Arbeitsalltag bringen. Alles Konzepte aus der Mottenkiste? Weit gefehlt! All diese Reglungen, die uns Sicherheit geben – auf Arbeitgeber- und auf Arbeitnehmerseite – lassen uns weitergehende (kreative) Diskussionen überhaupt erst führen! So alt sind nämlich weder die 40-Stunden-Woche noch die 5-Tage-Woche. Bei allen zukünftigen Modellen und Entwicklungen sollten wir also auch immer stolz darauf sein, was sich bereits geändert hat und vor allem die hier gewonnen Erfahrungen unbedingt nutzen!

Das Buch

Genau hier setzt das Buch „Vergütungssysteme agil gestalten“ von Britta Redmann an.

Als Arbeitsrechtlerin, HR´lerin, Coach und Unternehmensentwicklerin beleuchtet sie das Thema aus ganz vielen Perspektiven. Durch ihre Interviews nimmt die die Position des Vaters nach der Elternzeit, der Konzernleitung im Tarifstreit, des Personalreferenten im öffentlichen Dienst und der digitalen Nomadin, die ausschließlich remote arbeitet, ein.

Klar ist: die Arbeitswelt verändert sich rasant. Aber es kann nicht von jeder Organisation und nicht von jedem Mitarbeiter ein immer gleiches und gleichbleibendes Spitzentempo verlangt werden.

Die Idee des Buchs ist es daher, im Anschluss an die umfassende Darstellung der Grundlagen der modernen Arbeitswelt Vergütungsformen aus Sicht des Menschen zu analysieren. Mittels Checklisten und Leitfäden kann sich jede Organisation nach ihren ganz eigenen unternehmerischen Bedürfnissen, rechtlichen Rahmenbedingungen und wirtschaftlichen Notwendigkeiten eine Entscheidungsmatrix für künftige Vergütungsmodelle zusammenstellen. Inklusive eines individuellen Zeitplans. Damit innovative Strukturen ohne Druck entstehen und ohne das Gefühl, dass eine Start von Null notwendig ist – denn das wird weder dem Team noch der Führungsebene gefallen. Damit gelingen dem Unternehmen sowohl der Wandel im Team als auch die Ausrichtung auf eine moderne Personalpolitik der Zukunft.

Beispiele hat Britta Redmann ganz viele in ihrem Buch. Wir haben (aus dem Bauch heraus, denn spannenden sind sie alle) drei rausgepickt, um zu verdeutlichen, welche Ansätze möglich sind und wie bunt sie sind. Vom innovativen Tarifvertrag für den Großkonzern bis zum Jobfahrrad (oder demnächst Job-eScooter):

  • Schöne neue Arbeitswelt

Wir umgeben uns gerne mit schönen Dingen, also war es nur eine Frage der Zeit, bis dies auch den Arbeitsplatz erreicht. Gerade, wenn er Wohlfühlort zugleich sein soll. Tanja Friedrichs von der PULS GmbH zum Beispiel beschreibt, warum der Vierkanthof aus Österreich Grundlage eines heutigen innovativen Arbeitsortes sein kann. Oder was das mittelständische Unternehmen mit einem gallischen Dorf gemeinsam hat. Aus der Vergangenheit gelernt und für eine zukunftsweisende Arbeitsumgebung geplant!

Was daran Vergütung ist? Wer sich wohlfühlt bleibt. Ganz einfach.

  • Zeit statt Geld

Zeitsouveränität ist ein zentrales Bedürfnis. Wir sind durchgetaktet. Im Job, im Kinderbespaßungsprogramm, durch Schule, Studium, Fitnesskurs und Essenszeit auf dem Kreuzfahrtschiff. Erstaunlicherweise akzeptieren Menschen die Fremdbestimmung in der Freizeit stärker als im Job – auch ein Trend unserer Zeit. Für Unternehmen bedeutet dies eine große Herausforderung. Die Spielräume in Bezug auf Arbeitszeit gilt es mit den Teams, dem Betriebsrat und den unternehmerischen Anforderungen abzugleichen. Eine gemeinsame Regelung führt gleichzeitig zu einem weiteren Plus für alle: Transparenz im Unternehmen. Aber es ist kein „Einmaldeal“ sondern ein stetiger, flexibler Prozess.

Was daran Vergütung ist: dichte Arbeitszeit für mehr Freizeit. Ein individuelles Tauschgeschäft.                                                              

  • Der Bürohund

Ein Hund als Vergütungselement? Ja weiß Markus Beyer, eine Ergänzung zum Wohlfühlen im Büro, der Garant für die gesunde Mittagspause (weil Gassi gehen) und vielleicht ja auch eine Kostenersparnis für eine sonst notwendige Betreuung. Der Hund im Büro kann das verbindende Element von Arbeitsplatz und Zuhause darstellen. Und auch wenn wir Kind und Hund nicht gleichsetzen wollen: der Betreuungsplatz in der Betriebskita schafft eine ähnliche Verbindung.

Was daran Vergütung ist: gesparte Betreuungskosten, Stressreduktion, geringere Ausfallzeiten

Fazit

Man merkt Britta Redmans Erfahrung in jedem Kapitel und vor allem merkt man ihr echtes Interesse an den Menschen, mit denen sie arbeitet. Sie möchte etwas bewegen Richtung Arbeitswelt der Zukunft, aber nicht im Hauruck-Verfahren, sondern vor dem Hintergrund ihres juristischen und personalerischen Wissens. Und wenn sie Input braucht fragt sie ihr Netzwerk. Denn die Zukunft gestalten wir nur gemeinsam. Dieses Buch ist ein spannender Schritt dorthin!

Menü schließen