Julia Collard & Sven Schnitzler
Ein Simulator feiert Premiere – roter Teppich für einen ganz besonderen Rettungswagen

Ein Simulator feiert Premiere – roter Teppich für einen ganz besonderen Rettungswagen

#72 Gastbeitrag des DRK Kreisverband Hervord e.V. / @Ausbildung mit VR

Als wir im Frühjahr dieses Jahres den Förderzuschlag für unser Projekt Ausbildung mit VR erhalten haben, hatten wir neben einem unglaublich guten Gefühl nicht viel mehr als eine Vision und jede Menge Tatendrang.

 

Auf Vision…

„Wer Visionen hat sollte zum Arzt gehen“… Nicht in unserem Fall. Wer die Vision hat das Leben von Menschen besser zu machen, ja sogar Leben zu retten, der sollte unbedingt weiterdenken und den Visionen Taten folgen lassen.

…folgt Aktion

Tatendrang, auch davon haben wir genug. Was zu zweit begonnen hat, zeigt sich heute vor allem in der großen Zahl an Projektpartnern und Unterstützern, ohne die wir nicht so weit wären. Ohne die wir vor allem nicht sichtbar geworden werden, denn die beste Geschichte taugt nicht viel, wenn sie nicht weitererzählt wird.

Dass Piloten ihren Job via Simulator lernen und damit vermutlich eine ganze Menge mehr Sicherheit in der Flugverkehr kommt ist uns einleuchtend. Dass so en Simulator im Falle eines (menschlichen) Fehlers die bessere Variante gegenüber dem realen Linienflieger ist wohl auch. So sehr uns diese Art der Ausbildung bereits seit Jahrzehnten bekannt ist, so wenig ist es bisher gelungen, sie auf andere Bereiche zu übertragen. Warum eigentlich nicht?

Basics

Diese Fragestellung ist Basis von Ausbildung mit VR:

Wenn wir Menschen via Virtual Reality ausbilden können, dann passiert das in einer Testumgebung, die sicher und ortsunabhängig ist. Sie ist sicher für den Lernenden und für seine Gegenüber – den Kunden, den Gast, den Nutzer, aber eben auch für den Patienten, das Opfer,  den Hilfebedürftigen. Es geht um Arbeit am Menschen. Dafür muss diese Testumgebung unbedingt so realitätsnah wie möglich sein.

 

Virtuelle Welten können genau diese Kombination ideal abdecken. Während Bilder und Zeichnungen immer auch Interpretationsspielraum und Lücken lassen, bilden 360° Modelle lebensechte Welten ab.

Das ist uns jetzt gelungen – der virtuelle Rettungswagen ist ein Meilenstein im Projekt.

Ist Virtual Reality human?

Kann virtuelle Ausbildung das Arbeiten mit Menschen ersetzen? Sicher nicht – aber gerade die Kombination aus beiden Ausbildungsteilen bringt einen enormen Mehrwert.

Für das Ehrenamt zu begeistern – das ist unsere eigentliche Aufgabe, unser Wunsch. Junge Menschen kann man viel eher begeistern, wenn man sie dort abholt, wo ihre Lebenswirklichkeit stattfindet. Das ist eben auch im virtuellen Raum.

Blickwinkel ändern sich

„Würdest Du sehr viel Zeit in eine Ausbildung investieren, zu der Du abends und am Wochenende anreisen musst, um danach dann parat zu stehen, wenn andere feiern, Spaß haben und die Freizeit genießen?“

– das ist die Frage, die wir (jungen) potenziellen Ehrenamtlern stellen müssen.

Wir fragen viel lieber:

Hast Du Spaß an virtuellen Welten, möchtest Du Pionier und Rettungspilot im Ehrenamt sein und willst Du dann auch noch Leben retten?“

Der Blick durch die virtuelle Brille (ver)ändert den Blick auf die Aufgabe. Es macht sie nicht unwichtiger und nicht weniger anspruchsvoll. Aber es verbindet Ehrenamt und digitale Welt. Weg von „das haben wir immer schon so gemacht“ hin zu „das haben wir noch nie so gemacht, darum wird es richtig gut“. (Danke ein bisschen auch an Pippi Langstrumpf!)

Neues lernen – User Centered Learning

Daneben gibt es noch ganz messbare Vorteile: die Verletzungsgefahr ist im Lernprozess viel geringer, wir lernen zeit- und ortsunabhängig und Schulungen werden skalierbar und damit auch kostengünstiger.

Nicht zuletzt sind haptische Lernmaterialien immer aus Sicht des „Lehrers“ erstellt. Die Reihenfolge eines Buches orientiert sich an dem, was der Autor sich gedacht hat, die Reihenfolge eines Kurses folgt dem Plan des Kursleiters und allein seinem Verständnis, selbst ein Lehrvideo hat ein festes Skript, in dem wir maximal vor- und zurückspulen können.

Das Lernen via Virtual Reality folgt der Intuition des Lernenden. Er allein kann bestimmen, welche Stelle er intensiver anschauen, wiederholen möchte, was er nicht verstanden hat und wo er noch Fragen hat. Die eigene Lernreise bestimmen zu können – das motiviert und macht Spaß. Und was Spaß macht merken wir uns. Eigentlich ganz einfach, oder?

Detailarbeit

Damit wir soweit gekommen sind war natürlich nicht nur Spaß notwendig.

Die Detailgenauigkeit der Simulation ist Basis des Erfolgs. So haben alle Projektpartner in zeitaufwändiger Kleinarbeit gefilmt, fotografiert, Szenen nachgestellt, Stories geskriptet und echt (digital) engagiert zusammengearbeitet. Es sind Erfahrungen aus unzähligen echten Stunden im Rettungsdienst eingeflossen.

  • So engagiert, dass Amazon einen wunderbaren Film über das Projekt gedreht hat.
  • So engagiert, dass der WDR uns besucht hat.
  • So engagiert, dass Ausbildung mit VR schon während der Förderphase ein virtuelles Vorzeigeprojekt geworden ist.

Dafür danken wir allen Beteiligten ganz herzlich. Tatendrang und Vision – das sind unsere Antreiber.

Heldenreise

Es gibt immer unterschiedliche Arten eine Story zu erzählen. Der Simulator des Rettungswagens ist auf jeden Fall ein neuer Held unserer Geschichte, der ihr eine ganz neue Attraktivität verleiht. Unser Protagonist! Wir sind gespannt, welche Reise er nimmt, ob er zum Serienheld wird und ob er auch international mitspielen kann. Wir werden die Story weitererzählen!

 

Und hier gibt es noch weitere Informationen zum neuen Tool machine@hand von der Fraunhofer IGD!

 

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