Julia Collard & Sven Schnitzler
Die Herausforderung der digitalen Kommunikation – ein Balanceakt

Die Herausforderung der digitalen Kommunikation – ein Balanceakt

„Arbeiten wir eigentlich überhaupt digital genug, um hier etwas beizutragen?“ Das haben wir uns gefragt, als wir den Aufruf zur Blogparade zum IOM Summit gesehen haben. Wir nutzen vielleicht nicht DAS neuste Tool, die high end Collaboration Plattform oder agieren weltweit verteilt. Aber da ist noch ein zweiter Gedanke: „Die Digitalisierung fordert ein Umdenken in den Organisationen bei der internen Kommunikation und der Zusammenarbeit.“

Da sind wir wieder voll im Thema. Denn genau darum geht es doch. Vor allem in kleineren Unternehmen, die sich von den Digitalisierungserfolgen, den Fortschritten im Bereich von Distributed Work, von flexibler Arbeit mit Home Office und 5 Stunden Tag sowie dem Einsatz der KI quasi überrollt fühlen. Man muss genau nicht nur die Exzellenzlösung vorweisen, um mitreden zu dürfen. Best Practices dürfen Vorbild sein, aber nicht zum Leuchtturm werden, der einsam auf einer Insel steht.

Mind & Skills

Daher ist unser Ziel einer innovativen Zusammenarbeit eben mehr die Mind & Skills Perspektive mit Tools, die unterstützen. Unsere tägliche Frage in allen Arbeits- und Lebensbereichen ist daher die, wie wir trotz und mit diesen technischen Entwicklungen unsere zwischenmenschliche Zusammenarbeit neu gestalten, vertiefen und innovieren können.

Social Media Kommunikation

Unseren Job als Social Media & Online Coaches würde es ohne Tools und Technik nicht geben. Und doch haben wir streng betrachtet eigentlich keinerlei technische Basisausbildung abgeschlossen. Alles, was wir heute mit diesen Tools erarbeiten und kreieren können, beruht letztlich auf Selbstlernen und Kommunikation.

Wenn wir nicht hinter die Fassade einer Organisation schauen würden, können wir den Weg Richtung Zukunft nicht unterstützen. Denn investiert werden muss sicher in vielen Fällen in Technik, in allen Fällen aber in Menschen.

Wenn wir nicht die Zukunftswünsche jedes einzelnen erfragen und diskutieren würden, wäre keine Website das Spiegelbild der Person, für die wir sie gebaut haben und für die wir die Texte geschrieben haben. Da können die PlugIns noch so gut, die Bilder noch so hochauflösend und die Satzlänge noch so SEO optimiert sein.

Wenn wir nicht die Balance zwischen Innovation und Tradition im Sinne des Werteverständnisses und des USP eines Kunden treffen würden, dann wären wir nicht erfolgreich. Dann würde uns keine KI, keine Programmiersprache und auch keine Collaboration Plattform mit Partnern in Berlin oder München helfen. Alle Tools, die wir nutzen, machen vereinfacht gesagt „nur“ das Außenbild perfekt – die inneren Werte schaffen wir durch analoge Kommunikation.

Teamwork

Unser Team in der Hochschule ist verteilt über 3 Standorte. Okay, Aachen, Neuss und Brühl klingt jetzt noch nicht nach New York, Rio, Tokyo – aber der Effekt ist ebenso wie die Herausforderung sehr ähnlich. Der Austausch per Skype Konferenz muss nur nicht noch zusätzlich über Zeitzonen abgestimmt werden. Er funktioniert für Sachthemen, zur Abstimmung der Arbeitspakete, er bringt mit zunehmender Erfahrung und der Akzeptanz der Technik auch die Töne zwischen den gehörten Sätzen zum Ausdruck – langsam.

Er ersetzt aber (noch) nicht ein persönliches Gespräch. Und das ist auch gut so. Denn egal wie stark oder weniger stark wir digital arbeiten: es geht um Kommunikation, Verstehen, Vertrauen. Und wenn wir für den Prozess der täglichen Kommunikation per Skype oder klassisch per Telefon (wird viel zu selten genutzt, vor allem gegenüber einer aus Sicht der Stimmungsübertragung absolut kritisch zu betrachtenden Mailkommunikation) durch Tools schneller werden, dann sollten wir die gewonnene Zeit unbedingt für Interaktion nutzen.

Kommunikation ist ein Prozess

Die Erstanfrage der Studieninteressenten an der Hochschule ebenso wie die eines Projektpartners für einen Workshop ist immer häufiger der Chat. Snackanfrage – Snackantwort – unverbindlich – kurz. Die Entscheidung wird aber ungefähr ähnlich häufig nach der persönlichen Beratung getroffen. Wenn das Bauchgefühl und die Chemie stimmen.

Die Herausforderung der digitalen Kommunikation ist genau diese Balance: ein Tool dann einzusetzen, wenn es Zeit spart und zur Entscheidung beiträgt. Wenn es Menschen und Orte verbindet. Wenn ein Prozess und ein Auftrag unmissverständlich formuliert werden kann. Und es eben dann nicht einzusetzen, wenn es Menschen separiert. Durch Technikprobleme, die zu Unmut und Demotivation führen, durch Verständnisprobleme, weil die Sichtweisen zu unterschiedlich sind. Wenn Kommunikation nicht läuft im Team, dann läuft sie auch mit Tool nicht. Erst recht nicht besser.

Brücke statt Barriere

Tools müssen in unserer Arbeitswelt eine Brückenfunktion und keine Barrierefunktion haben. Je mehr wir diese digitale Kommunikation üben und gemeinsam erlernen – und dabei unterstützt uns die Reflektion jedes digitalen ebenso wie des analogen Meeting, Feedbackgesprächs oder Brainstormings – desto mehr werden die Gewichte dieser Balance Richtung Mitte rücken und die Kommunikationsarten verschmelzen.

5 Skills

Welche Skills uns dabei helfen?

  1. Ein offenes Mindset: digitale Kommunikation ist kein Closed Shop Thema für Digitalexperten, für Nerds, Coder und High Potentials – es geht um Menschen, die eine Meinung haben, der Zukunft offen gegenüberstehen, Ideen einbringen, Kritik akzeptieren und beweglich sind.
  2. Lebenslanges Lernen: Wir dürfen nicht einen Tag aufhören zu lernen. Kommunikation ist intrinsisch motoviert mit Sinn und Spaß. Dauerhaft.
    Lernen ist Teil des Jobs – unabhängig von Ort und Zeit.
  3. Kommunikation & Führung: (Digital) Leader kommunizieren, motivieren, setzen Anreize und sind absolut nicht allwissend. Sie erarbeiten Lösungen im Team, fragen ihre Experten, nehmen Kritik ernst und entwickeln sich weiter.
  4. Fehlerkultur: es läuft nicht alles rund. Das müssen Unternehmenskulturen zulassen und akzeptieren, um sich zu entwickeln. Für manche Unternehmen bedeutet dies, in Kommunikation viel Geld zu investieren, weil sie dann innovativ wirken. Und zu merken, dass es eben das allein nicht ist. Lieber iterativ digitalisieren und kontinuierlich kommunizieren.
  5. Technikaffinität ist nicht gleich IT Background: Jeder uns nachfolgende Mitarbeiter wird mit Technik vertrauter sein als wir selbst – das macht Digitalisierung selbstverständlicher. Irgendwann in naher Zukunft wird der Zusatz „digital“ verschwunden sein, der momentan die vermeintlich bessere (innovativere oder fremdere) Welt – je nach dem wo wir uns auf der Skala gerade bewegen – von der alten Welt trennt.

Digitalisierung ist keine Zukunftsmusik. Und tut nicht weh.

Wir müssen alle mit balancieren – und kommunizieren!

 

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