Kaum eine US Wahl hat die Welt so sehr verfolgt wie diese und vermutlich haben auch die Einschalt- und Streamingquoten bei der Inauguration die der Vorperioden bei Weitem übertroffen. Und noch nie gab es eine Amtseinführung, bei der zwei Menschen offensichtlich auf Augenhöhe in dieses so wichtige Amt eingeführt wurden.

Grund für uns, dieses neue Doppel zu feiern!

 

Der Präsident und seine Vize

„Wenn ihr mich wählt, wählt ihr auch Kamala Harris – und sie wird im Weißen Haus eine Partnerin auf Augenhöhe sein.“

Was heißt das eigentlich – eine gleichberechtigte Partnerschaft auf Augenhöhe?

Eine Übersicht der deutschen Doppelspitzen in Unternehmen liest sich tatsächlich eher wie das Drehbuch einer schlechten Telenovela. Die Anzahl der gescheiterten Beziehungen übersteigt die erfolgreicher Duos bei weitem. Aber warum ist das so? Und sind diese Doppelspitzen, die immer wieder als Negativbeispiele gegen Modelle geteilter Führung angeführt werden, wirkliche Doppelspitzen im Sinne einer gleichberechtigten Partnerschaft auf Augenhöhe?

Nur wenn beide Führungsverantwortliche die gleichen Ziele und Strategien verfolgen sowie ihre Aktivitäten dazu koordinieren und den erhöhten Organisationsaufwand in Kauf nehmen, hat die Doppelspitze Aussicht auf Erfolg.“

Oder wie Biden weiß:

«Der Job des Präsidenten ist zu groß für eine einzige Person; im Weißen Haus wie im Leben ist ein vertrauenswürdiger Partner ein großer Gewinn.»

„Die Doppelspitze ist ein Holzweg“ – schade, dass es solche Meinungen noch viel öfter in die bekannten Wirtschaftskolumnen schaffen als gute Vorbilder. Denn letztere würden Mut machen, neue Wege zu gehen. Natürlich scheitern Tandems dann, wenn jeder einzelne den Weg zur gemeinsamen Spitze nur als Vorwand nimmt, den Partner einmal oben angekommen vom gemeinsamen Thron zu stürzen. Aber auch dann sind es die Voraussetzungen, die falsch sind. Nicht der Führungsstil.

 

Was steckt dahinter?

„Ich möchte mehr Verantwortung bekommen.“ Die meisten Führungskräfte werden Sätze wie diesen gehört haben. Wenn man dem entgegenstellt, dass Verantwortung „nur“ übernommen werden kann und Menschen, die derart fragen, eher auf Macht aus sind – dann ist auch die Schwachstelle der Doppeltspitze, des Jobsharing offensichtlich. Es ist nicht das Modell schlecht, in dem man Führung gemeinschaftlich denkt.

Es ist nicht der Algorithmus, der perfekt im Vorfeld kommunizierte Qualifikationen zusammenstellt, Unterschiede ausgleicht, Diversität einplant. Es ist der Mensch, der eventuell doch nicht ehrlich und transparent in der Darstellung seiner Ziele war, der – vielleicht nicht einmal vorsätzlich – gemeinschaftliche Ziele über die eigenen gestellt hat. Und dann ist sie da: die Chance alleine Macht zu übernehmen. Ein Projekt, das man anders bewertet als der Partner. Die Auszeit des einen, in der man das Gefühl hat, es auch alleine stemmen zu können. Das Team, das parteiisch  wird. Der Erfolg, der ausbleibt. Die Faktoren für das Scheitern der Doppelspitze sind nicht anders als die bei „Alleinherrschern“. Die Seltenheit des Modells allein macht das Scheitern offensichtlich. Je prunkvoller die Thronbesteigung, desto lauter der Abgang. Kaum in einer anderen Führungskonstellation wird die These der self-fulfilling prophecy deutlicher.

Für das Funktionieren einer Doppelspitze ist gerade aus diesen Erfahrungen heraus neben dem Perfect Match der Tandempartner der Cultural Fit maßgeblich: ist das Unternehmen bereit für eine Doppelspitze? Der Erfolg von geteilter Führung hängt nicht nur stark von den Persönlichkeiten der Führungskräfte ab, sondern auch von der Unternehmenskultur. Transparenz und Kommunikation sind die Schlüssel. Der Organisation muss vermittelt werden, dass eine Doppelspitze dem Unternehmenserfolg nutzt. Es darf nicht der Eindruck entstehen, als gäbe es zwei Unternehmenslenker, weil beide Defizite haben, die sich ausgleichen müssten. Der Nährboden für Topsharing ist also der Wandel der Unternehmenskultur.

 

Was heißt das für die amerikanische Kultur?

Nicht weniger, als dass es auch auf die USA, auf die Bürgerinnen und Bürger ankommt, inwieweit sie dieses Doppel stützen. Biden als extrem erfahrener Politiker mit Sicherheit auf dem Parkett der Außenpolitik und Kamala Harris, die ihre Karriere dem Auftrag verschrieben hat, für die Rechte aller Menschen in Amerika zu kämpfen. Beides Menschen, die Zwischentöne hören und senden können. Auf den Zug, die Kleidungswahl der ersten weiblichen Vizepräsidentin zu kommentieren, sollte man eigentlich nicht aufspringen –aber wie perfekt bitte ist „die Farbe Lila“? Wie viel Kommunikation steckt dahinter zwischen dem umstrittenen Filmklassiker und der Mischung aus dem demokratischen blau und dem republikanischen Rot!

Wir mögen dieses Doppel auf keinen Fall auf eine Art Zweckgemeinschaft reduzieren – Biden schon recht alt und aufgrund seiner langen Zeit in der Öffentlichkeit auch mit der ein oder anderen Kritik oder Panne behaftet auf der einen Seite und das Land noch nicht bereit für die erste Frau, erste Schwarze und erste Amerikanerin mit südasiatischen Wurzeln auf der anderen Seite. Da scheint dieses Doppel ein guter Kompromiss.

Aus Führungssicht ist dieses Doppel viel mehr als das – es vereint die Traditionen der USA auf besondere Weise. Es drückt Diversity aus.  Es hat einen Plan für eine sinnvolle Art von Arbeitsteilung, bei der beide die jeweiligen Stärken ausspielen können ohne sich gegeneinander auszuspielen.

Der Präsident wird sich – neben dem akuten Nummer-1-Thema der Bekämpfung der Pandemie – um das weltweite Wundenheilen und das Verhältnis zu den Alliierten kümmern. Biden will wieder internationale Brücken schlagen.  

Harris wird dagegen sehr stark mit der Innenpolitik und den Reformprozessen beschäftigt sein. Sie wird tief involviert sein in innenpolitische Entscheidungsprozesse.

Die beiden können sich in einer Art des Mentoring und Reverse Mentoring absolut stützen und stärker machen.

Wahrheit und Vertrauen sind dabei essentielle Versprechen der Zusammenarbeit:

„Ich habe Kamala gebeten, die letzte Stimme im Raum zu sein. Mir immer die Wahrheit zu sagen, was sie auch tun wird. Meine Annahmen in Frage zu stellen, wenn sie anderer Meinung ist. Die schwierigen Fragen zu stellen.“,

so Biden.

Aber ohne die Rückendeckung der Gesellschaft, der Bürger und einer Kultur, die offen für dieses neue Führungsmodell sind, kann das „stay together“ nicht funktionieren. Es braucht einen Perspektivwechsel, der die Vorteile für die USA, ja für die Welt ins Blickfeld rückt. Und dass das bei der Zerrissenheit, der Spaltung und Meinungsverschiedenheiten des amerikanischen Volkes auch im Doppel keine einfache Aufgabe wird, das ist offensichtlich. Die Mehrheiten als Ausdruck dieser Rückendeckung sind denkbar knapp. Es war ein „Day of hope“ diese Woche. Jetzt geht es um eine „Future of hope“.

 

Good Luck. Have the right touch!

Politische Blogthemen sind bei uns bisher extrem selten, aber dieses Doppel ist es uns wert, ein Auge darauf zu werfen. Denn die USA – und das meinen Menschen außerhalb noch viel mehr als die US-Bürger selbst (die knappen Wahlergebnisse sprechen Bände) – hat sich das Stilmittel der Kommunikation zurück erobert.  Für uns ist das ein wirklich wichtiger Part dieses Wahlsiegs. Kommunikation ist unsere stärkste Waffe, Rhetorik und Sprache können Menschen verbinden oder separieren. Nicht zuletzt die Wiedereinführung täglicher Pressebriefing versprechen Wahrheit und Transparenz zurück ins Weiße Haus zu bringen.

 

Mit Joe Biden und Kamala Harris haben die USA ein Führungsduo, das seinen Wünschen, seinen Zielen, aber auch seinen Gefühlen stilsicher Ausdruck verleihen kann. Sprache schafft Wirklichkeit. Wir freuen uns darauf zuzuhören!

 

Congrats to Biden & Harris – haben die USA nun eine Doppelspitze?

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