Gastbeitrag von Britta Redmann

Mein Jahresrückblick widmet sich einem Thema, das in diesem Jahr mehr denn je im Fokus der Unternehmen stand: dem Arbeitsschutz. Nie war er so sichtbar wie 2020. Durch Klebestreifen auf dem Boden, Plexiglasscheiben und exakt abgemessene Sitzplatzabstände.

Safety first – das neue Bewusstsein dafür ist unglaublich wichtig. Es wird nicht nur durch Corona ein Dauerbrenner bleiben, sondern auch darüber hinaus zu Zugewinnen in der Büroarbeit aber auch der mobilen Arbeit führen.

 

Grundlagen Arbeitsschutz

Das wichtigste Gesetz  für den betrieblichen Arbeitsschutz ist das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG). Es verpflichtet den Arbeitgeber, Gesundheitsgefährdungen am Arbeitsplatz zu beurteilen und über notwendige Schutzmaßnahmen zu entscheiden. Der Arbeitgeber hat für eine funktionierende Arbeitsschutzorganisation im Betrieb zu sorgen. Dies kann besonders wirksam durch eine nachhaltige Einbindung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in die Strukturen und Abläufe eines Unternehmens erreicht werden.

Und genau da ist der Haken: der Arbeitgeber hat für die notwendigen Maßnahmen IM Betrieb zu sorgen. Aber außerhalb?

 

Home Office vs. mobile Work

Richtig: Home Office – sehr oft habe ich das in diesem Jahr erlebt  – ist eine sehr eng definierte Disziplin.

So sieht etwa die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) vor, dass der Arbeitgeber für die Ausstattung des Homeoffice zuständig ist, wenn mit einem Mitarbeiter eine wöchentliche Arbeitszeit am Telearbeitsplatz vereinbart ist. Dabei gelten nach dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) dieselben Vorschriften zu Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz wie für Arbeitsplätze an der Betriebsstätte.

 

Aber die meisten von uns waren ja genau nicht im Home Office – sondern im mobilen Arbeiten. Im remote Work. Auch das hat skurrile Ausprägungen angenommen. Mit teilweise ganz neuen unterschätzten Gefahren:

 

New Work – neue Gefahren

Mit ein paar Beispielen davon blicke ich auf ein außergewöhnliches Jahr auch in Sachen Arbeitsrecht und Verantwortung zurück.

1. Physical Distancing vom heimischen Kühlschrank.

 

Während der eine oder die andere in den ersten Tagen im März noch die fehlende Kantine bemängelte (über die in physischen Office Zeiten eigentlich auch viel gemeckert wird), stellte sich so ungefähr ab der 4. Woche ein neues Ritual ein: der Gang zum Kühlschrank (Ersatz für den Flurplausch). Da wir leider inzwischen gelernt hatten, wie man zielgruppenorientiert einkauft, war da auch immer „snackable content“ drin. Womit die erste Gefahr aus Sicht des Arbeitsschutz eindeutig identifiziert ist: Übergewicht.

 

2. My Office is my castle

Das gibt zwar kaum jemand zu, aber so eine Bürotür lässt sich schließen. Im mobilen Arbeiten zuhause scheinen Türen nicht zu existieren. Jeder läuft ungefragt in jedes Zimmer. Mama und Papa sind, wenn sie zuhause sind, nicht Buchhalter und Juristin, sondern eben Ernährer, Spielkameradinnen, Hausaufgabenhelfer, Köchinnen, Streitschlichter. Zweite Gefahr im mobilen Arbeiten: Work-Life-Crash.

Wenn das Kind nervt, ist die Arbeit Schuld…denn klares Tabu: Die Familie ist niemals Schuld! Wir danken also der Arbeit, dass es sie gibt und bereitwillig zur Verfügung steht, die Schuld ihr zuzuweisen. Und freuen uns auf die Tage im Büro an denen wir uns ungestört der Arbeit widmen können, ohne die sonst stressenden Faktoren näher beschreiben zu wollen.

 

3. Dresscode

Und gleich noch eine Gefahr droht: der Untergang des Business Outfits (welches wir in den ganzen Videocalls eh schon nur noch für die obere Körperhälfte brauchen).

 

4. Stoßlüften

Schon vor Corona haben in vielen Meetingräumen CO2 Tester Einzug gehalten. Wer die kennt weiß: wir haben eigentlich alle ständig keine Luft.

Bei nun regelmäßigem Stoßlüften steht der Arbeitsschutz  in einem hartem Kampf mit sich selbst: zu kalt oder zu aerosolhaltig?

 

5. Cat Content

Eine positive Entwicklung in Sachen Arbeitsschutz haben wir aber gelernt – Tippfehler machen wir nicht mehr. Die macht immer die Katze.

 

Tschüss 2020

Hiermit verabschiede ich mich auf den sicheren Platz am Weihnachtsbaum – obwohl… da lauern bestimmt auch Gefahren von fallenden Kugeln, brennenden Kerzen und Kalorien auf dem Plätzchenteller. Ich nehme mal lieber mein 1,5 m langes Maßband mit.

 

Falls irgendjemand auf die Idee kommt, ich fände auch nur eine Arbeitsschutzschutzmaßnahme gegen Corona lächerlich: ganz weit gefehlt. Sie sind alle absolut sinnvoll. Arbeitsschutz ist ein hohes Gut. Ich bleibe nur trotzdem guten Mutes, dass wir gemeinsam sicher durch diese Zeit kommen, wenn wir alle Regeln inhaltlich ernst, aber äußerlich mit Humor nehmen. Das möchte ich hiermit ausdrücken.

 

Frohe und sichere Weihnachten, eure Britta!

 

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