Julia Collard & Sven Schnitzler
Anti-Vorsatz-Training

Anti-Vorsatz-Training

Die erste Woche im Büro ist geschafft, die Projektplanung für 2020 läuft auf Hochtouren, die Masterarbeit ist fertig – was kommt jetzt? Wir haben weder einen Rückblick 2019 noch einen Ausblick 2020 verfasst. Und keinen Vorsatz. Ungewöhnlich, da wir selbst Reflexions-Doppelspitzenreiter sind und stundenlang über die Zukunft philosophieren können.

Und natürlich haben wir unzählige Ideen für das neue Jahrzehnt (und ja, wir haben auch verstanden, dass das erst 2021 beginnt, aber dann nehmen wir das nullte Jahr eben als Anlauf). Gute Vorsätze sind tatsächlich nicht unser Ding – aber da so viele Menschen welche haben, muss ja was dran sein. „Vorsätze sind dazu da, dass sie gebrochen werden“.

Also drehen wir den Spieß um. Wir wissen definitiv, was wir wollen. Und wenn das dann NICHT zutrifft, dann wird doch alles golden – oder?

Unsere 10 Anti-Vorsätze für 2020.

 

1. Vorsatz: Bloß kein Social Media mehr!

Deutsche Bahn, Friday for Future oder WDR – alles Beispiele dafür, dass Social Media doch bitte lieber nichts mit der Unternehmenskommunikation zu tun haben sollte. Wenn man einfach nichts macht, geht dieser Trend bestimmt an uns vorüber. Und Geld ausgeben dafür, dass jemand dazu Beratung anbietet, dass der klassische Redaktionsplan und der Mailverteiler der örtlichen Presse ersetzt wird durch ein Social Media Konzept? Bloß nicht. So ein Selfie auf Instagram kann doch jeder.

Bitte liebe Unternehmen: denkt um! Nur weil Ihr eventuell keine Lust auf Social Media habt schützt Ignoranz nicht vor Schaden. Ihr müsst wissen, was im Netz passiert, was über Euch und erzählt wird und an welcher Stelle Ihr unbedingt miterzählen müsst. Verändertes Kommunikationsverhalten – das muss man nicht selbst ausführen, wenn man nicht affin ist. Aber es zu ignorieren ist der vorprogrammierte Shitstorm. Schlimmer noch: Schweigen ist das Ende der (Unternehmens)Kommunikation.

 

2. Vorsatz: Mehr Meetings bitte!

Strategiemeeting, Jour fixe, Gremiensitzung 1, 2 und 3, Abteilungsmeeting A, B und C. Wir müssen unbedingt mehr davon haben. Immer für mindestens 2 Stunden angesetzt, in sterilen (wahlweise überhitzten oder zu kalten) Besprechungsräumen mit Blumenbild an der Wand, Agenda für jeden auf Papier ausgedruckt (nicht zu vergessen den Punkt „Sonstiges“) und in ordentlich hierarchischer Beitragsreihenfolge (gemessen an der Länge der Redebeiträge).

Leider ist das nicht der Albtraum vergangener Jahrzehnte. Wir werden aber unbedingt rebellischer werden und uns neben den Stuhl STELLEN. Oder das Bild an der Wand austauschen. Oder die Agenda verstecken.

So einfach wird der Wandel der Meetingkultur in manchen Unternehmensstrukturen nicht werden – insofern ist es für manche Prozesse nicht so schlimm, dass das neue Jahrzehnt noch nicht angefangen hat.

 

3. Vorsatz: Keine Bücher mehr lesen!

Darum ist es nicht so schlimm, dass wir in den letzten Wochen kaum zum Schreiben gekommen sind. Zumindest nicht am Buch.

Doch! Das ist total schlimm. Und es ist uns (fast) egal, ob das dann jemand lesen möchte oder nicht. Wir möchten unsere Geschichte unbedingt zu Papier bringen, darin blättern können, ein echtes Buch in den Händen halten. Weil es bei aller Digitalisierung Sachen gibt, die analog auch gut bleiben. Die Mischung macht es. Aber in dem Fall ist das physische Druckwerk mit einem Wert verbunden, der Generationen verbindet und Traditionen pflegt. Die Sprache der Bücher ist eine internationale und grenzenlose. Darum: wir lieben Bücher. Und natürlich freuen wir uns, wenn Ihr unser Buch lieben werdet. In diesem Jahr – oder diesem Jahrzehnt. Wir arbeiten dran.

 

4. Vorsatz: Analoge Treffen sind Zeitverschwendung!

Skype, Zoom, Teams, Trello, GoToMeeting, Asana… wir sehen uns wann und wo wir wollen, wir planen Projekte raum- und zeitlos, wir sparen Zeit, Energie, Ressourcen. Die Digitalisierung schafft völlig neue Möglichkeiten des Netzwerkens und wir müssen uns für ein offizielles Meeting noch nicht mal die Haare kämmen. Besser noch: wir können die Augen verdrehen, nebenbei Wäsche falten, kurz verschwinden. Kurzum: Wir sind autark.

Doch so schön das alles ist, so wertvoll diese digitalen Netzwerke sind. Wir wünschen uns mehr analoges Kennenlernen. Teilen wir „nur“ das Interesse an einem Thema mit einem Menschen? Schweben wir nur in der gleichen Blase durch die Welt? Oder würden wir uns auch in die Augen schauen können, einen Kaffee zusammen trinken, uns gar ein zweites Mal verabreden? Wir haben alle keine Zeit zu verschenken – aber die ganze durch den Einsatz der Tools gesparte Zeit muss ja auch irgendwo hin. Am besten in was mit Menschen – sorgfältig ausgewählt und bewusst in einem Funkloch.

 

5. Vorsatz: Master fertig – endlich ausgelernt!

Nicht mehr abends oder samstags zur Vorlesung, nicht mehr nach Plan lernen, Klausuren schreiben, Projekte abliefern. Endlich nicht mehr lernen müssen.

Falsch: Endlich nicht mehr MÜSSEN.

Endlich das lernen, worauf man Lust hat. Spontan. Mal einen ganzen Tag, mal gar nicht. Kein schlechtes Gewissen haben, wenn man nicht lernt. Aber freuen, wenn man sich bewusst Zeit dafür nimmt oder unbewusst neues Wissen aufsaugen kann, weil es einfach Spaß macht. Und weil man mit jeder Aufgabe wächst, bei jedem Projekt lernt und mit der Zeit reift. Jeden Tag ein bisschen mehr. Lebenslang. Vielleicht ohne den nächsten zertifizierten Abschluss. Aber wer weiß…

 

6. Vorsatz: Lieber im Publikum als auf der Bühne!

Letzte Reihe – das ist der einfache Platz auf der Konferenz und im Workshop. Gemütlich zuhören, sich berieseln lassen, ein bisschen „to go – Mentalität“ steckt doch in jedem von uns. Verstecken ist so gemütlich.

Die Realität ist: Wir sind keine Profi-Speaker und die ganz große Bühne verursacht auch bei uns immer noch jede Menge Nervosität – aber hat die nicht selbst der größte Star noch und ist man nicht nur dann auch wirklich gut? Wäre Routine nicht langweilig, reizlos? Wir werden wieder ganz häufig unsere Komfortzone verlassen – für kleine und größere Bühnen, in Workshops und bei Vorträgen. Und ganz ehrlich: die ganz große Bühne ist nicht die größte Herausforderung. Denn da wird es immer solche geben, die absolute Fans sind und solche, die desinteressiert, gelangweilt, enttäuscht sind. In der Summe ist es dann okay, vielleicht sogar gut. Kritischer sind kleine Runden. Die Vorlesung morgens um 8 Uhr ohne Rampenlicht. Das ist der echte Schritt raus aus der Komfortzone…

 

7. Vorsatz: Workshops gibt’s schon genug!

Für jedes Thema, für alles gibt es einen Workshop. Gerade jetzt zu Beginn des Jahres: Selbstfindung, Achtsamkeit, Detox. Im Frühjahr folgen Erfolgstrainings, Vertriebskonzepte, Karrierebooster. Nach der Sommerpause dann die nachhaltigen Themen Richtung Strategie, Fokussierung und Arbeitswelten und spätestens zum Winteranfang die angesagten Trendthemen des kommenden Jahres, die man noch unbedingt mitnehmen muss.

Und doch glauben wir, dass es noch Nischen gibt. Weil es neben den fachlichen Inhalten ganz viel auf die Durchführung, die Chemie zwischen Dozent und Teilnehmer, auf Interaktion, auf das perfekte Setting ankommt.

Wir hätten nie gedacht, dass wir Social Media für´s Ehrenamt oder Storytelling für Professoren anbieten werden – aber genau das wollte die Zielgruppe. Und „wir“ haben uns gefunden über Geschichten, Sichtbarkeit und den Funken gleiche Wellenlänge, die entscheidende Prise anders, innovativ und persönlich sein. Das macht Mut zum Weitermachen auch in Feldern, die angeblich schon absolut bedient sind.

 

8. Vorsatz: Personal Branding ist reine Selbstdarstellung!

Das perfekte Bild auf Instagram – so spontan und natürlich nach stundenlangem Posen und dem neusten Bildbearbeitungsprogramm.

Der reißerische Blogartikel. Viele Buzzwords, Seitenhiebe, aufmerksamkeitsheischend und mit ordentlich Clickbaiting.

Viele „Ich´s“ im Text; plakativ, laut, dominant.

Das alles ist Personal Branding NICHT. Jeder Mensch ist eine Marke – wir werden auch in 2020 nicht aufhören dies zu betonen. Es geht nicht um Sichtbarkeit um jeden Preis, sondern um individuelle Konzepte, mit denen sich jeder einen Schritt aus der Komfortzone herauswagen kann. Wenn Ihr wollt. Es gibt so viele wunderbare Geschichten, die nie jemand hört. Und so viele andere, die eigentlich niemand hören will. Mut und Möglichkeiten sind oft ungerecht verteilt. Da wollen wir nachhelfen. Ein bisschen als Sprachrohr, als Mutmacher, als diejenigen, die Möglichkeiten sehen, Potenziale erkennen, Erfahrungen weitergeben und eine Bühne bieten. Und dabei ist Personal Branding total skalierbar zeitlich wie inhaltlich – für den Bewerbungsprozess, für ein Projekt, für die geheime Begabung.

 

9. Vorsaz: Gegen Fachkräftemangel kann man eh nix tun!

Schade eigentlich. Und das wird ja in den kommenden Jahren immer schlimmer werden. Jetzt will sogar niemand mehr in den Staatsdienst, obwohl der Beamtenstatus doch so viel von der bei der Gen Z als so attraktiv empfundenen Sicherheit bietet. Pflege ist schlecht bezahlt bei noch schlechteren Arbeitszeiten, Coding ist was für Nerds (männlich, versteht sich) und ohne Tischkicker, Bällebad und Smoothie-Flat findet man doch eh keinen Nachwuchs mehr.

Warum manche Unternehmen – egal welcher Größe und Lage – es trotzdem schaffen? Weil sie anders denken. Vor allem, weil sie die Schuld an fehlenden Mitarbeitern nicht auf andere schieben, nicht woanders suchen, sondern bei sich selbst. Und das ist es, was wir mit Euch auch weiterhin machen wollen. Mit Prio 1. Die Schwachstellen im Recruiting aufdecken, die ganz oft mit vielen schon genannte Punkten in Verbindung stehen (zur Erinnerung: „Social Media machen wir nicht“, „Gelernt haben wir genug“ und „Wir sind doch keine Schausteller!“). Es mag nicht einfach sein, aber es geht. Raus aus der Komfortzone auch für das Personalmarketing.

 

10. Vorsatz: Fokussierung ist was für Anfänger

Ideen haben wir also genug. Und tatsächlich sind unsere Projekt genau so bunt. Weil es alles Themen rund um Marketing, HR, Kommunikation, Sichtbarkeit, Lernen und Social Media sind. Und genau diese Themen absolute Überschneidungen haben. Die Schnittmengen werden im kommenden Jahr – das unsere einzige Prognose in diesem Artikel – noch viel größer werden. Und dafür bedarf es weder einer Trendforschung noch eines Orakels. Das muss einfach klar sein. Es gibt Bereiche, die sich in diesem Melting Pot klassischer Weise nicht riechen können. Unternehmenskommunikation meint, dass Social Media nicht schreiben kann. Marketing macht nur bunte Bilder und Vertrieb holt die Kunden rein. HR ist wie Führung fast schon überflüssig… die gegenseitigen Vorurteile sind reine Ressourcenverschwendung.

Wir schöpfen aus dieser Mischung genau unsere Energie für neue Projekte, für neue Blickwinkel, für Lösungskonzepte, die verbinden statt zu separieren. Und das wiederum spart Ressourcen. Und setzt Energien in Menschen frei.

Fokussierung oder die volle Bandbreite? Wir verbinden beides. Mischungen erfordern eben auch Flexibilität. Weil der Mensch im Mittelpunkt steht. Und wir sind eben alle mal fokussiert und mal sprunghaft. Solange am Ende das Ergebnis stimmt. Am Ende des Jahres. Und des Jahrzehnts.

Wir freuen uns auf goldene Zeiten mit Euch. Ohne Vorsatz.

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