Er ist schon ein bisschen länger her, unser #netzwerktalk mit Valerie Wagner – aber wann passt es besser ihn zu veröffentlichen als zur besten Reisezeit am Pool eines Hotels?

 

Doppeltspitze: Valerie – wir kennen Dich hier auf Social Media alle als @Hotelomotion – was treibst Du im Leben außerhalb der Bubble als Valerie Wagner?

Valerie Wagner: Erst einmal freue ich mich Euch in meiner HomeOffice Mittagspause einmal fast in echt kennen zu lernen! Danke dafür.

Im normalen Leben bin ich als Angestellte in der Energiebranche tätig. Ich bin gelernte Hotelfachfrau, habe die Branche aber nach einigen operativen Jahren verlassen. Einerseits, weil ich so nach meinem Diplom in Betriebsorganisatorin, einem BWL Studium mit Fokus auf die Hotelbranche, und Zertifizierungen im Revenue – und E-Commerce Management mein Wissen auch einmal in einem ganz anderen Bereich auf die Probe stellen kann. Aber und vor allem auch, weil die Hotelbranche mit einer extrem dicken gläsernen Decke ist. Tradition wird kaum irgendwo so groß geschrieben. Sowohl in Hierarchien wie auch gegen Digitalisierung.

Ich habe den Wunsch und den festen Willen, hier aus einer externen Perspektive stärkere Impulse setzen zu können.

 

Doppeltspitze: Bei all den Weiterbildungen – und Du steckst gerade mitten im Masterstudium! – wann bloggst und podcastest Du denn noch?

Valerie Wagner: Für mich gibt es nicht das eine oder das andere. Alles zusammen ist mein Weg des Lernens und des Weiterqualifizierens. Durch das Blog und den Podcast habe ich mehr Menschen kennengelernt, als es mir im „normalen“ Job möglich wäre. Und damit meine ich nicht das Kommen und Gehen der zahllosen Hotelgäste J.

Ich liebe den Prozess hinter der Content Creation, also Inhalte für meinen Blog, Podcast oder Social Media zu erstellen. Die Themenfindung und Recherche, den Austausch mit der Community, und ich lerne auch gerne dazu.

 

Doppeltspitze: Gibt es Dinge, die Dich an der Hotelbranche nerven?

Valerie Wagner: und wie – wobei nerven vielleicht falsch ist. Es sind die Dinge, die mich triggern, die gerne mehr von meiner Arbeitszeit in Anspruch nehmen dürfen, an denen ich unbedingt weiterarbeiten und die ich verändern will!

  1. Die Männerdomäne Hotelwelt. Wie kaum eine andere Branche sind Hierarchien im Tourismus so klassisch – und das meine ich durchaus mit einem negativen Beigeschmack. Je höher man aufsteigt, desto weniger Frauen sieht man. Hier möchte ich gerne weibliche Touristikkarrieren sichtbar machen: von der Hotelmanagerin über die Reisekonzernchefin bis hin zur Kreuzfahrtkapitänin.
  2. Die Langsamkeit, vielleicht sogar Blindheit der Branche: Corona hat uns schwer getroffen – schwerer als viele andere Branchen. Aber irgendwie hat die Hotelbranche nicht viel daraus gemacht. Das mag überspitzt klingen – aber während immerhin einige Hotels die Zeit für Modernisierung und Renovierung genutzt haben, hat so gut wie kein Hotel in eine eigen Buchungsplattform, in Sichtbarkeit, eines Webseite oder gar Social Media investiert. Der Gast möchte einfach buchen. Und das tut er nach wie vor über Booking.com, Expedia.de und all die weiteren großen Player. Dabei könnten Hotels so schöne Geschichten erzählen, Kundenstimmen sammeln und potenzielle Gäste zum direkt buchen animieren.
  3. Die fehlende Wertschätzung von Menschen aus der Branche untereinander. Meinen Podcast gibt es nun schon seit 4 Jahren und mit dem neuen Podcast Fieber springen nun aus vielen Ecken „Erste Hotelpodcasts“ heraus. Das nervt wirklich. Wir können immer noch schlecht netzwerken und „gönnen“. Umgekehrt hätte man meine Tipps und Erfahrungen nach wie vor gerne kostenlos, denn es sind ja „nur Tipps“. Ich teile gerne – aber ich werde nicht gerne kopiert.

Dafür, dass wir uns in einer der größten Dienstleistungs- und Servicebranchen bewegen, braucht es definitiv intern mehr Servicementalität!

 

Doppeltspitze: Ganz ehrlich, in diesem Sommer haben wir auch die Buchungsplattform bemüht, da dort die Rücktrittskonditionen einfach besser sind.

Valerie Wagner: Genau das meine ich – in dem Bereich sind die Hoteliers oft blind. „Wir hatten schon immer diese Klauseln, also bleiben die auch so.“ Auch im Hotelbereich werden gerade bei den kleinen Anbietern nur die gewinnen, die sichtbar, besonders und eben emotional sind. Die den Kunden ansprechen und ihm quasi bereits bei der Buchung alle Wünsche von den Augen ablesen. Denn eines bleibt sicher auf ewig Tradition: Der Gast ist KönigIn. Nicht vergessen darf man, dass die Konditionen von den Hotels kommen. Warum sie die nicht einfach auch auf der eigenen Hotel-Website anbieten, ist mir schleierhaft. Auf der Hotel-Website muss der Gast immer den besten Preis zu den besten Bedingungen finden und direkt buchen können.

 

Doppeltspitze: Was sind Deine nächsten Pläne bei so viel Energie (womit ja auch die Energiebranche passend gewählt ist;-)?

Valerie Wagner: Mein Traum wäre tatsächlich ein Buch zum Thema Digitales Hotelmanagement zu schreiben. Kein klassischer Ratgeber, sondern ein interaktives Handbuch, das den Manager oder die Hotelbesitzerin an die Hand nimmt in Sachen Revenue Management, Social Media und Sichtbarkeit. Ich versuche von, möglichst jedem neuen Online Marketing oder Social Media Trend eine Brücke zum Hotelmanagement zu schlagen, um zu zeigen, was möglich ist und die Branche mit den Buzzwords und der Kommunikation der Zukunft vertraut zu machen. Hotels sind schon oft kleine Silos, auch wenn der klassische Hotelbunker als Baustil ausgedient hat.

 

Doppeltspitze: Gibt es eigentlich aus Deiner Sicht ein Hotel, das dies perfekt umsetzt?

Valerie Wagner: Es gibt ganz viele kleine Gasthöfe und Hotels, die durch individuellen Kundenkontakt und Netzwerkpflege schon viel aufgebaut haben. Nicht zuletzt darum nutze ich auch Instagram immer wieder, um diese Menschen auch untereinander zu vernetzen und sichtbarer zu machen. Ich mag Instagram-Challenges und veranstalte zweimal jährlich meine #hotelsaufinstagram Challenge. Es machen von Mal zu Mal mehrere Hotel-Accounts mit. Besonders freut mich, dass es die inhabergeführten Hotels sind, die sich mit großer Motivation meinen täglich wechselnden Aufgaben stellen. J Die Big Player wie Motel One oder ajahotels haben natürlich Social Media Manager, die sich den Accounts annehmen. Die machen das sehr gut. Mein Fokus liegt auf den inhabergeführten Häusern und da stechen immer wieder das Janbeck’s Fairhaus oder da Mayers Waldhorn als Best-Practice-Beispiele hervor.

 

 

Liebe Valerie, herzlichen Dank für die kleine Reise mit Dir in Deine Welt und für Dein Herzblut. Menschen, die für Ihre Spezialthemen brennen, die machen das beste Marketing – in dem Fall Hotel Branding!

 

 

 

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