Julia Collard & Sven Schnitzler
Über Silos & Inseln

Über Silos & Inseln

#27 Gastbeitrag von Sebastian Kolberg

„Kennt Ihr die auch? Ich meine die, welche da in dem Silo arbeiten!“

Sind das nicht wir selbst? Wir in unseren Abteilungen, die klare Ziele haben und die dann auch gemeinsam erreichen, und zwar in unserem Team. Wir, die sich dann manchmal darüber aufregen, dass es wieder so lange Abstimmungs- und Alignment Meetings gibt mit den anderen Silos, ohne die das ja alles auch irgendwie nicht möglich wäre. 

Arbeite ich gerne im Silo? Und möchte ich jemanden sagen hören, dass ich einer aus dem Silo bin? 

Sprache schafft Wirklichkeit. 

Silos? Oder besser Inseln? 

Ich arbeite auf meiner Insel. Die ist schön. Und ja ich reise gerne. Nicht nur privat. Ich mache mich gerne auf den Weg zu anderen Inseln, um dort inspirierende Menschen mit tollen Ideen zu treffen, und dann verbringe ich Zeit dort und wir machen gemeinsam was. 

Sollten wir nicht einfach den Begriff „Silos“ durch den Begriff „Insel“ ersetzen? 

Warum? Weil wir dann eine neue Wirklichkeit schaffen können. Wir können Brücken zwischen Inseln bauen. Wir können uns aufmachen zu neuen Ufern. Wir können ins Boot steigen und mal rüberfahren. Dort wo es auch tolle Menschen gibt, die mit großer Begeisterung Dinge machen, die auch uns betreffen. Wir könnten neue Jobs erfinden und die Lotsen nennen, Menschen die uns den Weg zeigen, die auch die anderen Inseln kennen und uns auch sagen können, wo wir als nächstes hinfahren sollten. 

Dann tauschen wir uns dort mit den anderen Inselbewohnern aus, Lernen voneinander und sitzen abends zusammen beim Essen, bevor es dann wieder nach Hause geht. Auf meine Insel. Denn ich bin stolz eine Identität in meiner Abteilung, meinem Team, meinen speziellen Aufgaben zu finden. Und wenn Du mir sagst, ich sollte mich mal wieder auf die Reise machen, dann bekomme ich Lust. 

Klingt alles sehr nach einer schönen Fabel? 

Unsere Realität? Ja, wir arbeiten in Abteilungen und Teams. Wir haben unsere Ziele und tägliche Kontakte. Und wir erkennen zunehmend, dass lokale Lösungen nicht reichen. Dass komplexe Problemstellungen die Zusammenarbeit erfordern und zwar nicht erst, wenn die Lösung fertig ist, sondern von Beginn an und in einem ständigen iterativen Austausch zwischen dem Kunden (intern wie extern) der IT und anderen Fachabteilungen. 

Die normalen Arbeitsmethoden und das übliche Verhalten auf der Arbeit reichen nicht mehr aus um diese neuen besseren Lösungen gemeinsam zu finden. Sich in lange vorher vereinbarten Meetings treffen ist zu wenig. Es bedarf einer ständigen Vernetzung. Die darüber hinaus geht sich nur zu treffen, wenn wirklich notwendig. Es bedarf Neugier, Mut und des Verständnisses, dass es ok ist, auch als Experte schon den ersten Entwurf mal ganz offen zu teilen und damit frühzeitig Feedback zu bekommen und reagieren zu können. 

Und in der heutigen Welt sind digitale Möglichkeiten vorhanden dieses unabhängig von Zeit und Ort zu tun. Das #ESN (Enterprise Social Network) und neue Technologien wie Office 365 bieten so viele neue Chancen. Ich kann mal eben den ersten Entwurf posten, einfach die Kollegen fragen „was meint ihr denn?“. Und ja, das braucht Mut. Mut nicht sofort die perfekte Lösung zu bieten, Mut auch kritisches Feedback anzunehmen und konstruktiv damit umzugehen. Mut einzugestehen, dass meine Idee zwar gut war, aber nicht den Bedarf getroffen hat. 

Und wir werden belohnt, mit wertschätzenden Netzwerken, Menschen die uns dabei helfen die richtige und bessere und wirklich passende Lösung zu finden. Wir werden belohnt dadurch dass wir nicht erst am Ende merken, dass die Idee zwar gut, aber nicht umsetzbar war, sondern damit das wir wirklich einen Mehrwert geschaffen haben. Und wir freuen uns über den Erfolg der anderen, die vielleicht mit meinem Feedback den entscheidenden Hinweis bekommen haben, um die Lösung zu finden. 

Deswegen lasst uns von Inseln sprechen und reisen, von anderen Lernen und Feedback geben, virtuell und digital und im direkten Gespräch, und lasst uns gemeinsam bessere Lösungen finden. Dann bin ich gerne auch auf einer Insel und stolz auf mein Team und unsere Zusammenarbeit mit den Kollegen. 

Nur im Silo, da möchte ich nicht sein. 

Inspiriert vom dem Dialogbild der DEVK 

Danke an Gesine Libor und Maike Hinkel 

Autorenprofil

Sebastian Kolberg arbeitet als Change Manager Digital Transformation für die Bayer AG. In dieser Rolle unterstützt er Menschen und Teams dabei sich gemeinsam auf die Reise zu machen um die Digitale Transformation zu gestalten. Ein Schwerpunkt ist die Business Transformation zu verstehen, Kollaborationen zu fördern, vertrauensvolle Netzwerke aufzubauen und gemeinsam den Status Quo mit Blick auf den Kunden in Frage zu stellen. Es beginnt damit das eigene Verhalten zu reflektieren, Experimente zu machen, aus den Erfahrungen im Netzwerk zu lernen und die eigene Weiterentwicklung des digitalen Mindsets in den Vordergrund zu stellen.  

Twitter: @KolSeb
Linkedin: https://www.linkedin.com/in/sebastiankolberg/

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