Julia Collard & Sven Schnitzler
Topsharing bei der Deutschen Bahn #2 – #netzwerktalk mit Carola & Kati

Topsharing bei der Deutschen Bahn #2 – #netzwerktalk mit Carola & Kati

Doppel fragt Doppel: 2 x 11 Fragen – 44 Antworten

Teil 2 – Julia fragt

1. Warum arbeitest Du „nur“ Teilzeit?

Carola: Ich liebe diesen Job, habe viel dafür gearbeitet. Nach zehn Jahren in der Managementebene ist aber auch klar, dass kann man nicht in Teilzeit machen. Deshalb Topsharing in Teilzeit. Ich habe Zeit für meine anderen Ideen, Freunde, Familie und zum Netzwerken und für mich selbst. Ich habe Geld gegen Zeit getauscht: #Zeitmillionäre #Zeitwohlstand

Kati: Weil ich in den vergangenen Jahren gemerkt habe, dass meine Position in der Managementebene mich aufgefressen hat. Ich war erfolgreich im Job, musste dafür aber privat Kompromisse eingehen und auch verzichten. Teilzeit gibt mir die Möglichkeit meine Work-Life-Balance in der für mich idealen Weise zu gestalten. Topsharing gibt mir die Möglichkeit trotzdem Verantwortung zu übernehmen und trotzdem eine Führungsposition zu bekleiden.

2. Würde Euer System auch mit 2 Vollzeitstellen laufen?

Carola: Es wäre bestimmt genug Arbeit für zwei Vollzeitstellen da, aber das würde niemand bezahlen.

Kati: Mit Sicherheit! Die Frage ist nur, ob jemand bereit ist das zu bezahlen. Aktuell kennen wir ein Tandem in unserem Konzern, die dies austesten wollen.

3. Was funktioniert auf einer Jobsharing Stelle gar nicht?

Carola: Ein Mensch der keine Macht abgeben kann und nicht akzeptieren kann, dass jemand anderes Entscheidungen trifft, die man nicht genauso getroffen hätte, ist als Sharing Partner nicht optimal. Aber jeder Mensch ist entwicklungsfähig wenn er das will.

Wer das alleinige Rampenlicht solch einer Position braucht ist ebenfalls nicht geeignet.

Kati: Eitelkeit, Machthunger, Geltungsdrang, Einzelkämpfer sein, Kompromisslosigkeit, unorganisiert sein, introvertiert sein, unempathisch sein um nur mal einige Eigenschaften oder Rahmenbedingungen zu nennen…

4. Was ist Euer sinnvollstes Informationstool?

Carola: Unser gemeinsamer Kalender, Tägliche Tagesschau-Zusammenfassung (dauert ca. 15min)

Kati: Outlook mit unserem gemeinsamen Kalender, unserem gemeinsamen Mailfile und OneNote sowie eine web-basierte Projektmanagementsoftware.

5. Seid Ihr schon einmal gegeneinander ausgespielt worden?

Carola: Versuche gibt es manchmal, aber weniger bösartiges Ausspielen, als Versuche eine als Verbündete für eine Sache zu finden. Wir haben von Anfang an eines klar kommuniziert: Ihr dürft Euch aussuchen mit wem Ihr sprecht je nachdem mit wem Ihr besser klar kommt. Das ist zugelassen. Dem zugrunde liegt unsere Erkenntnis, dass es nun mal Menschen gibt mit denen man besser oder nicht so gut „kann“.

Es muss aber jedem klar sein, dass wir beide dann darüber miteinander sprechen.

Manchmal merken wir natürlich, dass das nicht jedem klar ist 😉

Kati: Nicht wirklich. Wir haben versucht, diesen vermeintlichen „Nachteil“ proaktiv kommunizierend in einen Vorteil umzuwandeln, also der Gefahr des „Ausspielens“ durch Lösungsvielfalt zweier Führungskräfte, die aber zu 100% gegenseitig loyal sind, zu begegnen. Wir haben immer klar kommuniziert, dass diejenige Ansprechpartnerin ist, die gerade arbeitet. Wenn aber jemand aus bestimmten Gründen lieber mit der anderen sprechen möchte, dann kann er dies tun, muss sich aber bewusst sein, dass es zwischen uns, also Carola und mir, keine Geheimnisse gibt.

6. Worauf freust Du Dich freitags?

Carola: Auf mein Wochenende.

Kati: In meiner freien Woche auf das Wochenende, klar. Und in meiner nicht freien Woche auch wie ich gerade feststelle…

7. Wie viele Vorgespräche fanden statt, bis Ihr das offizielle GO seitens der Personalentscheider bekommen habt?

Carola: Ich habe das Konzept meiner Chefin, der Personalvorständin der DB Netz AG, in meinem Führungsdialog vorgestellt, dann gab es noch 2 Termine und eine Vorstandssitzung (wir haben beide Prokura, deshalb muss der Vorstand die Besetzung solcher Positionen genehmigen) und dann waren wir durch.

Kati: Unsere Chefin, die damals Carolas Chefin war, ist die Personalvorständin der DB Netz AG. Sie war sehr schnell sehr offen und hat uns ermutigt ein Konzept zu erarbeiten. Wir haben uns dann noch 1-2x getroffen und dann gab es eine Beschlussvorlage beim Vorstand der DB Netz AG, der dann sein GO gegeben hat.

8. Frauenquote ja oder nein und warum?

Carola: Ich war bislang kein großer Verfechter der Frauenquote, in meinem Umfeld waren zum Glück Frauen in Führung immer normal.

Die Umwelt und die Medien haben oftmals sehr schnell eine „Quotenfrau“ aus manchen Besetzungen gemacht.

Nach den Diskussionen der letzten Jahre scheint es mir aber notwendig zu sein. Ich halte allerdings mehr etwas von Quoten in Geschäftsführungen als in Aufsichtsräten. Denn dort werden die Entscheidungen getroffen. Ich lese viel dazu von der #albrightstiftung. Mit den Analysen kann ich mich identifizieren.

Kati: Klar ja! Ich habe letztens ein tolles Interview mit Sigrid Nikutta gelesen. Sie ist seit 2010 hier in Berlin Vorstandsvorsitzende bei der BVG, den öffentlichen Verkehrsbetrieben und war vorher auch Bahnerin.

Sie hat gesagt: „Es kommt darauf an, dass Frauen in Führungspositionen – und das beginnt in den untersten Ebenen – völlig selbstverständlich werden. Dies fängt in den Köpfen an. Und zwar in den Köpfen derer, die die Positionen besetzen, aber auch in den Köpfen der Frauen, die die Positionen wollen und sehr oft auch verdienen. Wir brauchen die Quote, nicht als Almosen, sondern als Chance. Und wenn dann eine völlig normale Gleichberechtigung herrscht, dann kommt die Frauenquote in die Geschichtsbücher – als eine Phase, die einst notwendig war.“

Manchmal braucht es eben eine „Anschubhilfe“ um Dinge zu verändern, das finde ich nichts Schlimmes. Es ist ja nur ein Türöffner weil unsere Gesellschaft eben noch nicht überall so weit ist – durchgehen und beweisen müssen sich die Frauen ja dann trotzdem alleine.

9. Was kann Deine Kollegin viel besser als Du?

Carola: Sie ist Juristin, ich überlasse ihr oftmals die knifflige Argumentationen und Auslegungsfragen von Gesetzen. Sie denkt einfach anders über Dinge, das allein macht sie so wertvoll in der Weiterentwicklung der Themen.

Wir sind beide unsere gegenseitigen besten Coaches.

Kati: Sie ist viel gelassener als ich und bremst meine Emotionalität manchmal gut ein. Und sie versteht die technischen Zusammenhänge des Infrastrukturgeschäfts besser. Ich genieße es von ihr zu lernen und so meinen Mentor und Coach auf Augenhöhe immer an meiner Seite zu haben.

10. Lebenslanges Lernen – woran machst Du das fest?

Carola: In meinem Job lerne ich jeden Tag dazu. Durch die Digitalisierung dieser Welt ist das für mich existentiell. Mein Kopf braucht immer neues Futter, sonst rostet er ein.

Kati: Am täglichen Leben? Wie soll man leben ohne etwas Neues dazu zu lernen? Das gilt doch beruflich genauso wie privat. Ich finde das so selbstverständlich in unserer sich so schnell wandelnden Zeit, dass ich die Diskussion darum schwierig finde. Aber vielleicht kommt es dabei auch auf die Definition von „Lernen“ an.

11. Jobsharing ist super weil…

Carola: Ich habe meine eigene Coachin, Metorin immer an meiner Seite und mehr Zeit für andere interessante Dinge des Lebens.

Kati: Tja, um es mit unserem Motto zu sagen: Jobsharing bzw. Topsharing ist Management 4.2, denn management fo(u)r two ist so viel mehr als (nur) die Summer zweier Führungskräfte! Der Mehrwert für mich persönlich sowohl privat als auch beruflich, für die Unternehmens- und Führungskultur, für die Attraktivität als Arbeitgeber usw. ist einfach unermesslich. Ich könnte da noch 1.000 Dinge mehr aufzählen …

Lieben Dank Ihr zwei!

Lust auf den ersten Teil? –

Hier geht es zu Svens Fragen & #1 des netzwerktalks mit Carola & Kati

Autorinnenprofil

Carola Garbe, 55 Jahre, Wirtschaftsingenieurin, seit 38 im DB Konzern. Seit 15 Jahren Führungskraft im HR Bereich.

Hat einen breites Netzwerk im Konzern und viele Bereiche in den unterschiedlichen Ebenen kennengelernt.

Catherine-Marie Koffnit, 44 Jahre, Juristin, seit elf Jahren im Deutsche Bahn Konzern tätig.

Übernimmt gerne Verantwortung, empfindet Change als Chance und ist HRlerin aus Leidenschaft.

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