Julia Collard & Sven Schnitzler
Topsharing bei der Deutschen Bahn #1 – #netzwerktalk mit Carola & Kati

Topsharing bei der Deutschen Bahn #1 – #netzwerktalk mit Carola & Kati

Doppel fragt Doppel: 2 x 11 Fragen – 44 Antworten

Teil 1 – Sven fragt

1. Was genau ist Deine Aufgabe?

Carola: Wir verantworten die Leitung des HR Bereiches des Regionalbereiches Ost der DB Netz AG, ca. 4800 Mitarbeiter in Berlin, MeckPom und Brandenburg. Dies organisieren wir mit einem 40köpfigen Team darunter 5 HR Leitern, den dazu gehörigen Business Partnern und Spezialisten für Beschäftigungsbedingungen, Gesundheitsmanagement, Personal- und Führungskräfteentwicklern, Poolfahrzeugmanagement, Arbeitszeitsteuerung, Personalcontrolling, Changemanagement, Nachwuchsmanagement.

Wir stellen pro Jahr ca. 100 Azubis und 350 Professionals und Akademiker ein.

Kati: Ich teile mir seit 03/2018 gemeinsam mit meiner Kollegin Carola die Personalverantwortung für knapp 5.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Regionalbereichs Ost der DB Netz AG, dem Infrastrukturunternehmen der Deutschen Bahn und wir sind beide Teil der Regionalbereichsleitung. Dabei führen wir als Topsharing-Tandem gleichberechtigt 18 Mitarbeiter (Leiter HR Partner und HR Spezialisten) direkt, das gesamte HR-Team sind 40 Mitarbeiter. Neben unserem klassischen Personalgeschäft haben wir uns die Etablierung neuer Arbeitsformen, offener Feedbackkultur und die Gestaltung von Zukunftsmodellen für das Top-Management auf die Fahnen geschrieben.

2. Wie habt Ihr Euch als Tandem gefunden?

Carola: Kati war von November 2015 an Leiterin der HR Partner für den Teil des Geschäftssitzes in Berlin und meine Vertreterin.

Wir haben uns gut verstanden und gemerkt, dass wir beide viel arbeiten und wir noch tausend andere Ideen haben, die wir neben dem Job nicht bearbeiten können.

Kati: Carola war seit 11/2015 meine Chefin und hat den Regionalbereich schon geleitet als ich zur DB Netz AG kam. Ich bin als Leiterin der HR Partner des Geschäftssitzes in Berlin eingestiegen, also quasi der Zentrale des Regionalbereichs, und relativ schnell ihre Stellvertreterin geworden. Wir haben schon damals sehr eng, sehr offen und sehr vertrauensvoll zusammengearbeitet und uns über viele Dinge ausgetauscht. Auch über unsere Work-Life-Balance. Oder besser gesagt über die nicht vorhandene Work-Life-Balance. Dann kam die Idee mit dem Jobsharing. Also waren wir eigentlich schon ein Tandem bevor das Jobsharing kam.

3. Was sind Deine 3 Stärken, die im Duo noch besser zum Tragen kommen?

Carola:

  • Ideen gemeinsam entwickeln und reflektieren
  • Ich habe ein gutes Netzwerk innerhalb des Regionalbereiches und außerhalb in den Konzern welches wir gemeinsam nutzen.
  • Durch meine jahrelange Erfahrung ist die Erstbetrachtung eines Themas bei mir sehr sachlich… gepaart mit Emotionalität ergibt das immer eine Lösung

Kati:

  • Sachverhalte zu analysieren und Entscheidungen zu reflektieren – im gemeinsamen Austausch ergeben sich dann teilweise ganz andere Ideen oder Lösungen
  • Bestehendes zu hinterfragen – gerade weil Carola schon vorher in der Position tätig war ist es wichtig auch offen über Bestehendes zu sprechen um ein gleichberechtigtes Tandem zu sein
  • Uneitelkeit – mir ist egal wer die Entscheidung trifft, ich bin an der Sache interessiert

4. Was reizt Dich so sehr an Jobsharing?

Carola: Ich habe Zeit zum Netzwerken außerhalb des Konzerns, kann Fachliteratur in Ruhe lesen und mich mit anderen austauschen, ich konnte mich weiterbilden zum Thema Weiterentwicklung von einer Wettbewerbs- zu einer Kooperationskultur (#Transkooption).

Natürlich habe ich auch mehr Zeit für meine Familie, ich bin ausgeglichener und voller Tatendrang für neue Ideen; davon profitiert das ganze Team.

Kati: Es ist für mich derzeit das perfekte Modell, um meinen Wunsch nach der Übernahme von Verantwortung mit den Wünschen nach mehr Freiraum und mein Privatleben selbst zu gestalten zu können, zu vereinbaren. Ich merke wie ich in meinem Privatleben wieder wissenshungrig werde, Dinge mache, die ich schon immer mal machen wollte, Zeit für Familie und Freunde habe und viel ausgeglichener bin. Außerdem merke ich, wie sich mein Umfeld sowohl beruflich als auch privat immer mehr mit dem Thema beschäftigt und Dinge sich auch im Unternehmen durch unser Modell verändern. Das gibt mir Motivation, denn ich sehe mich als HRlerin mit Herz und Seele als auch Vorreiterin für Veränderungen und Zukunftsfähigkeit in Unternehmen.

5. Worauf freust Du Dich montags?

Carola: Auf mein Frühstück mit Kati, die Kollegen zu sehen und wieder arbeiten zu können und mitgestalten zu können

Kati: Auf den ganzen Tag und insbesondere auf Carola, da wir uns ja tatsächlich nur noch einen Tag in der Woche sehen im Vergleich zu früher wo wir uns täglich gesehen haben! Morgens gehe ich immer 2h auswärts frühstücken mit Carola zur Übergabe der letzten Woche, dann haben wir den ganzen Tag gemeinsam Termine mit unseren wichtigsten direct reports bzw. Termine, die wir gerne gemeinsam machen wollen und abends haben Carola und ich die „Montagsfrauen“ gegründet und gehen immer noch zusammen den Tag ausklingen lassen ;-).

6. Was ist Dein Ziel für 2019?

Carola: Das Projekt ist jetzt beendet und der Vorstand hat beschlossen, dass wir es normal weitermachen können. Mein Ziel ist deshalb andere Jobsharing-Paare im Konzern zu beraten und das Thema Jobsharing als ein Instrument von New Work bekannt zu machen und voran zu treiben

Kati: Nachdem der Vorstand entschieden hat, dass wir ab 04/2019 kein Projekt mehr sind, sondern ganz normal in die Linie übergehen, möchte ich gerne das Modell im Konzern weiterverbreiten bzw. etablieren. Dazu gehört zB auch, dies bereits im Recruitingprozess entsprechend zu berücksichtigen und Tandem-ACs zu etablieren. Darüber hinaus wollen wir gerne anderen Interessierten Beratung durch uns als Praktiker anbieten und sie begleiten. Auch unsere Aktivitäten in den sozialen Medien würde ich gerne ausbauen, da ich davon überzeugt bin, dass je mehr Jobsharing-Begeisterte sich vernetzen, desto schneller wird Jobsharing zur Normalität. Und privat habe ich aus 2018 immer noch offene Ziele J wie zB endlich mein Spanisch zu verbessern…

7. Würde Dein Arbeitssystem auch mit einem Mann als Partner klappen?

Carola: 😉 natürlich.

Kati: Na klar!!!

8. Wie viele Vorgespräche zwischen Euch fanden statt, bis Ihr die Entscheidung getroffen habt zusammen zu arbeiten?

Carola: Da wir uns beide ja aus der Zusammenarbeit kannten, nur 3 Abende. Die restliche Zeit benötigten wir für die Konzepterarbeitung und Stakeholdermanagement

Kati: Das weiß ich gar nicht mehr genau, da das ja irgendwie ein fließender Vorgang war. Aber tatsächlich nicht viele. Vielleicht 2-3.

9. Was waren / sind Deine größten Bedenken?

Carola: Meine größten Bedenken waren, ob wir uns auch weiterhin gut verstehen, schließlich hatte ich den Bereich sechs Jahre allein geführt, da habe ich Entscheidungen getroffen von denen ich überzeugt war. Mein Wille war aber jetzt, dass wir diese mit dem Blick von Kati auf den Prüfstand stellen. Wir haben allen gesagt, alles ist möglich und die Mannschaft darf mitarbeiten bei der Gestaltung der Zusammenarbeit, Kommunikationswege usw.

Mein größtes Bedenken war ob ich Loslassen kann und Macht abgeben kann. Denn so habe ich es empfunden.

Es geht gut aber ist manchmal auch schwer. Die Chancen für die Zusammenarbeit und Kollaboration sind grenzenlos.

Kati: Am Anfang ob der Vorstand hinter uns steht und ob wir es schaffen die Mannschaft mitzunehmen bzw. nicht zu verlieren. Dabei hatte ich weniger Bedenken bei unserem eigenen Team als mehr bei unserem Führungsumfeld.

Und was uns beide betrifft, mehr die Bedenken, wie ich es schaffe, meine eigenen Akzente zu setzen ohne Carolas Wirken der vergangenen Jahre zu unterlaufen. Aber das ist der speziellen Konstellation geschuldet und sicherlich kein grundsätzliches Bedenken bei Jobsharing.

10. Was bedeutet Gleichberechtigung für Dich?

Carola: Jeder hat die gleichen Rechte und Pflichten im Job wie in der Familie.

Kati: Na wie das Wort schon sagt ;-), jeder hat die gleiche Berechtigung. Egal welches Geschlecht, welche Religion, welcher Herkunft usw. Egal in welchem Umfeld ob beruflich, familiär, sozial usw. Eigentlich finde ich den Artikel 3 des GG da schon sehr klar. Und ich versuche das auch so zu leben, beruflich wie privat. Ich finde das ist ein hohes Gut aber viel zu oft leider immer noch nur ein Lippenbekenntnis.

11. Twitter ist super weil…

Carola: Kati ist unsere Twitter Frau, ich nur bin nur Lesende. Ich finde auf Twitter Anregungen. Aber sonst ist es mir zu viel und ich stehe damit auf Kriegsfuß, davon kann doch wahrlich nicht unser Leben abhängen.

Kati: …man damit super schnell und unkompliziert mit Gleichgesinnten weltweit in den Austausch gerät. Ich habe damit erst im Rahmen unseres Topsharing-Projekts angefangen und bin immer wieder erstaunt, wen man alles kennenlernt und was sich für Horizonte öffnen.

Vielen Dank Ihr zwei für die erste Runde –

freut Euch auf #2 des netzwerktalks!

Autorinnenprofil

Carola Garbe, 55 Jahre, Wirtschaftsingenieurin, seit 38 im DB Konzern. Seit 15 Jahren Führungskraft im HR Bereich.

Hat einen breites Netzwerk im Konzern und viele Bereiche in den unterschiedlichen Ebenen kennengelernt.

Catherine-Marie Koffnit, 44 Jahre, Juristin, seit elf Jahren im Deutsche Bahn Konzern tätig.

Übernimmt gerne Verantwortung, empfindet Change als Chance und ist HRlerin aus Leidenschaft.

[Gesamt:1    Durchschnitt: 5/5]
Menü schließen