Julia Collard & Sven Schnitzler
Sichtbarkeit – wie digital seid Ihr?

Sichtbarkeit – wie digital seid Ihr?

Kann ein soziales Netzwerk so wertvoll sein wie „echte Menschen“?

Und welche Vorteile bringen Euch digitale Kontakte?

Verändert neue Kommunikation unser Verhalten?

Nur einige der Fragen, die uns in der letzten Woche umgetrieben haben. Tatsächlich purer Zufall, dass unsere Themenwoche zur (digitalen) Sichtbarkeit mit dem 30. Geburtstag des Internets zusammengefallen ist.

Gateway Website

Genau dieses Internet ist ein wunderbarer Gateway Richtung Sichtbarkeit  – und gleichzeitig ein Dschungel, in dem der Einzelne mal eben untergehen kann. Eine eigene Website um sichtbar zu sein? Wäre sicher zu den Startzeiten des Internets noch undenkbar gewesen. Heute gibt es unzählige Möglichkeiten. Was der eine für „Selbstdarstellung“ und fast schon überzogen extrovertiert hält, ist für den anderen völlig normal und eine gängige Art der Kommunikation. Wo früher nach dem Urlaub Bilder in Alben geklebt wurden, die heute im Kellerschrank verstauben, erstellt man heute einen Reiseblog, der nicht nur uns selbst, sondern bestimmt auch Dritten enorme Freude bereitet. Und nebenbei Wissen für den nächsten Trip teilt. Aber wie auch bei der (zweifelhaften) Work Life Balance verschwimmen bei der Gestaltung einer persönlichen Website die Grenzen zwischen Privatleben und Job, zwischen Marke und Markenbotschafter. Eine Website, die keine Menschen präsentiert, die nicht spricht, interagiert und Emotionen weckt, die macht uns nicht sichtbar.

Das eigene Business aufbauen und dafür Marketing machen? Durch eine Website viel einfacher, umfassender und flexibler. Der Kreativität kann freier Lauf gelassen werden. Wenn man denn auffällt im WWW – als kleines Licht neben den Top 20. Wie genau soll das gehen? Und um welchen Preis? Haben diese Influencer denn noch ein Leben hinter der Kulisse und macht man für Geld, Follower und Klicks wirklich alles?

Sichtbar zu werden mit der eigenen Website und in den sozialen Medien – das ist definitiv ein Schritt raus aus der Komfortzone. Und raus aus der (Twitter)Blase.

Diese Tipps haben wir mit und für Euch gesammelt:

  1. Sichtbar sein durch Teilen

Soziale Medien sind soziale Medien, wenn wir sie dazu machen. Klick um zu Tweeten

Eine unserer Lieblingsthesen. Kommunikation findet zwischen Menschen statt – da ändert das Medium gar nichts dran. Menschen, die nur senden, sich selbst darstellen und ohne Punkt und Komma reden, am besten noch über sich selbst, mit denen findet kein Gespräch statt, die hat man nicht gern dabei an einem gemütlichen Abend, die nerven irgendwann. Das gleiche gilt in den sozialen Medien – wenn wir in der Instagram Story eines Followers von 20 Minibalken in der Story erschlagen werden, dann schauen wir uns diese im Zweifel nicht mehr an. Twitter im Minutentakt über jede Gießkanne, an der man mit der Bahn gerade vorbeifährt? Führt nicht zu Interaktion. Vorteil der sozialen Medien: wir können Störenfriede abschalten. Das ist gleichzeitig auch das Risiko – stummgeschaltet zu werden.

Soziale Medien bieten eine wunderbare Möglichkeit Wissen zu erlangen aber eben nur, wenn wir auch bereit sind Wissen zu geben. Kommunikation findet immer in mindestens zwei Richtungen statt. Im Idealfall in Netzen, die unendlich viele Kommunikationspunkte haben.

Social Diversity statt Stellenbeschreibungskonformität Klick um zu Tweeten

Wenn wir also bereit sind Wissen, Zeit und Erfahrungen zu teilen, dann werden wir in sozialen Netzwerken sichtbar. Und zwar in jedem auf unsere ganz eigene Art. Auffallen durch Unterschiede. Das haben wir ja leider oft verlernt, weil Angepasstsein in so vielen echten Netzwerken opportuner ist. Das macht soziale Netzwerke für uns sehr stark!

Bei Twitter ist es das Fachthema, über das wir uns austauschen und das völlig ohne Hierarchie. Hier darf auch der Krümel den Keks fragen und sogar die Hochzeitstorte! Und noch besser: wir werden gehört. Nicht immer, aber in zunehmendem Maße, je intensiver und nachhaltiger wir teilen.

Bei Facebook geht es (immer noch 🙂 ) ganz oft um Termine & Veranstaltungen – teilt, was Ihr gerade in Eurer Umgebung treibt und Ihr werdet ganz schnell erfahren, was sich sonst so bewegt. Vom sozialen Netzwerk zur Veranstaltung um die Ecke. Je nach Fachthema der ganz schnelle Weg zum echten MeetUp.

Bei Instagram findet aktuell neben der bekannten „1.000 places to be und ich im Vordergrund“-Bewegung ein Umschwung statt: Ein Bild mit einem kurzen Input, eine Story als Hinweis auf einen neuen Blogpost, ein Dank an den Veranstalter eines spannenden Events. Instagram erlaubt ganz viel und ist auf dem Weg eine ganz bunte und frische Mini Content Plattform zu werden.

  1. Sichtbar sein durch Lernen

Das schließt unmittelbar ans Teilen an – denn es ist der schleichende Nebeneffekt.

„Wer teilt lernt.“

Klingt ganz einfach – ist es auch. Schnell also noch einen Artikel gelesen, den das Netzwerk empfohlen hat, einen Podcast für die Zeit auf dem Crosstrainer abonniert, Tipps für eine Fortbildung erhalten. Nur einige der vielen Ansatzpunkte, die die sozialen Medien zum modernen Brockhaus machen und noch weit darüber hinausgehen. Denn neben dem Wissen der vielen, denen man völlig gefahrlos eine Frage entgegenwerfen darf, gibt es auch den Experten, mit denen wir uns für ein Spezialthema zusammenschließen, für einen ganz speziellen Fall lernen.

Ob es journalistische Seiten sind, denen wir folgen, Menschen, die einfach aufgrund ihres unfassbaren Wissens oder ihrer Personality Lerneffekte auf uns haben, oder ob es der Link zu einer Fortbildung, dann wieder im Leben außerhalb des Netzes, ist. Soziale Medien sind unserer Meinung nach genau das Gegenteil dessen, als das sie so oft  verurteilt werden: Verdummungstools, die uns die Zeit stehlen und unsere Kinder unbeweglich und faul machen. Wenn wir sie sinnvoll einsetzen. Das gilt auch für die Lernzeit von klein auf. Zwischen dem öffentlichen Leben auf Instagram als Influencerkleinkind, dem leeren zur Schau stellen und der sinnvollen App für´s Vokabeltraining liegen eben Welten. Jedem das seine.

  1. Sichtbar sein für´s Business

Ganz klar: Unseren Job gäbe es ohne soziale Medien nicht. Sichtbar sein durch die Businesswebsite und in den sozialen Medien ist für uns damit erfolgsentscheidend. Aber auch hier gibt es unterschiedliche Strategien der Sichtbarkeit. Sie spiegeln ganz oft (idealer Weise!) den Charakter der Person(en) dahinter wider. Unser Dauersender vom Anfang wird auch in den sozialen Medien als solcher auffallen. Sichtbarkeit ist aber eben nicht Auffallen um jeden Preis. Qualität und Content setzen sich durch. Und damit müssen auch die Netzwerke passen. Nicht weil man unglaublich viele Follower hat macht man auch unglaublich gute Geschäfte – wir brauchen die richtigen Menschen um uns herum. Und die passende Umgebung.

Das offensive Angebot unserer Dienstleistung führt bei dem einen zu einem offenen Austausch, zu Kommunikation, Feedback und Diskussion. Der nächste wiederum fühlt sich vielleicht überrumpelt oder überfordert. Beziehungen aufzubauen funktioniert im Netz nicht anders als auf einer Messe oder in einem Meeting. Die einzelnen Schritte müssen wohlüberlegt sein, das Netzwerk sorgfältig ausgewählt und die Gründe für eine direkte Kontaktaufnahme relevant und recherchiert sein. Dann werden aus Followern Geschäftspartner.  Andere bleiben Sparringspartner, stille Zuhörer, Freunde, Bekannte – Netzwerke lassen jede Diversity zu!

CEO´s & Social Media

Nicht umsonst sind inzwischen auch die Chefetagen der DAX Konzerne auf den Social Media Trichter gekommen (wenn auch zögerlich, wie das Handelsblatt erst jüngst berichtete). Spezielle „Executive Enablement“ Programme machen den Top Manager für die sozialen Medien fit. Weil Menschen mit Menschen Geschäfte machen wollen. Nicht mit einem Werbeplakat und einem Slogan, den das Marketing zwar kreiert hat, der im Unternehmen aber nicht gelebt wird. Auch für den CEO bedeutet die Instagram Story eine ganz neue Herausforderung in Sachen Sichtbarkeit. Das lässt ihn, wenn es denn seriös und spannend gemacht ist, auch noch einmal ganz neu sichtbar werden!

Der sehr wertvolle Effekt für die, denen das Dauersenden gar nicht liegt und die sich in der Masse lieber im Hintergrund halten: die eigene Website kann, und genau darin liegt die Stärke des Designs und überzeugender Inhalte, oft viel besser besonders introvertierte Menschen mit allen Vorzügen ins Rampenlicht stellen. Weil sie durch ihre Leistung überzeugen können, was in Pitches, im hektischen Vertriebsgeschäft, im Businessdschungel, in dem die, die eh schon in der ersten Reihe stehen, immer wieder den Zuschlag , um ein Vielfaches anstrengender sein kann, wenn man nicht gerne offen Im direkten Konkurrenzkampf um Aufmerksamkeit buhlt. Soziale Netzwerke erlauben neue Geschäftskombinationen.

  1. Sichtbar sein für´s Ego

Wenn uns vor drei Jahren jemand gesagt hätte, dass wir uns mit Social Media Beratung und Websites zum Personal Branding selbstständig machen – wir hätte vermutlich ziemlich schräg geguckt. Aber tatsächlich geben soziale Netzwerke genauso wie die echten (hoffentlich nicht weniger sozialen) auch Mut. Sie erlauben zeit- und ortsunabhängig den Aufbau von Kontakten. Sie sind damit irgendwie auch schon die Organisationsform für die Arbeit der Zukunft. Und mit jedem Schritt, den man sich mehr traut, bekommt man auch mehr zurück. Das ist unsere eindeutige Erfahrung. In unserem Job werden wir oft für genau die Qualifikationen geschätzt, für die wir eingestellt wurden. Ein Blick über den Tellerrand ist in seltenen Fällen möglich. Wie oft ist es uns im letzten Jahr in Diskussionen begegnet, dass Arbeitnehmer sich unglaublich engagiert weiterbilden, neben dem Job tätig sind und der Arbeitgeber es einfach nicht sieht, vermeintlich nicht braucht.

Soziale Netzwerke sehen uns. Mit unseren Artikeln, die wir schreiben, mit Workshops, die wir anbieten, mit den Urlaubsfotos, die wir gemacht haben. Und für all das Lob zu bekommen – wem würde das nicht gefallen? Es ist ja ein bisschen auch eine „Blind Audition“, mit der wir uns einem riesigen Publikum stellen. Auf der anderen Seite einem vielleicht eigentlich fremden Menschen einen Dank für seinen Input zurückzugeben – das ist das einfachste der Welt. Wir haben die Chance im Netz neu gesehen zu werden. Umfassender und authentischer.

In sozialen Netzwerken können Grenzen zwischen Megaplayer und StartUp verschwimmen. Das bietet enorme Möglichkeiten in allen 4 genannten Punkten. Dafür muss man nicht die eigne Website jeden Tag umbauen – aber immer aktuell und individuell halten.

Die 4 Tipps & dann läuft es?

Welcher Kanal ist ideal? Den ultimativen Erfolgstipp gibt es nicht – oder vielleicht doch: Der Kanal muss zu Euch passen. Er muss ins Leben integriert und selbstverständlich sein. Dann habt Ihr auch nicht plötzlich das Digital Detox Bedürfnis. Sichtbarkeit ist nichts, von dem man mal eine Pause machen kann. Wobei nachhaltige Beziehungen natürlich durchaus die Urlaubspause verkraften. Aber sie freuen sich auch über das Pic aus dem Urlaub. Soziale Netzwerke wollen Menschen komplett kennenlernen. Die Grenze zieht Ihr selbst. Aber nehmt es als Chance, nicht als Bedrohung! Ihr macht doch auch keine geplante Pause von Euren Freunden, oder?

Und damit verabschieden wir uns jetzt von der Trennung sozialer und echter Netzwerke.

Netzwerke sind Beziehungen von Menschen mit unendlich vielen Knotenpunkten. Klick um zu Tweeten

Sie bedienen sich unterschiedlicher Tools. Und wir entscheiden, welches unseres ist mit einer authentischen und verträglichen Dosis.

Genau wie wir nicht jedem Menschen auf der Straße unser Innerstes präsentieren, um sichtbar zu sein, so machen wir das auch im Netz nicht.

Gleiche Umgangsformen für gute Beziehungen. Wir wollen authentisch digital sichtbar sein – weil es Teil unseres Lebens ist. Ohne geht es nicht. Für uns.

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