Julia Collard & Sven Schnitzler
Präsenzlehre in Zeiten von E-Learning spannend gestalten

Präsenzlehre in Zeiten von E-Learning spannend gestalten

#34 Gastbeitrag von Mareike Brensing, BuGaSi GmbH

„Lebenslanges Lernen“ wird uns wie ein Mantra gepredigt. Und es stimmt: Kontinuierliche Weiterbildung ist in Zeiten des digitalen Wandels ein ständiges Bedürfnis auf allen Ebenen und in allen Altersgruppen. In den Schulen werden vermehrt Tablets und digitale Whiteboards eingesetzt, über deren Mehrwert noch gestritten wird. Und sind wir erst der Schule entflohen, begegnet uns die Digitalisierung in fast jedem Beruf. Auch im Privatleben sind unsere digitalen Helferlein kaum noch wegzudenken. Für die meisten steht bereits fest, dass die digitalen Medien neue Potenziale bieten.

Doch zu gewinnbringendem Nutzungsverhalten gehört mehr als zu wissen, wie ich die Technik bediene. Das Ziel von Bildung ist es heute nicht mehr möglichst viel Fachwissen anzuhäufen, erfahren wir von Prof. Dr. Birgit Spies. Mehr denn je geht es darum, die Mittel und Wege zu kennen, wie wir unser Wissen generieren, aktualisieren, filtern und ausbauen können.

Warum Präsenzseminar, wenn auch E-Learning geht?

Sich und andere zielführend weiterzubilden ist auch für Lehrende eine Herausforderung. In der Erwachsenenbildung wird beispielsweise vermehrt auf E-Learning gesetzt. Wir gehen automatisch davon aus, dass selbstbestimmtes Lernen für jeden das beste Mittel der Wahl ist. Es gibt ja schließlich viele Faktoren, die dafürsprechen: Orts- und Zeitunabhängigkeit. Eigenes Lerntempo. Kostenreduktion. Abwechslung. Gamification. Austausch durch digitale Kommunikation.

E-Learning bringt allerdings auch einige Schwierigkeiten mit sich. Sei es ein schwächelnder Internetzugang, mangelnde Selbstlernmotivation, oder das Bedürfnis nach direktem Austausch und Feedback. Der Psychologe Dr. Jan Kalbitzer beschreibt, dass es Menschen leicht fällt andere Weltsichten digital einfach wegzuwischen. Im direkten Kontakt zu jemandem ist das hingegen nicht so einfach, so dass wir dabei eher den Blick über den Tellerrand hinauswagen. Eine gute Wahl für eine gelungene Fortbildung kann daher trotz digitaler Möglichkeiten auch heute noch das Präsenzseminar sein. Wir befragten Seminaranbieter und -besucher, was ein wirklich gutes Seminar ausmacht und fanden folgendes heraus:

Kriterien für ein richtig gutes Seminar

  • Thematische und organisatorische Vorbereitung

Ein erster Schritt sicher und zuversichtlich in die Veranstaltung zu gehen, sowohl für den Trainer als auch die Teilnehmer.

  • Definierte Lernziele

Thematisch sollte allen Beteiligten klar sein, was zu erwarten ist. Der Trainer hat die zielgruppenspezifischen Anforderungen im Blick. Aber nicht vergessen: Auch anders denken zulassen. Aus Unerwartetem entsteht Innovation.

  • Atmosphäre und Spaß

Trainer und Teilnehmer sollten sich schon wohl fühlen, um Wissen zu vermitteln oder aufzunehmen. Dabei dürfen soziale Interaktion und Humor nicht zu kurz kommen, denn sie sind der beste Garant für Motivation!

  • Pausen und Verpflegung

Sie fördern zum einen die Atmosphäre und geben die Möglichkeit neu erlerntes sacken zu lassen. Aber auch organisatorisch können Pausen ausschlaggebend sein. An- und Abreisezeiten zu berücksichtigen ist beispielsweise so ein Faktor.

  • Methodenmix (unbedingt mit Praxisbezug!)

Glücklicherweise rücken alle Befragten vom Frontalunterricht ab und plädieren auf offene, aktive und persönlich geprägte Formate. Man setzt auf einen lockeren, kommunikationsfördernden Einstieg.

  • Material-/Medienmix

Um die Veranstaltung spannender zu gestalten, wird gern auf verschiedene Arbeitsutensilien zurückgegriffen. Der Kreativität keine Grenzen setzen!

  • Flexibilität

Der Trainer sollte immer offen für Fragen und Ideen, aber auch unterschiedliche Lerntypen sein. Individuelle Unterstützung ist gefragt.

  • Nachhaltigkeit

Fakten sollten auf dem aktuellen Stand und auch nach dem Seminar noch abrufbar sein. Erfahrungslernen und Wiederholungsübungen können helfen, das Gelernte zu verinnerlichen.

  • Feedback

Auch für den Trainer ist jedes Seminar ein Lernprozess. Im Gruppengespräch oder durch anonyme Feedback-Umfragen lassen sich der Erfolg des Seminars und die Verbesserungsmöglichkeiten ermitteln.

Mein Bonustipp:

Präsenzseminar heißt nicht, dass digitale Mittel ausgeschlossen werden müssen. Im Gegenteil: Etwa für die praktische Vor- und Nachbereitung eines Seminars sind E-Mails, Online-Umfragen, E-Learning, Gruppenchats und Feedback-Tools Gold wert. Und auch während des Seminars können wir Technik, über die PowerPoint-Präsentation hinweg zielführend einsetzen, um den gemeinsamen Lernprozess zu bereichern.

Der genaue Blick auf die Methode am Beispiel Fort Fantastic

Eine Möglichkeit die genannten Erfolgskriterien für ein Seminar zu vereinen, möchte ich nun näher vorstellen. In Zusammenarbeit mit Professoren und Studierenden der Hochschule Bochum hat BuGaSi die computergestützte Simulation Fort Fantastic entwickelt, bei der nicht nur ein ausgefallener Materialmix, sondern auch eine ganz besondere Lernmethode eingesetzt wird: Kooperatives Erfahrungslernen im Planspiel.

Bei Fort Fantastic übernehmen mehrere Teams jeweils einen etwas ramponierten, simulierten Freizeitpark. Sie müssen die Betriebsbereitschaft sichern und verbessern, um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Dabei macht jeder Teilnehmer zunächst seine eigenen Erfahrungen, die in Feedbackrunden und einer Abschlussdiskussion konsolidiert werden. So erarbeiten die Teilnehmer gemeinsam die Lernbotschaften, statt sie von einem Dozenten vorgebetet zu bekommen. Unterschiedliche Lerngebiete können eingeflochten werden: Change-Prozesse begleiten, neue Mitarbeiter einarbeiten, Soft Skills trainieren, Führungskräfte fortbilden – all das ist genauso möglich, wie Fachinhalte (etwa Prozessmanagement oder IT Service Management) zu thematisieren.

Die User Experience in der Weiterbildung abseits des Bildschirms

Durch eigene Verantwortungsfelder und Erfahrungen wird bei dem Planspiel jeder der Lernenden gefordert und selbst aktiv. Dabei kann der Einzelne oder das Team auch schon mal scheitern und hat die Chance aus den Fehlern zu lernen. Der Trainer leitet das Geschehen nur an, greift aber nicht direkt ein. Das lockert den Lernprozess auf und gestaltet ihn spannender, als Frontalunterricht. Außerdem: Fast jeder spielt gerne und ist daher offen sich auf Fort Fantastic einzulassen.

Das Grundprinzip bei diesem Planspiel liegt auf der Annahme, dass wir Dinge die kaputt sind, reparieren wollen. Motivation und Engagement sind dadurch von vornherein gegeben und werden durchgehend von dem Gefühl bestärkt, eigenständig Verbesserungen zu bewirken. Die Komplexität wird kontinuierlich gesteigert. So kann es, wie im wahren Arbeitsalltag auch schon mal stressig werden. Der Trainer kann den Schwierigkeitsgrad ebenso wieder nach unten anpassen, um beispielsweise einen sanften zufriedenstellenden Abschluss zu generieren. So bleibt das Seminar mit seinen Kernbotschaften in guter Erinnerung.

Fazit: Präsenz kann auch heute zeitgemäß sein

In dem Buch „Creative Company“ stellen die Autoren Dirk Dobiéy und Thomas Köplin heraus, dass wir uns im Umgang mit den Herausforderungen unserer Zeit einiges von Künstlern abschauen sollten. Denn Künstler haben die Gabe, aus dem was ihnen gegeben ist, Neues zu formen. Malt er einen falschen Strich oder spielt eine falsche Note, betrachtet er das gar nicht als Fehler, sondern macht eine neue Komposition daraus.

Auch bei einem Planspiel wissen wir nie ganz genau, wie es sich im Verlauf des Seminars entwickeln wird. Die erarbeiteten Ergebnisse könnten andere sein, als der Trainer erwartet hat, da es kaum Vorgaben gibt. Fest steht jedoch, dass auch bei Fort Fantastic die Teilnehmer gemeinsam kreativ und experimentierfreudig wie Künstler werden. Nur so können sie gemeinsam mit Missständen umgehen und ihre Prozesse kontinuierlich optimieren.

Der direkte Austausch spielt dabei eine zentrale Rolle. Denn wie im wahren Arbeitsalltag, wird das Handeln der Teilnehmer nicht nur von Fachwissen, sondern auch Emotionen beeinflusst. Soft Skill-Kompetenzen oder -Schwächen, die sich dabei offenbaren, können die Beteiligten in den Feedbackrunden bei sich selbst und anderen reflektieren. In einer Einzelsimulation oder einem rein digitalen Format ließe sich die soziale Ebene menschlicher Zusammenarbeit nicht annähernd so gut erleben.

Hast du Fragen zu unseren Seminarformaten, oder möchtest Fort Fantastic mal ausprobieren? Ich organisiere dir gerne eine unverbindliche, kostenlose Online-Demo mit unserem Trainer Marc Weißel. Wir freuen uns von dir zu hören!

Mehr Infos: https://de.bugasi.de/

Twitter: https://twitter.com/BuGaSiGmbH

E-Mail: info@bugasi.de

Autorinnenprofil

Mareike Brensing ist
Online-Redakteurin der
BuGaSi GmbH. Diese  entwickelt innovative Lernformate wie Unternehmenssimulationen, Blended Learning- und E-Learning-Formate. Sie ist bin bei BuGaSi für gestalterische Aufgaben und alle Kanäle im Internet verantwortlich. Dazu stürzt sie sich beispielsweise jeden Tag aufs Neue in die Social Media Landschaft und bloggt über Themen rund um Digitalisierung und Lerninnovationen.

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