Julia Collard & Sven Schnitzler
Papa/Mama, was ist eigentlich Dein Beruf?

Papa/Mama, was ist eigentlich Dein Beruf?

Die Frage stellt wohl jedes Kind einmal – spätestens wenn das Thema „Berufe“ in der Schule drankommt. Und auch sonst ist in vielen Kennenlernrunden irgendwann das Thema nach dem Job eines, über das man sich austauscht. Weil es klassischer Weise zum Alltag von Menschen dazu gehört, einen Beruf zu haben. Inclusive „passender“ Ausbildung. Und einer aussagekräftigen Betitelung.

Rollen & Hüte

Wir haben in unseren Job ganz verschiedene Hüte auf – bleiben wir erst mal bei dem Bild. Je nachdem, in welcher Rolle wir gerade sind, könnten wir uns auch immer wieder unterschiedliche Berufsbezeichnungen geben. In vielen davon haben wir keine klassische Ausbildung gemacht, sondern sie durch Erfahrung, Spaß, Engagement, vielleicht auch Zufall oder „Not am Mann“ dazu gewonnen.

Ging es früher um die Frage nach dem passenden Führungsstil, setzen wir uns heute verstärkt mit uns und der Situation auseinander. Ein bisschen wie Schauspieler in der Rollenfindung – nur dass wir mindestens so überzeugend, echt und authentisch sein müssen, wie die Besten ihres Faches. Gute Schauspieler spielen nicht, sie leben. Parallel darf es auch in der Führung nie darum gehen, nur etwas vorzuspielen. Mit Zunahme der Rollen ist das situativ auch kaum mehr möglich, ohne aufzufliegen.

HR oder Marketing?

Auf Twitter zum Bespiel wird man uns der Berufsgruppe „HR“ zuordnen. Das sind dort die Themen, die wir diskutieren, über die wir nachfragen und um Rat gebeten werden. Twitter mit all seinen unendlichen Informationsquellen hinter den 280 Zeichen ist der Ort, über den wir unser Personalwissen täglich aktualisieren und uns hinterfragen. Weil der Bereich HR und Personal mit der Übernahme zweier neuer Teams der relevanteste in unserem Job geworden ist. Weil wir aktiv mitsteuern möchten und nicht im wichtigsten Bereich von einer anderen Abteilung abhängig sein wollen, wo Zahnräder (noch) nicht perfekt ineinander greifen. Neue Führung ist immer auch HR – umgekehrt gilt das nicht immer.

Klassische Chefs?

Für die Trainees in unserem Team sind wir die Chefs – und das meinen sie durchaus positiv. Sie brauchen eine Führungsperson (in unserem Fall bekommen sie gleich zwei), die sie fragen können, von der sie lernen können und merken dabei gar nicht, wie viel wir umgekehrt lernen. Wir sind Motivator, Ausbilder und Nachhilfelehrer in einem. Zugleich sind wir diejenigen, mit denen sie die neusten Marketingtrends und ihre Ideen diskutieren. Irgendwas zwischen Personalauswahl, Ausbildung, Erziehung und Marketingleitung.

Mentoring

Für die Nachwuchskräfte im Team sind wir Mentoren – wenn gewünscht – und Partner, wenn es um die erste Orientierung im Job geht. Berater und Zuhörer und ein bisschen der doppelte Boden bei den ersten eigenen Projekten. Wir sind mit im Projektteam, Sparringspartner und können Erfahrungen weitergeben. Und selbst neue sammeln. Personalentwickler, Karriereberater, Marketingmitarbeiter,

Für die anderen Abteilungen – ja, es gibt über unseren Bereich hinaus noch ganz schön viele Silos – sind wir die „mit den bunten Bildern“, die an den Wochenenden auf den Messen unterwegs sind.

Querdenker?

Für die Professoren je nach Beziehung Kollegen für den Austausch über Trends und Fachthemen auf Marketing- oder wissenschaftlicher Ebene, manchmal aber auch die Quertreiber, die das regelmäßige Vorlesungsschema durch neue Studiengänge und Marketingideen ins Wanken bringen. Wissenschaftler, Querdenker, Ideengeber.

Für die Geschäftsführung sind wir – auch hier je nach Lage – Austauschpartner zu Strategie und Entwicklung oder einfach Angestellte, die gute Zahlen liefern sollen und ihren Job (Marketing und Vertrieb) machen. Sandwich, Strategieentwickler, Vertriebler

Es ist nicht mehr „der Beruf“

In vielen Bereichen des Jobs werden uns also auch Rollen zugeschrieben, die wir uns nicht aktiv ausgesucht haben – was nicht heißt, dass wir sie nicht ausfüllen wollen. @KristinaFassler hat dazu wunderbar geantwortet: „Fremdele mit dem Bild verschiedener Hüte. Letztlich ist man im besten und – wie ich finde richtigen – Fall man selbst und dieser Hut ist dann einzigartig.“ Die verschiedenen Hüte werden also idealer Weise zu einem und damit zu unserem Job. Nur hat der keinen klassischen Titel mehr, mit dem wir die Ausgangsfrage beantworten können. Darauf wird sich auch Schule einstellen müssen, wenn unsere Kinder ganz exotische Jobbezeichnungen in den Sitzkreis werfen.

Traumjob?!

Und dann kann aus ganz viele einzelnen Rollen und Hüten auch noch ein anderer Antrieb entstehen. Oder ein Projekt, um innerhalb des Teams auch einmal neue Methoden auszuprobieren. Den eigenen Mut beweisen. Für noch was Neues. Eigene Wege schaffen und Spuren hinterlassen. Darum sind wir seit gestern auch noch Geschäftsführer unseres eigenen StartUps. Mit Zielen, Motivation, Verknüpfungen zu allen anderen Rollen und der Vervollständigung des Gesamtbildes, das wir von einem „Traumjob“ haben.

Und das kann dann in der Schule auch wieder ganz leicht erzählt werden. Auch wenn die gesamte Komplexität unserer heutigen Tätigkeiten sich bei den meisten Menschen nicht (mehr) in eine (bekannte) Berufsbezeichnung packen lässt. Aber das gilt ja für unsere Rolle als Mutter oder Vater passender Weise genauso!

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