Julia Collard & Sven Schnitzler
Nur Geld war gestern – Attraktive Arbeitgeber zahlen in neuen Währungen
Vergütungssysteme

Nur Geld war gestern – Attraktive Arbeitgeber zahlen in neuen Währungen

In meinen unterschiedlichen Rollen als Leiterin Unternehmensentwicklung & HR als auch als beratende Anwältin erlebe ich fast täglich, wie sich Unternehmen hart anstrengen, um neue Mitarbeiter zu gewinnen und  diese möglichst langfristig zu binden. Dabei geht es nicht nur um „irgendwelche“ Mitarbeiter – nein, es sollen die „besten“ Mitarbeiter sein. Mitarbeiter, mit denen Unternehmen glauben die Herausforderungen einer globalen Wirtschaft und digitalen Zukunft bewältigen zu können.

Verbundenheit ist nicht käuflich

So wie sich ein Wandel in unserer Arbeitswelt weg von stark repetitiven und damit wenig attraktiven Aufgaben hin zu kreativen und schöpferischen Gestaltungsaufgaben von Mitarbeitern vollzieht, so verliert zunehmend auch der Ansatz eines rein finanziell geprägten Vergütungssystems seine Wirkung.

Doch wenn eine hohe Vergütung der einzige Grund ist, in einem Unternehmen tätig zu sein und zu bleiben, dann ist auch die  Verbundenheit zum Unternehmen ausschließlich auf finanzielle Motive gegründet. Was nichts anderes bedeutet, dass sobald ein anderer Arbeitgeber ein höheres Gehalt zahlt, der Mitarbeiter dann wohl zu diesem anderen Arbeitgeber wechselt. In letzter Konsequenz ist „das Finanzielle“- auch aus Sicht des Arbeitgebers – also keine wirklich verlässliche Grundlage für eine starke längerfristige Beziehung und Verbundenheit zum Unternehmen.

Diesem Phänomen bin ich nun näher auf dem Grund gegangen und habe mich gefragt, wie denn eine Vergütung sein muss, damit sie damit eine getragene Verbundenheit schafft. 

„NewWork braucht „neue Währungen“

Schon aus den oben genannten Gründen, aber auch weil sich unsere bisher eher tradierten  Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen aufgrund veränderter Rollen weiterentwickeln und gleichzeitig vermehrt unterschiedliche individuelle Wünsche und Forderungen der Arbeitnehmer bedient werden dürften, bedarf es auch weiterer – und zwar wesentlich vielfältigerer – Lösungen für das Thema Vergütung. „Neue Arbeit“ fordert dies konsequenterweise ein. Wir können nicht einerseits über Augenhöhe, Auflösung von Arbeitsorten, flexible Arbeitszeiten, anspruchsvolle Arbeitsaufgaben als „Neue Arbeit“ sprechen und andererseits dabei die Vergütungssysteme so belassen, wie sie klassisch sind. Auch Vergütung muss im Sinne von einer „Neuen Arbeit“ „agil“ werden und kann dabei den bisher schon verfügbaren rechtlichen Handlungsspielraum ausschöpfen.

Zukünftig brauchen Unternehmen verstärkt Systeme, die einerseits die finanziellen und die – mindestens genauso wichtigen – nicht  finanziellen individuellen Bedürfnisse von Mitarbeitern erfüllen und zum anderen natürlich  die betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten des Unternehmens berücksichtigen und sichern.

Wenn es gelingt, entsprechende Systeme zu implementieren, dann kann dies wertvolle Auswirkungen auf die betriebliche Atmosphäre haben: so können dann auch regelmäßige Impulse entstehen, die z.B. dazu beitragen können, die in Belegschaften stets vorhandenen Unzufriedenheiten oder sogar auch Ängste (Existenzangst, Zukunftsangst, Angst vor Kontrollverlust…) zu mildern.

Unternehmen als „positive Emotionswelt“

Das alles eröffnet die Chance bzw. setzt voraus, nicht nur den Blick auf die „neuen Wünsche“ und Bedürfnisse der Beschäftigten zu erweitern sondern hier  auch gerade nicht-monetäre Anreize stärker in den Fokus zu nehmen, die diesen Wünschen und Bedürfnissen gerecht werden können. Das Unternehmen als eine „positive Emotionswelt“ gestalten.

Dafür bedarf es einer richtigen Mischung aus monetären und nicht-monetären Komponenten.

Die Mischung macht´s

Doch was ist nun die richtige Mischung? Diese exakt zu finden wird wohl nicht pauschal für jedes Unternehmen gleich zu beantworten sein sondern von den jeweiligen  Mitarbeitertypen und auch deren  Wünschen und Bedürfnisse  abhängen. Wir Menschen ticken nun mal alle anders… Bedeutet dass, dass ich als Arbeitgeber nun für jeden Mitarbeiter ein ganz eigenes Modell stricken müsste? Das wäre vom Aufwand wohl kaum zu leisten. Doch ganz ohne Veränderung wird es nicht gehen: Für Unternehmen bedeutet dies, wesentlich flexibler zu werden, was ihre Vergütungssystematiken anbelangt. In meinen Recherchen hat sich gezeigt, dass gerade Faktoren, die vor allem keine klassischen  Gehaltsbestandteile sind gegenwärtig einen enormen Einfluss auf die Entscheidung von Arbeitnehmern zu welchem Arbeitgeber sie gehen bzw. bei welchem sie auch bleiben.

Insofern bieten sich hier für Unternehmen gerade jetzt neue Chancen, Mitarbeitern Vorteile zu gewähren – Vorteile also als eine Art Währung – die auf die Organisationsgestaltung, bestimmte Arbeitsweisen und besondere Formen der Zusammenarbeit bzw. auch kulturelle Faktoren zurückzuführen sind. Das können agiles Arbeiten, mobiles Arbeiten, Innovation Labs, selbstorganisierte Teams, #NewPay, flexible Arbeitszeiten, Arbeitszeitautonomie, etc. sein. Es handelt sich also um Vorteile, die man sich mit Geld nicht kaufen kann, die aber dafür entscheidend sein können, ob sich ein Mitarbeiter im Unternehmen wohl fühlt.

Fazit

Wollen Unternehmen also zukunftsfähig werden oder bleiben, setzt dies eine genaue Kenntnis der Wünsche und Ansprüche der  Mitarbeiter voraus, um diese für sich zu überzeugen und nachhaltig zu gewinnen. Und nicht nur das: die Unterschiedlichkeit bzw. die Individualität der Bedürfnisse nimmt auf beiden Seiten zu und geht  über die herkömmliche und legitime gegensätzliche  Interessenlage zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern hinaus.
Es wird daher nicht (mehr) „die eine richtige Lösung“ geben sondern vielmehr bedarf es Vergütungssysteme mit verschiedenen bzw. multiplen  Vergütungsangeboten, die hier den vielfältigen unterschiedlichen Begehren und Ansprüchen gerecht werden.

Wenn es mehr interessiert, wie das konkret gehen kann, welche Bedürfnisse von welcher „Währung“ erfüllt werden können und was sich hieraus auch für Vorteile für Mitarbeiter und Unternehmen ergeben, - das findet sich in ausführlicher Darstellung in meinem neuen Buch
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