Julia Collard & Sven Schnitzler
#Netzwerktalk – 10 Fragen an Kenza Ait Si Abbou Lyadini

#Netzwerktalk – 10 Fragen an Kenza Ait Si Abbou Lyadini

#52 Interview mit Kenza, Senior Manager Robotics & Artificial Intelligence (AI) bei der Telekom AG

 

Kenza Ait Si Abbou Lyadini viel weniger komplex dürfte Dein Name auch auf keinen Fall sein – denn genau so viele Facetten spiegelst Du in einer Person wieder. Wir freuen uns sehr, ein paar Deiner vielen Talente im #netzwerktalk ein kleines bisschen genauer beleuchten zu dürfen!

1. Frisch gekürte Gewinnerin des Engineer Power Women Award – wofür steht die Auszeichnung und was stellst Du damit nun an?

Kenza: Ich sehe die Auszeichnung als große Anerkennung für meine Arbeit und vor allem als Bestätigung, dass ich mit meinem Engagement richtig liege und dieses fortführen sollte. 

2. Geboren in Marokko, Bachelor in Spanien, Master in Berlin – erklär uns bitte kurz die Stationen (wobei Du dir den Geburtsort vermutlich nicht aktiv ausgesucht hast) 

Kenza: ja! Der Geburtsort und die Eltern sind das einzige was wir uns nicht aussuchen können, alles andere können wir beeinflussen. 

Warum Spanien? Das war fast ein Zufall. Ich wollte eigentlich in die USA und hatte jahrelang Englisch gelernt und mich für ein Studium dort vorbereitet, aber finanziell konnten meine Eltern das nicht stemmen. Als ich im Abijahr war, hat uns ein Freund von meinem älteren Bruder besucht, er studierte in Spanien und so entschied ich mich für Spanien. Mit dieser Entscheidung bin ich heute noch sehr glücklich. Deutschland kam später, weil ich meine deutschen Sprachkenntnisse verbessern wollte und dasselbe hat mich nach China gelotst. 

3. China nicht zu vergessen – was macht den Reiz an der chinesischen Sprache aus? Was kennzeichnet die Projektarbeit dort?

Kenza: ich wollte unbedingt eine neue Schrift lernen, zuerst dachte ich an japanisch aber dann wurde es Chinesisch. Hinter den Schriftzeichen versteckt sich die chinesische Kultur, das finde ich faszinierend. Da es eine BILD Sprache ist, drückt man die Emotionen bildlich aus. Zum Beispiel: das Wort „Achtung“ wird im chinesischen als „kleines Herz“ geschrieben und das ist weil wenn wir Angst haben, unser Herz sich zusammen zieht. D.h. Wenn man die Schrift lernt, lernt man ganz viel über die Kultur und darüber wie die Chinesen denken, das finde ich einzigartig.

Diese Vorbereitung auf eine Projektarbeit in China war schon einmal sehr gut, aber leider nicht ausreichend. Obwohl ich mit meinen Mitarbeitern Chinesisch gesprochen hatte, gab es immer Momente wo ich überrascht war, dass wir doch anders denken. Meine größte Erkenntnis aus China ist: „Common Sense is NOT Common!“

Ich habe dort gelernt alles in Frage zu stellen, nichts für selbstverständlich zu halten und viel Geduld zu haben, das war wie ein Meditationskurs on the Job J.

4. Deine aktuelle Position (genau seit einem Jahr nun – Glückwunsch!) Senior Manager Robotics & Artificial Intelligence (AI) – dagegen klingt Digitalisierung altbacken. Wie sieht Dein Arbeitsalltag aus – falls es den gibt?

Kenza: ja tatsächlich sehr unterschiedlich! Meine Rolle liegt daran unsere Kollegen dabei zu beraten was Robotics und KI sind und wie Diese Technologien dabei helfen können Prozesse zu automatisieren und effizienter zu gestalten. Mein Fokus liegt aber darauf Lösungen zu Problemen zu finden und nicht um jeden Preis KI anzuwenden. Hierzu moderiere ich gerne Design Thinking Workshops um die Nutzerperspektive nicht aus dem Auge zu verlieren. Außer Workshops moderieren und Kunden beraten, halte ich viele Vorträge über KI und suche aktiv den Austausch mit KI Experten, intern aber auch extern. 

5. Als Frau an der Speerspitze der IT – das klingt nach einem Jackpot. Ist es das wirklich für Dich?

Kenza: Jackpot würde ich es nicht nennen. Ich arbeite seit 15 Jahren in der IT Branche, für mich ist es „Normalzustand“.  Es macht mir natürlich Spaß an innovativen Themen zu arbeiten und deswegen suche ich mir die Themen gezielt aus. 

6. Mit Deinen Qualifizierungen & Zertifikaten kannst Du wahrlich Seiten füllen – gibt es eine, die Dir besonders viel bedeutet und wenn ja warum?

Kenza: die Ausbildung als Design Thinking Facilitator war sehr besonders. Zu lernen wie man von einer Idee zu einem Prototypen in kürzeste Zeit kommen kann, hat mir eine neue Welt der Möglichkeiten eröffnet. 

7. Was macht Kenza, wenn sie nicht arbeitet?

Kenza: Zeit mit Familie und Freunden verbringen. Ich bin in Marokko aufgewachsen, wo man nie alleine ist. Ich bin sehr gerne unter Menschen und treffe sie am liebsten zum Tee und Kuchen.

8. Digital Female Leader Award Tech & IT 2018 – was bedeutet Dir diese Auszeichnung?

Kenza: eine Anerkennung für meine Arbeit und Engagement. Durch den Award habe ich auch mehr Visibilität erlangt und viele neue Kontakte. Das DFLA Ziel „Frauen sichtbar zu machen“ wurde in meinem Fall definitiv erreicht, dafür bin ich GDW (Global Digital Women) sehr dankbar.  

9. Unsere Welt in 20 Jahren –was hat definitiv Bestand, was wird komplett anders sein?

Kenza: Bestand werden immer die zwischenmenschlichen Beziehungen haben: die Empathie, die Emotionen, das Mitgefühl und das Zusammenhalten. 

Komplett anders wird das Verständnis bzw. Bedürfnis von Besitz sein. Ich glaube dran, dass wir uns Richtung Sharing Economy noch weiter entwickeln werden und dass die Leute weniger Sachen besitzen wollen. Und ich erhoffe mir, dass wir in Deutschland auch mal das Barbezahlen bis dahin abgeschafft haben.  

10. Kenza in 20 Jahren – was wäre Dein Traum und was machst Du dafür? Über wessen Unterstützung freust Du Dich?

Kenza: mein Traum wäre, dass wir uns in 20 Jahren nicht mehr über Gleichstellung, Frauenquote oder gender gap mehr unterhalten müssen. 

Ich engagiere mich darin, Frauen für die MINT. Branche zu begeistern, weil das die Branche ist in der ich tätig und glücklich bin. Auf dieser Reise treffe ich immer mehr gleichgesinnten und inzwischen fühle ich die Kraft, die aus dieser Gruppe entsteht. Über diese gegenseitige Unterstützung freue ich mich riesig. 

Herzlichen Dank liebe Kenza – wir sind gespant auf Deine weitere Reise!

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