Julia Collard & Sven Schnitzler
Money rules the world

Money rules the world

Finanzwoche im #netzwerkblog

– mit den Artikeln von Marcus über Steuern und Manuel über Unternehmensbewertungen haben wir uns in dieser Woche mal auf anderes Terrain gewagt. Raus aus der Komfortzone quasi (falls Marketing & HR denn solche sind). Und doch auch wieder eigentlich nicht – denn dreht sich nicht irgendwie immer alles ums Geld?

Dass Geld nicht glücklich macht, haben wir mehr als ausreichend erfahren müssen. Die größten Wünsche und Erfolge können wir uns weder kaufen noch in einem Geldwert messen.

Geld ist ein Thema

Aber trotzdem: es ist jeden Tag ein wichtiges Thema – in allen Lebensbereichen. Die Summen, die uns mit den Wirtschaftsnachrichten um die Ohren fliegen, sind kaum mit den Beträgen vergleichbar, mit denen wir normalerweise in Berührung kommen

 

Amazon ist mehr wert als die 10 größten Dax-Konzerne zusammen, Jeff Bezos verdient 12 Mrd. Dollar am Tag. Er wird es verschmerzen können, den Titel als reichster lebender Mann der Welt nach seiner Scheidung wieder an Bill Gates abgeben zu müssen.

 

„Ryan ist wie jeder andere Siebenjährige“ – oder vielleicht doch nicht, wenn man gleichzeitig liest, dass der Junge mit seinem YouTube Kanal RyanToysReview in einem har 22 Mio. Dollar verdient hat. Er spielt dort. Mit Spielsachen. Für Geld – verrückt!

 

Der erste Fußballer, der die 100-Millionen-Euro-Grenze knackt, ist Wayne Rooney. Der Stürmer von Manchester United sichert sich damit aber nur Platz 5. Mit Abstand der reichste Fußballer der Welt ist mit CR7 seine eigene Marke – und das geschätzte Vermögen von Cristiano Ronaldo liegt damit bei 210 Mio. Euro.

 

Frank Thelen ist das Aushängeschild des deutschen Gründers – scheinbar mit Leichtigkeit gründet er Unternehmen, jongliert mit Startups, finanziert und unterstützt technologie- und designfokussierte Jungunternehmer. Und durch seine Biographie, seien Medienpräsenz sowie DHDL erweckt er den Anschein, dass das jeder von uns schaffen kann – wenn er nur will.

 

Vermutlich hat jeder von uns schon mal bei Amazon bestellt, ein Youtube Video geguckt, beim Fußball mitgefiebert und über eine Erfindung bei DHDL geschmunzelt. Also haben wir zu diesen Erfolgen im ganz Kleinen beigetragen. Das Gesetz von Nachfrage und Angebot mit befeuert, das dann manchmal doch unbegreifliche Blüten schlägt und für manche Branchen scheinbar keine (monetären) Grenzen mehr zu kennen scheint.

Grundlagen für Erfolg

Längst ist es auch nicht mehr immer die perfekte Ausbildung, die den Erfolg garantiert, sondern die Mischung aus Talent, einem guten Riecher, einer Idee – zur richtigen Zeit am richtigen Platz-, dem passenden Umfeld. Und ja – nicht selten wirkt das auch unverdient, sogar unfair, wenn Menschen scheinbar ohne besonderen Fleiß Erfolg und Geld zu Teil wird, während man selbst doch hart (härter?) arbeitet.

Auf der anderen Seite sind wir selbst es, die auch zweifelhafte Karrieren wie die der Dschungelkönigin, des Gaming-Profis oder der Hotelerbin möglich machen. Die Geschichten reizen, werden gelesen, geliked und die Personen dahinter so noch sichtbarer gemacht. Die erste Erklärung ist ziemlich verklärt: Scheinwelt und Traumjob. Die zweite sehr realistisch und einfach: Wirtschaft. Und daher ist es gar nicht so falsch, die Systeme hinter den Superreichen und Erfolgreichen zu beobachten. Ganz von selbst läuft nämlich natürlich auch dort nichts. Die Anzahl derer, die hart für den Erfolg arbeiten ist wesentlich höher als es zunächst scheint, das Risiko oft mindestens genauso groß wie der potenzielle Gewinn und dauerhaft funktioniert auch der SocialMedia Star nur mit einem cleveren Business im Hintergrund. Die gescheiterten Sternchen tauchen eben in viel weniger Meldungen auf.

Ja, wir sind beeindruckt von den Möglichkeiten und es gibt sicher den Moment, in dem man bei der einen oder anderen Geschichte denkt, dass man das doch irgendwie vielleicht auch hätte schaffen können. Nicht unbedingt die Fußballkarriere von Ronaldo – aber vielleicht doch die der Hotelerbin ;-).

Geld macht nicht glücklich

Geld allein macht nicht glücklich, aber es gibt ein Gefühl von Sicherheit – nach der streben wir zumindest insoweit, als dass wir eine Familie, ein Team haben und Verantwortung tragen. So schön Wertschätzung und Anerkennung sind – es wird sich kaum jemand davon freisprechen, dass auch ein finanzieller Ertrag für die eigene Leistung ein durchaus geeignetes Lob darstellt. Ehrenamt ist in den allermeisten Fällen nicht der Hauptjob.

Wie hoch die Summe zum Glück sein muss – da wird jeder seinen eigenen Maßstab haben. Und der setzt sich zumindest bei uns zusammen aus den Dingen, die wir uns leisten können und denen, die wir jeden Tag geschenkt bekommen – Familie, Freunde, Entwicklung, Fortschritt.

Definitiv sind ein klebriges Marmeladeküsschen und das gemeinsame Frühstück morgens vor dem Weg ins Büro viel mehr wert als die nächste Gehaltserhöhung. Und der Gedanke an den Preis für das Abiballkleid ist dann vergessen, wenn die Große die Bühne betritt und strahlend das Zeugnis entgegen nimmt. Trotzdem muss das Kleid bezahlt und das Auto für den Weg ins Büro vollgetankt vor der Tür stehen.

Ein „gutes Maß“ – das verschiebt sich oft mit Kindern auch noch einmal erheblich. Natürlich sollen auch sie mit einem gesunden Verhältnis zu Geld und Leistung aufwachsen – und doch kaufen wir den teuersten Autositz, wenn er die höchste Sicherheit verspricht, gehen als Familienevent ins sündhaft teure Musical und ärgern uns gleichzeitig schwarz, wenn wir die Parkzeit um 5 Minuten überziehen und der nächste Euro fällig ist.

Hard Facts & Soft Skills

Gerade den Bereichen Marketing und Personalentwicklung wird oft nachgesagt, dass es ja „nur“ um bunte Bilder und um Menschen geht, während es im Rechnungswesen, im Versicherungs- und Steuerbereich um die knallharten Zahlen als Maßstab dienen. Genau das ist unserer Meinung nach falsch. In allen Bereichen sind genau beide Faktoren wichtig – der Mensch, die Zahlen und die Geschichten drum herum. Wenn wir das vereint im Blick haben, laufen wir weder Gefahr, nur als Numbercrunsher durchs Leben zu gehen und immer neidisch auf die schauen, denen es vermeintlich so viel besser geht, noch alles durch die rosarote Brille zu betrachten.

Dann werden wir vielleicht auch gelassener gegenüber manchen Millionendeals. Geld macht nicht glücklich. Aber es regiert die Welt. Unser Verhältnis dazu ist sehr ambivalent. Es spielt eine enorme Rolle, die wir ihm eigentlich nicht zubilligen wollen. Und es spielt im Vergleich eine wesentliche Rolle – in vielen Teilen der Welt sind wir mit unserem Einkommen hier steinreich, in anderen wiederum arm. Alles eine Frage des Blickwinkels. Obwohl wir uns auch wieder nicht vergleichen wollen. „Man spricht nicht über Geld“ und „bei Geld hört die Freundschaft auf“ – auch so ein Ding. Vielleicht sollten wir uns einfach auch eingestehen, dass wir monetäre und nicht monetäre Ziele haben. Wir sind unser eigenes kleines Wirtschaftssystem. Und dann müssen wir auch noch versuchen, dieses individuell uns selbst wie auch jedem anderen zuzubilligen.

Dann können wir uns über einen Bonus zum Jahresende genauso freuen wie über das Sonderangebot beim Bäcker. Über das Strahlen, wenn wir den Kindern eine Kleinigkeit von der Dienstreise mitbringen können. Über das selbstgemalte Bild. Und ganz ehrlich: Mansa Musa, der König von Timbuktu, war der reichste Mensch aller Zeiten. Er hatte ein Vermögen, das man nicht mal beschreiben konnte.

Das ist doch auch nicht einfach…

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