Julia Collard & Sven Schnitzler
Hacking als Change Instrument #1 – Vom Life Hack zum Work Hack

Hacking als Change Instrument #1 – Vom Life Hack zum Work Hack

Schon wieder etwas verändern? Und jetzt auch noch mit der Axt im Wald?

Veränderungsprozesse

Veränderungsprozesse passieren schleichend oder disruptiv, finden gezwungener Maßen „von oben“ initiiert statt oder entstehen organisch.

An dieser Stelle setzen Hacks an – aus der Computertechnologie bekannt als Veränderung eines Systems oder Programms auf spielerische, erprobende Weise mit dem Ziel die bekannte Funktion zu verändern oder eine neue Funktionalität zu entdecken.

Buzzword „Hack“

Sind Hacks damit nur eine hippe Interpretation oder Bezeichnung von Lebenstipps? Manche der inflationär erscheinenden Listen mit „10 Hacks zu jedem beliebigen Thema“ lassen diesen Schluss fast zu.

Dabei sollen Hacks mehr sein: Sie sind eben nicht Tipps, die aus Wissen, Erfahrung und Expertentum resultieren, sondern Tipps, die ungewöhnlich, schräg und innovativ sind. Um diese durchzuführen, bedarf es also keiner beruflichen oder sonstigen Legitimation des Initiators!

Experimentelle Lösungen

Hacks kommen auf experimentellem – sogar zufälligem – Weg zur Problemlösung. Life Hacks (die eben nicht mehr nur Tipps sind) resultieren somit aus Beobachtungen, die durch Ausprobieren und Testen zu einer besseren Lösung oder einem veränderten Einsatz führen. Wenn es also Zahnpasta für weißere Zähne gibt, kann man eben ausprobieren, ob sie auch bei der gräulichen Turnschuhsohle wirkt. Dass wir Banen unser Leben lang von der „falschen“ Seite geschält haben, ist nur erkannt worden, weil jemand von dem Gematsche so genervt war, dass er eine neue Lösung probiert hat. So werden sehr simpel dargestellt aus Experimenten Impulse für den Lebensalltag.

Und weil in unserem vom Work Life Blending geprägten Leben der Weg vom Hack für den Alltag zu dem im Berufsleben nicht weit ist, ist der Work Hack die logische Konsequenz.

„Try something new every day“. Das hört sich gut an – wie praktikabel ist denn aber ein Work Hack im Unternehmensalltag? Nicht weit weg von der Bananenschale eigentlich: wenn Sie feststellen, dass Meetings in ihrem Team immer länger als geplant dauern und kaum einer dem anderen richtig zuhört, können sie das entweder ertragen, erneut besprechen oder eben die Situation ändern: im Stehen ohne eigenen Block und Stift aber mit Whiteboard oder Flipchart diskutiert man kürzer und fitter. Wir müssen ja nicht gleich alle kreativ im Kopfstand sein.

Work Hacks lassen unterschiedliche Dimensionen einer Veränderung zu: Von ganz vorsichtig bis umwerfend. Natürlich steigt auch mit jeder Wirkungskraft die Gefahr, dass etwas schief geht. Hier sind Sie als Team gefragt: Wie viel Veränderung lassen Sie zu, wie mutig sind Sie, wie eingefahren Ihre Wege? Es klappt nicht, von einem auf den anderen Tag einen Work Hack von jedem zu fordern. Ähnlich haben wir es selbst zu spüren bekommen, als wir ein neues Team übernommen haben und unsere Grundregel „Nichts wird ohne Gegenfrage so gemacht wie vorher!“ dem „Das war doch schon immer so!“ entgegengestellt haben. Um die Wirkung von Hacks zu testen, muss es auch Stabilität im Umfeld geben – nur so können wir Veränderungen und Verbesserungen bewerten.

Konkrete Ideen für Hacks – vom Buzzword zur Tat

Wenn wir jetzt konkrete Ideen für Work Hacks nennen, die sich von Teams und Projekten ausprobieren lassen und Neuordnungen auslösen können, so sind das Beispiele mit der besonderen Betonung auf „Spiel“ – Hacks brauchen Raum, um damit zu spielen. Denn ein Hack, der sich vielfach und fast universell einsetzen lässt, ist schon keiner mehr. Er wird dann, wenn er positiv wirkt, zum Expertentipp oder zur Handlungsempfehlung und verliert seinen experimentellen Charakter. Ein bisschen Mut und Kreativität gehören also zur Abwandlung der folgenden Ideen hinzu! Überlegen Sie gemeinsam mit dem Team. Probieren Sie aber auch ohne Wissen der anderen aus.

  • Jeder führt seine To Do Liste – warum nicht eine gemeinsame (haptische!) führen, auf der jeder sieht, was alle grade machen und gemeinsam erledigte Aufgaben abgehakt werden können – inhaltlich, optisch gedanklich!
  • Können Sie gemeinsames Lernen in Meetings oder die Kaffeepause integrieren? Nach dem Motto: jeden Tag etwas Neues!
  • Sind Sie morgens oder abends leistungsfähiger? Das kann ein guter Indikator für Ihre eigene Prioritätenliste sein.
  • Email, Projekt oder Meeting – Multitasking ist eine freundliche Formulierung von fehlender Struktur – wie fokussieren Sie sich?
  • Können Sie Orte wechseln im Arbeitsbereich, idealer Weise sogar innerhalb der „eigenen 4 Bürowände“ zwischen Erledigungs- und Kreativzone?
  • Knoten im Kopf? In zwei Tagen kann es ganz anders aussehen!
  • Wann sind Sie zu zweit oder dritt im Team zuletzt um den Block gelaufen, um zu reden?
  • Können Sie für sich selbst auf Redezeit in Meetings verzichten, wenn Sie wirklich nichts zu sagen haben? Einfach schweigen?
  • Ist Ihr Schreibtisch leer oder demonstrieren Papierstapel Wichtigkeit? Ihr Papierkorb kann ein guter Organisator sein. Auch der digitale.

Summe von vielen kleinen Aktionen

Das alles hört sich für Sie nicht wirklich nach großer Veränderung an? Wird es aber, wenn sich jedes Teammitglied solche Hacks überlegt und sie für sich selbst interpretiert. Dann treffen viele kleine Änderungen aufeinander und zeigen im individuellen wie auch im Teamalltag Wirkung.

Wie das auf die Unternehmenskultur wirkt? Folgt in Teil 2:

Hacking als Change Instrument #2 – Vom Work Hack zum Culture Hack

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