Julia Collard & Sven Schnitzler
Digitalisierung in Schulen – nur mit Sponsoren?

Digitalisierung in Schulen – nur mit Sponsoren?

#34 Gastbeitrag von Nina Toller, Toller Unterricht

Hinweis: Die im Folgenden verwendeten Bezeichnungen Schüler°, Lehrer° usw. umfassen jegliches Geschlecht (m/f/d).

Mein Name ist Nina Toller und ich arbeite in Vollzeit als Lehrerin für die Fächer Englisch, Geschichte und Latein an einem Gymnasium in Duisburg. Im letzten Schuljahr habe ich außerdem eine Fortbildung für das Fach Informatik absolviert, das ich nun in den Klassen 5-9 unterrichten darf.

Mich interessieren digitale Medien schon sehr lange. Daher habe ich mich in meiner Freizeit „nebenbei” immer mehr damit beschäftigt und schon früh versucht kleinere „Tools” in meinem Unterricht einzusetzen. Die Schüler° sind meistens begeistert und viel motivierter bei der Sache, was mir wiederum Bestätigung für den Einsatz gibt.

Mittlerweile nutze ich in meinem Unterricht eine Mischung aus analogen und digitalen Medien. Meine Schüler° sollen nicht nur Inhalte und Fakten lernen, sondern auch, wie sie sich Informationen beschaffen, wie sie ihre Arbeit effektiv und effizient untereinander aufteilen, und wie sie das Gelernte am besten visualisieren. So entwickeln sie Offenheit und Lernbereitschaft und werden in ihrem Lernprozess unabhängiger, da sie selbst Entscheidungen treffen müssen. Der Lehrer° wird dabei zu einem Lernbegleiter°, einem Moderator°. Dazu nutze ich vor allem kooperative Lernformen und orientiere mich an dem sogenannten 4K-Modell (Kritisches Denken, Kommunikation, Kreativität und Kollaboration).

Gern teile ich meine Ideen, Versuche und Material aus dem Unterricht und habe daher angefangen, einen Blog über meinen Unterricht zu schreiben. Auf www.tollerunterricht.com sowie in den sozialen Medien (Twitter, Facebook, Instagram) gebe ich regelmäßig Tipps und berichte über meine Erfahrungen und neue Ideen.

Für den #Netzwerkblog möchte ich ein Thema ansprechen, das mich schon lange beschäftigt, aber sehr schwierig ist: Sponsoring in Schulen.

Stand der Dinge in den Schulen

Wenn man etwas gezielt erreichen und umsetzen möchte, braucht man dafür einen Plan. Wenn eine Schule etwas umsetzen möchte, reicht dafür nicht nur ein Plan. Dieser Plan muss zuerst den Lehrern° vorgestellt und dann als Vorhaben beschlossen werden. Die Schulkonferenz, die aus gewählten Vertretern° des Lehrerkollegiums, der Eltern- und Schülerschaft sowie der Schulleitung besteht, muss diesem Beschluss zustimmen. Erst dann kann man seinen Plan auch weiter verfolgen und ein Konzept erstellen. Im Idealfall wird dies im Sinne aller beteiligten Akteure, wie z.B. Schülern°, Eltern, Lehrern°, erarbeitet, damit es dann auch ausreichende Akzeptanz findet und umgesetzt werden kann.

Wenn man sich also nun die Digitalisierung auf die Fahnen schreibt, muss man ein pädagogisches Konzept erarbeiten, das beschreibt wie digitale Medien im Unterricht eingesetzt werden, welche Fähigkeiten Schüler° und Lehrer° haben und wie konkrete Themen in den Fächern verteilt werden sollen. Logischerweise gehört dazu auch eine gewisse Grundausstattung.

Nachdem die damalige Bildungsministerin Johanna Wanka im Jahre 2016 den Digitalpakt groß angekündigt hatte, war zwar die Freude groß, aber viele Schulen waren auch etwas ratlos. Wofür genau können die finanziellen Mittel verwendet werden?

Die Ratlosigkeit ist geblieben, denn konkreter haben sich die Schulen bisher gar nicht mit der Verwendung der Mittel beschäftigen können. Im Jahre 2019 unterhalten wir uns nämlich noch immer über den Digitalpakt, weil er noch immer nicht umgesetzt wurde.

Aber man ist ja gewöhnt (oft auch vergeblich) auf das zu warten, was die Politik verspricht. Eine „Bildungsrepublik Deutschland”, wie Angela Merkel 2008 versprach, sind wir auch über 10 Jahre später nicht, auch wenn die sogenannten „Dresdner Beschlüsse” nicht vergessen seien, wie die SZ berichtet. Ob Deutschland so zu einer „Digitalnation” werden kann, wie ich letztens persönlich von Dorothee Bär in Neuss hören konnte, ist fraglich. Meine Hoffnung bleibt trotzdem. Vielleicht klappt es ja,  dass „in den nächsten fünf Jahren pro Schüler zusätzlich insgesamt 1.000 Euro für Technik und Modernisierung” investiert werden, wie die FDP fordert.

Man könnte meinen, es würde alles direkt digital laufen, wenn denn nur das nötige Geld da wäre.

Digitalisierung und Prioritäten

Geld für digitale Ausstattung? Marode Schulen müssen erst einmal saniert werden, bevor man in neue Technik investieren kann, finden viele. In NRW beispielsweise wurde von der rot-grünen Vorgängerregierung das Förderprogramm „Gute Schule 2020” eingeführt. Theoretisch konnten die Schulen bei ihrem (kommunalen) Schulträger einen Antrag für finanzielle Mittel stellen, die z.B. in die digitale Infrastruktur fließen konnten. Was passierte aber: Wenn Schulen einen Antrag stellten, ging es meist eher um die Toiletten, reparaturanfällige Dächer und an Wände, die endlich mal wieder gestrichen werden mussten. Dass manche dieser Schulen noch immer auf die Ausführung ihres Auftrags warten, da die Handwerkerbetriebe gar nicht hinterherkommen, ist noch eine andere Geschichte. Viel schlimmer ist meines Erachtens, dass manche Träger es völlig verpasst haben, die Schulen überhaupt zu informieren. Zwar wurde die Antragsfrist verlängert, dennoch haben einige Schulen bis heute überhaupt keine Mittel abgerufen (oder eben abrufen können).

Allein beim Buchstaben „A” sieht man viele Nullen bei der Abrufung der Mittel.

Quelle: Antwort des Ministers der Finanzen auf die Kleine Anfrage 1379 | Drucksache 17/3789 | https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD17-3789.pdf

Allein am Geld liegt es also nicht. Auch die nötige Unterstützung fehlt. Wie sollen die Schulen es also unter diesen Umständen schaffen, sich selbst „aufzurüsten” und somit Schülern und Lehrern eine zeitgemäße Bildung mit digitaler Ausstattung zu ermöglichen?

Hilfe von außen: Unterstützung aus der Wirtschaft

Manche Schulen haben sich aber bereits auf den Weg gemacht, sie „machen einfach”. Vielleicht haben sie einen Antrag auf Förderung gestellt, der umgesetzt wurde.

Eine mögliche Alternative bietet die Unterstützung aus der Wirtschaft. Generell erlaubt ist diese Art der Unterstützung, wenn sie „mit dem Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule vereinbar” (§99, Schulgesetz NRW) ist.

Bezüglich der Unterstützung bei der Medienanschaffung hat eine Schule in Oberhausen genau diese Alternative gewählt: Hier hat das Unternehmen Samsung die Tablets gestellt, damit die Schüler „Als Geometer am Gasometer“ (so der Projektname) arbeiten können.

Noch mehr Veränderung gibt es in einer Schule in Bayern: Sie führt nach und nach Tablet-Klassen ein, nutzt einen 3D-Drucker und vieles mehr, denn „Samsung hat Equipment gesponsert“.

Doch nicht nur Kritiker und „Schlechtmacher” sehen bei dieser Art der Unterstützung schnell eine Hidden Agenda und werfen den Unternehmen Eigenwerbung durch Sponsoring vor. Mir stellt sich daher die Frage: Ist diese Zusammenarbeit tatsächlich „Sponsoring”?

 

Zur Klärung: Was ist Sponsoring?

Das Wirtschaftslexikon Gabler definiert Sponsoring wie folgt:

„Im Sport, bei kulturellen Ereignissen sowie im ökologischen, sozialen und medialen Bereich werden gezielt Personen, Projekte, Institutionen und audiovisuelle Programme unterstützt sowie eigene Veranstaltungen initiiert, um Teilnehmer und Zuschauer mit Kommunikationsabsichten von Unternehmen zu konfrontieren. Durch Sponsorships werden Ereignisse, die im Fokus des öffentlichen Interesses stehen und folglich Resonanz in den Medien finden, in die Kommunikationsarbeit von Unternehmen einbezogen, um kommunikative Wirkungen zu erzielen.

Im Mittelpunkt stehen Umsatz- und Absatzziele sowie die Steigerung von Markenwerten und Marktanteilen… Von Bedeutung sind insbesondere die Steigerung des Bekanntheitsgrades von Unternehmen oder Marken…“

Kann also Samsung in den oben genannten Beispielen diese Ziele erreichen? Nun, die Schüler werden an das Gerät und das Betriebssystem gewöhnt, die Eltern sehen den Umgang ihrer Kinder damit und entschließen sich beim privaten Kauf so vielleicht eher für ein Samsung-Gerät. Was man kennt, wird eher benutzt. (Eine ähnliche Situation kennen viele bestimmt selbst aus der Schule: Wer damals einen Taschenrechner von Casio im Unterricht benutzte, wollte privat bestimmt keinen von Texas Instruments bedienen… und umgekehrt)

Sponsoring und die Education-Sparte

Übertragen auf Lehrpersonen funktioniert das ähnlich: Wenn die Lehrer im oben genannten Beispiel aus Bayern tagtäglich in der Schule mit den Samsung-Geräten arbeiten und vielleicht sogar noch weitere (kostenlose) Extras wie spezielle Apps für ihren Unterricht erhalten, desto eher werden sie dieses Gerät auch privat bevorzugen und sogar vielleicht weiterempfehlen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die immer breiter werdende Education-Sparte. Es geht nicht mehr nur um Hardware, wie vielleicht noch in den 1990ern. Im Mittelpunkt steht Software, die als Lernmanagement-System genutzt werden kann, um beispielsweise Arbeitsblätter als Lehrkraft ablegen und als Schüler° herunterladen zu können. So stehen Apple, Microsoft und Google im schulischen Bereich zunehmend mit ihren Angeboten in Konkurrenz zueinander, ohne dass es bisher einen eindeutigen „Gewinner” gibt (siehe hier: Google vs Apple vs Microsoft: Who Will Own the Education Market?).

Aber um welche Zielgruppen kämpfen die Anbieter nun genau? Um die Schüler, Lehrer, Eltern – oder wollen sie tatsächlich einfach nur den Bildungsbereich revolutionieren? 😉 (Aufschlussreich in dieser Hinsicht ist auch der Artikel der Schweizer Handelszeitung, die untersucht hat, welche Firmen „Jagd auf Schweizer Schüler” machen.)

Zu glauben, dass große Unternehmen aus ausschließlich altruistischen Motiven ganze Schulen ausstatten wäre sehr naiv. Eine geordnete Nutzung von Kooperationen pauschal auszuschließen, allerdings auch.

Welchen Nutzen hat Schulsponsoring für Unternehmen?

Das Schulministerium NRW hat 2010 eine Broschüre veröffentlicht, um für „Schulen, Schulträger und Unternehmen” eine Orientierung und Hilfestellung anzubieten. Die meisten Punkte sind meiner Meinung nach allerdings sehr allgemein gehalten:

Für Unternehmen ist das Schulsponsoring ertragreich und sinnvoll, um

  • die Qualität der schulischen Bildung zu verbessern
  • potenzielle Nachwuchskräfte gezielter informieren zu können und potenzielle Auszubildende kennenzulernen
  • die Vorstellungen der Firma und die Ansprüche an die Mitarbeiter deutlich zu machen
  • häufiger und positiv in der lokalen Presse erwähnt zu werden
  • ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung Nachdruck verleihen zu können
  • die Beziehungen zum regionalen Umfeld zu verbessern
  • Vorurteile der Wirtschaft gegenüber zu beseitigen, Unternehmen am Standort und in der Region positiv in Erscheinung treten zu lassen und dazu beizutragen
  • die Öffentlichkeitsarbeit zu intensivieren und Imagegewinn zu erreichen.

Quelle: Schulministerium NRW „Schulsponsoring heute – Leitfaden für Schulen, Schulträger und Unternehmen”, S. 5

Sponsoring = Lobbyismus?

Der typische Schlechtmacher Lehrer, der der „bösen Wirtschaft” gegenüber sehr kritisch eingestellt ist, sieht hier aber nicht nur eventuell „harmloses” Schulsponsoring, sondern vor allem Lobbyismus durch die Hintertür. Beim #edchatde-Special „Lobbyismus in Schulen” (12. Juli 2016) gab es durchaus einige Stimmen, die die Hilfe oder Unterstützung aus der Wirtschaft in Zeiten von klammen Kommunen und Haushaltsstopps eher als (einzigen) möglichen Ausweg aus der „Digitalisierungskrise” für die Schulen sehen, wie etwa André Hermes:

Schon vorher haben sich einige positiv geäußert, wie zum Beispiel Urs Henning:

Eine Zusammenarbeit irgendeiner Art muss es schließlich geben, allein dann, wenn es um die Wahl der technischen Produkte, etwa der Tablet-Marke, geht. Stefan Schwarz brachte das schon auf den Punkt:

Ein Blick über den deutschen Tellerrand

Außerhalb Deutschlands sind diese „School-Business Partnerships” mal wieder gar nicht so selten. Eine der bekanntesten Bildungsplattformen, Education World, veröffentlichte eine ganze Reihe von Erfolgsgeschichten, wie man als Schule mit den Unternehmen in seiner Region zusammenarbeiten kann. Sie gehen sogar so weit zu sagen:

“Any school leader who is not taking advantage of potential business partnerships in and surrounding their community is missing a tremendous opportunity — an opportunity most businesses are eager to pursue.”

Es ist wohl auch hier wieder das berühmte gesunde Mittelmaß gefragt: Die Zusammenarbeit von Bildung und Wirtschaft ist wichtig, jedoch sollten keine Abhängigkeiten entstehen!

Herausforderung für „digitale Lehrer”

Genauso wichtig ist, dass sich alle Beteiligten dieser eventuellen Vereinnahmung bewusst sind. Ein Beispiel aus der Grundschule Rötha bei Leipzig: Der Artikel bezeichnet die Teilnahme am Schreibwettbewerb von Amazon als „geschickt verpackte PR im Klassenraum”, während die Direktorin betont: „Im Vordergrund stand für mich der Lesespaß, der Schreibspaß und der pädagogische Hintergrund.”

Ob mit diesem Hintergrund ein Lobbyregister, wie es im NRW-Landtag für die Wirtschaft diskutiert und abgelehnt wurde, für Schulen sinnvoll wäre, weiß ich nicht. Wer eine Orientierung möchte, findet diese beim Materialkompass, den das Schulportal für Verbraucherbildung anbietet. Sie versprechen: „Materialien, die (Produkt-) Werbung oder grobe fachliche Fehler enthalten, werden mit Hilfe eines K.O.-Kriteriums mit „mangelhaft” bewertet.” [Zum Hintergrund: Beispielsweise könnte eine große Krankenkasse kostenlose Unterrichtsmaterialien mit vorgefertigten Arbeitsblättern zum Thema Ernährung anbieten. Die Lehrkraft wird augenscheinlich entlastet, da die Materialien direkt eingesetzt werden könnten. Dabei wird aber übersehen, dass auf jedem Arbeitsblatt das Logo der Krankenkasse zu sehen ist und somit indirekt wirbt. Es könnte sogar noch beim Thema „Zucker in Lebensmitteln” eine kostenlose Beratung bei der örtlichen Niederlassung der Krankenkasse angeboten werden.]

Fest steht jedoch, dass es für den „digitalen Lehrer” zunehmend zur (weiteren) Herausforderung wird, einerseits gemeinsam mit Unternehmen an innovativen Möglichkeiten der Unterrichtsvermittlung zu arbeiten und andererseits eine Vereinnahmung zu vermeiden. Schließlich sollen Schüler nicht an eine bestimmte Plattform oder Hardware gewöhnt werden, sondern an den intelligenten Einsatz verschiedener Lösungen.

Was motiviert mich trotzdem?

Trotz diverser Hindernisse sehe ich einfach großes Potenzial, wenn es um den Einsatz digitaler Medien geht. Das ist meine größte Motivation mich auch manchmal stundenlang an den Schreibtisch zu setzen und mir Dinge zu überlegen, die ich vielleicht sogar „einfacher” hätte haben können.

Natürlich wünschte ich mir eine 1:1-Ausstattung, sodass jeder Schüler immer ein Gerät zur Verfügung hat und ich in meiner Vorbereitung des Unterrichts auch noch sicher davon ausgehen kann, welche Apps oder Tools ich einsetzen kann. Wenn man mit den Smartphones der Schüler im Sinne eines BYOD-Konzepts („Bring your own device”) arbeitet, muss man immer eine Lösung finden, die für jedes Betriebssystem passt und mit der auch ältere (= langsamere) Handys umgehen können.

Gern leihe ich daher vom städtischen Schulmedienzentrum einen iPad-Koffer aus. 😇 In dem Koffer habe ich 16 iPads, ein MacBook sowie ein Apple-TV zur Verfügung. Natürlich habe ich mehr Schüler° als iPads, aber so kann ich sie zumindest bei Partnerarbeiten in meinem Unterricht einsetzen. Da weiß ich auch, welche App auf dem Tablet ist und wie ich sie einsetzen kann. Zumindest fast immer. Denn die Administration liegt beim Schulmedienzentrum selbst, sodass ich als Lehrkraft, die die Geräte ausgeliehen hat, nicht mal eben schnell eine neue App installieren kann. Das ist zwar manchmal etwas umständlich und nicht ideal, aber ich bin trotzdem sehr froh über das Angebot!

Überhaupt ist das Prozedere nicht ganz so digital, wie man sich das vorstellen oder wünschen würde. Die umständliche Anekdote habe ich auch auf meinem Blog erzählt und von einem „Paradoxon” gesprochen. Mal sehen, ob das bald auch von der Digitalisierungswelle erfasst wird.

Was ich sonst raten kann? Ausprobieren, hinfallen, aufstehen, Krönchen richten

Fehlende Ausstattung und fehlende pädagogische Konzepte sind Probleme, die es zu lösen gilt. Man kann sich aber auch schon jetzt auf den „digitalen Weg” machen und mit dem arbeiten, was man hat. Man muss aber den Mut aufbringen es auszuprobieren. Auch ich und meine Ideen scheitern manchmal. Das ist aber überhaupt nicht schlimm! Manchmal scheitert es an den kleinen Dingen, dass ich zum Beispiel einfach nicht die Zeit eingeplant habe, die es brauchte, bis sich die Schüler in der App zurecht gefunden hatten. Oder ich habe vorher nicht überprüft, ob die mobilen Geräte etwas genauso darstellen würden, wie ich es auf meinem heimischen Computer gesehen und vorbereitet habe. Natürlich ärgere ich mich jedes Mal, aber ich verzweifle nicht. Denn genau das sind die Erfahrungen, die man sammeln muss, wenn man ausprobiert und neue Wege geht. Klar, das hört sich schon spruchreif für eine – digitale – Postkarte an, doch so ist es. Besonders authentisch ist die Situation dann, wenn ich sie auch nicht vor den Schülern verstecke, sondern sie mit einbinde. Entweder sage ich am Anfang, dass wir „mal wieder” ein Experiment wagen und/oder dass ich keine Ahnung habe, wie es ausgeht und auf ihre Mithilfe und Rückmeldung angewiesen bin. Diese Ehrlichkeit bricht mir keine Zacke aus der Krone, um beim Bild zu bleiben, im Gegenteil. Die Schüler fühlen sich so viel ernster genommen und lernen eben auch mit Fehlern, Scheitern und vielleicht auch Enttäuschungen umzugehen, dabei aber nicht aufzugeben. In den USA hat sich in den letzten Jahren das Wort „Resilience” durchgesetzt, das diese Fähigkeit beschreibt.. Genau das ist eine Fähigkeit, ganz unabhängig vom Digitalen, die man sehr gut brauchen kann. Ein richtiges „Lernen fürs Leben” an der Stelle. Zunehmend sehe ich auch in Deutschland den Begriff Resilienz in dieser Form in vielen Blogs und Artikel zum Thema erwähnt.

Resilient bin ich mittlerweile auch in Bezug auf Skeptiker und Schlechtmacher. Ich bin davon überzeugt, dass die Digitalisierung viele Chancen bietet. Und wenn sich ein Unternehmen nun berufen fühlt mehr Schulen mit Geräten auszustatten und so die technische Seite abzudecken: Als Spende, ganz ohne Gegenleistung, ist das völlig in Ordnung. 😎

Autorinnenprofil

Mein Name ist Nina Toller und ich arbeite in Vollzeit als Lehrerin für die Fächer Englisch, Geschichte und Latein an einem Gymnasium in Duisburg. Im letzten Schuljahr habe ich außerdem eine Fortbildung für das Fach Informatik absolviert, das ich nun in den Klassen 5-9 unterrichten darf.

Im Text verwendete Links:

  • Was motiviert mich trotzdem?
    • https://tollerunterricht.com/2017/01/19/paradoxon-2017-der-analoge-weg-zum-ipad/
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