Julia Collard & Sven Schnitzler
Ambidextrie – beidhändig hoch 2?

Ambidextrie – beidhändig hoch 2?

Mit der Auswahl unseres Themas diese Woche haben wir uns selbst eine ganz schöne Denkaufgabe gestellt. So klar, wie wir Ambidextrie gesehen haben, die wunderbaren Modelle studiert haben und so spannend wir die Artikel & Bücher von Stephan GrabmeierStephan Grabmeier, Julia Duwe, Willms Buhse etc. finden.

Für unseren eigenen Blogbeitrag – und vor allem als Impuls für unsere Arbeit –  ist das alles noch störrisch und wenig greifbar.

  • eine bloße Zusammenfassung bisheriger Erkenntnisse – nicht unser Ding.
  • eine Wiederholung oder gar Kopie von Fachartikeln – erst recht nicht.
  • eine Orientierung an innovativen Produktionsprozessen – passt nicht.

Die Blaupause gibt es nicht, den einfachen Fahrplan auch nicht. Soweit die Erkenntnis – und jetzt? Linke Hand voraus (die für die kreativen Prozesse): neu denken!

Wir orientieren uns einmal an unseren „Hauptaufgaben“ und überprüfen die auf ihre (und unsere) Beidhändigkeit – ganz nach dem Motto „Bestehendes optimieren – Neues kreieren“!

Unsere Interpretation von Beidhändigkeit:

Hochschulumfeld

Das Thema Bildung in Deutschland – nichts, was man so schnell mit Innovation und Exploration in Verbindung bringt. Auch wenn es eigentlich anders sein sollte. Klar, die Exzellenzhochschulen zeichnen sich durch Forschungscluster aus, die hochinnovativ sind. Aber die Bildungseinrichtung als Ganzes ist doch eher ein langsames Konstrukt mit vielen Regelungen, Verfahren und Vorschriften. Die Entwicklung eines neuen Studiengangs? Läuft durch Gremien, Agenturen und Strukturen, so dass Inhalte am Ende gar nicht mehr so neu sein können, als dass wir sie als innovativ (geschweige denn disruptiv) bezeichnen können. Ausschüsse, Gremien, Ordnungen – wohl kaum eine Institution schafft es, sich in so vielen Rahmenbedingungen eine Form zu geben, die entsprechend viele Arbeitsschritte benötigen, um sie wieder zu ändern. Eher so 90% Bestehendes – 10% Kreatives- Regel. Ambidextrie zumindest nicht als gleichgewichtiges Leitprinzip.

Social Media Marketing

Bestehendes optimieren? Wenn wir an unsere letzten Jahre denken fällt uns die Anwendung hier wirklich nicht leicht. Denn  eigentlich ist ja nur eines klar: dass heute nichts mehr viel von gestern gilt und wenn wir uns gerade an bestimmte Algorithmen, Tools und Netzwerke gewöhnt haben mit großer Sicherheit die große Player die Regeln ändern, Gesetzeslücken das Business erschweren oder eine neue Funktionalität zum Handeln aufruft. Im Bereich Social Media ist definitiv die innovative Hand mehr gefragt als die effiziente. Klar, Hintergrundprozesse gibt es auch hier. Aber das Bild der Ambidextrie will uns auch hier nicht so schnell in den Kopf. Für uns gilt hier eher so die 20 – 80 Regel. Ganz wenig hat Bestand und wird optimiert – ganz viel ist immer wieder neu und muss ausprobiert werden. Je mehr Querdenken desto besser.

Teamführung

Wir haben die „erste Hälfte“ unseres Teams vor drei Jahren übernommen. Eine im Durchschnitt extrem junge und motivierte Gruppe, in der unser Wunsch Neues zu kreieren auf absolut offene Ohren gestoßen ist. Motivation pur, Energie pur. Beidhändigkeit war im ersten Moment gar nicht mal so gefragt – es ging eher darum Altes über Bord zu werfen und ganz viel Platz für Neues zu schaffen. Disruptiver Change.

Mit „Zuwachs“ um einen weiteren Mitarbeiterbereich – im Schnitt erfahrener und damit auch beständiger, wenn es um erprobte Methoden geht – war schon mehr Fingerspitzengefühl in beiden Händen gefragt. Die Motivation für neue Ideen beibehalten, den Wissensstand der Mitarbeiter in diese neuen Projekte integrieren und trotzdem: immer noch auch wieder ganz neu denken.

Je diverser ein Team desto mehr Ambidextrie. Klick um zu Tweeten

So ganz platt lässt sich das sicher nicht sagen, aber die Tendenz ist das, was wir erleben.

Je homogener eine Gruppe, desto weniger Reibung zwischen Bewährtem und Unbekanntem gibt es – aber eben auch keine Entwicklung, kein Fortschritt, keine Transformation.

Der Personalbereich ist genau der, in dem wir am stärksten beide Hände (bei uns ja immerhin 4 😉 benötigen, um auf dem Grat zwischen Erfahrung, Sicherheit und Jobsouveränität auf der einen Seite und purer Neulust, Jobeinstieg und kreativem Überfluss auf einem gemeinsamen Weg zu bleiben. Und dieser soll ja bitte auch noch immer leicht bergauf führen.

StartUp

Alles neu für uns – unser eigenes Ambidextrie-Projekt: können wir nach Jahren im mehr oder weniger geschützten Raum auch noch einmal ganz neu, ganz anders denken? Ja, können und wollen wir – und was noch spannender ist: wir sind tatsächlich Blaupausengeber für neue Modelle. Zumindest Ideen- und Impulsgeber.

Wir entwickeln gemeinsam mit unseren Kunden Personal Branding Websites, die sie in ganz neuem Licht strahlen lassen, die durch Persönlichkeit sprechen, die das „innere Ich“ hervorbringen.

Zusammen kreieren wir Social Media Stories ganz eng an Lebenswegen und gleichzeitig so, dass sie den Menschen selbst staunend auf das blicken lassen, was er kann und was er ist.

Bestehendes optimieren und so zu Neuem animieren für und mit Menschen. Das ist absolut inspirierend! Klick um zu Tweeten

Ambidextrie ist extrem abhängig vom Kontext. Was für den Konzern, das etablierte Unternehmen, den erfahrenen Mitarbeiterstamm schon extrem agil sein kann, wirkt auf das StartUp traditionell und überholt.

Beidhändig zu sein bedeutet also auch immer, das Gefühl für das richtige Maß an Exploitation, also der effizienten Nutzung von Bestehendem und Exploration, dem hochflexiblen Erkunden von Neuem, an der richtigen Stelle zu beweisen.

Sind wir im Geschäftsführermeeting oder in der Professorenrunde, wird es eher die eine kleine „verrückte“ Idee sein, die wir versteckt ins Spiel bringen, während wir in der Brainstorming-Runde für die neue Instagram Kampagne keine einzigen alten Faden aufgreifen müssen.

Es geht – wie so oft – um geschickte, strategische und organisationsübergreifende Kommunikationsprozesse. Klick um zu Tweeten

Was es uns vielleicht manchmal noch einen Tick einfacher macht? Wir können Beidhändigkeit auch mal auf zwei Personen verteilen und gegenüber dem Team eine „bekannte“ und eine „neue“ Position in zwei unterschiedlichen Menschen vertreten. Das macht es optisch deutlicher, regt zu Diskussionen an und vertritt automatisch individuell diverse Werte, Absichten und Erfahrungen im Team.

Doppelte Führung ist ein bisschen auch beidhändige Führung – wenn ganz verschiedene Menschen intuitiv zusammenfinden.

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